Freie Hansestadt Bremen

05/11/2026 | Press release | Distributed by Public on 05/11/2026 08:38

Sechs neue Residenzen am Zentrum für Kunst

Das Zentrum für Kunst in Bremen gibt die neuen Residenzprojekte für die Spielzeit 2026/2027 bekannt. In einem aufwändigen Juryverfahren wurden drei Einzelkünstlerinnen und -künstler sowie zwei Ensembles und eine Band aus Bremen ausgewählt, die künftig durch das Förderprogramm des Zentrums für Kunst bei der Entwicklung und Umsetzung von zwei neuen künstlerischen Projekten finanziell, infrastrukturell und personell unterstützt werden. Die Auswahl spiegelt die große künstlerische Vielfalt und Innovationskraft der Bremer Szene wider.

Dazu sagt Staatsrätin Carmen Emigholz: "In seiner vierten Spielzeit wird das Zentrum für Kunst seiner Rolle als Produktions- und Entwicklungsort für die hiesige freie Szene konsequent fortsetzen und sich noch stärker in Bremens Kulturlandschaft verankern. Mit der diesjährigen Jury-Auswahl für die Residenzen wird das Portfolio des Zentrums für Kunst noch breiter und zugänglicher."

Die Residierenden am Zentrum für Kunst in der Spielzeit 2026/27

Tomas Bünger wird in zwei Tanzproduktionen biografische Recherchen zu den Themen Alter und Erinnerungen umsetzen. Foto: Daniela Buchholz

Tomas Bünger: Tomas Bünger ist ein Bremer Tänzer, der langjährige Erfahrung als Tänzer, Choreograf und Dozent mitbringt, unter anderem in Deutschland und Bangladesch. Er wird als Einzelkünstler zwei Tanzprojekte innerhalb der Residenz 2026/27 verwirklichen. Bei der Produktion "Ringen" erforscht er gemeinsam mit dem Tanzpädagogen Harry Seelig das Thema Alter und Identität in einem Tanz-Duett, das die Sportart Ringen als Metapher für Nähe, Konflikt und Zuneigung nutzt. Das andere Projekt "Grete" ist ein Solo, das sich an Büngers Großmutter Grete erinnert, die an Demenz litt. Hier verbindet er Tanz, Text und Video, um die Frage zu stellen, wie Erinnerung im Körper weiterlebt und wie Kunst einen Dialog über Vergänglichkeit und Demenz ermöglichen kann. Beide Projekte basieren auf biografischer Recherche und sollen im Zentrum für Kunst mit Aufführungen und begleitenden Formaten wie einem Kaffeetrinken für ältere Besucherinnen und Besucher präsentiert werden.

Yuval Hameiri setzt ein dreiteiliges Projekt rund um eine fiktive Geschichte mit Tanz, Theater und einer Installation um. Foto: Naomi Meroz

Yuval Hameiri: Yuval Hameiri stammt aus Israel und realisiert im Zentrum für Kunst ein mehrteiliges Residenzprojekt mit dem Titel "Ghostly Pathways". Das verbindende Element ist eine fiktive Geschichte, die sich mit der Trennung von Körper und Geist sowie der Suche nach Heilung in einer absurden Welt auseinandersetzt. Im ersten Teil, "The Cabin Diaries", erlebt das Publikum ein Live-Hörspiel, das in einer Welt spielt, in der alle 15 Jahre Götter auf die Erde herabsteigen und die Menschen sich zwischen ihrem Körper und ihrem Geist entscheiden müssen. Die Aufführung verbindet die Intimität eines Hörspiels mit der Unmittelbarkeit des Theaters und nutzt minimalistische Elemente wie Mikrofone und Live-Soundeffekte, um die Fantasiewelt zum Leben zu erwecken. Der zweite Teil, "Second Aid", ist eine Physical-Theatre-Performance, die das Leben der "Flesh" schildert - der Menschen in der fiktiven Welt, die ihren Körper dem Geist vorgezogen haben. Beide Produktionen werden von einer visuellen Installation begleitet, die Einblicke in die Welt von "Ghostly Pathways" gewährt.

Tänzerin und Cheorografin Kamil Mualem wird zwei neue Tanzproduktionen im Rahmen der Residenz am Zentrum für Kunst realisieren. Foto: Mariano Picchioni

Kamil Mualem: Kamil Mualem ist eine israelische Tänzerin und Choreografin. In ihrer Produktion "Ice-olation" beschäftigt sie sich mit der Frage, was Menschen dazu bringt, Resilienz zu entwickeln - symbolisiert durch Eis, das gleichzeitig verbindet und trennt. Das Stück untersucht die menschliche Resilienz angesichts globaler Herausforderungen wie Migration, Kriege, Traumata und gesellschaftlicher Veränderungen, wobei der Schwerpunkt auf körperlicher Erschöpfung, Intimität und Verletzlichkeit liegt. "Hysterical Woman" ist ein Tanztheaterstück für drei Tänzerinnen, das die Beziehungen zwischen Frauen anhand des historischen Konzepts der "weiblichen Hysterie", emotionaler Zyklen und gesellschaftlicher Zwänge untersucht. Mit großer Sensibilität zielt das Werk darauf ab, Fragen zu stellen als bewussten Akt des Lernens und der Neubetrachtung von Identität.

Das Bremer Jazz-Septett Black Mirror Ensemble hat eine von sechs Residenzen in der Spielzeit 2026/2027 am Zentrum für Kunst. Foto: Rolf Schoellkopf

Black Mirror Ensemble: Das Black Mirror Ensemble ist ein Septett aus Bremen um den Bandleader Adam Spoerhase, das modernen Jazz mit ungewöhnlicher Besetzung und deutschen Texten spielt. Die Gruppe, die sich durch vielschichtige, durchkomponierte Arrangements und eine besondere Klangästhetik auszeichnet, möchte während ihrer Residenz 2026/2027 am Zentrum für Kunst zwei neue Projekte realisieren. Das erste Projekt "Lumos" soll technologische und gesellschaftliche Entwicklungen positiv und utopisch darstellen und wird mit reaktiven visuellen Elementen eines Medienkünstlers begleitet. Das zweite Projekt "New Peace" fokussiert sich auf die Produktion eines Albums mit neuen Kompositionen. Ziel ist es, eine musikalische Vision von dauerhaftem Frieden und positiven Zukunftsbildern zu schaffen. Das Ensemble legt Wert darauf, die Einzigartigkeit menschlicher Kreativität und Live-Erlebnisse gegenüber computergenerierter Musik hervorzuheben.

Das Ensemble La Ninfea wird mit zwei neuen Produktionen die Machtstrukturen und Ordnungen in der klassischen Musik hinterfragen. Foto: Elisa Meyer

Ensemble La Ninfea: Ensemble La Ninfea wird während seiner Residenz 2026/2027 zwei innovative Konzertprojekte umsetzen, in denen barocke Musik zum Ausgangspunkt wird, gesellschaftliche Machtstrukturen und musikalische Hierarchien zu hinterfragen. Das erste Projekt "Wieviel König:in steckt in dir?" verbindet Musik aus der Zeit Ludwigs XIV. mit einem Talkshow-Format, in dem historische Machtverhältnisse am Hof von Versailles und deren Einfluss auf Musik, Mode und Gesellschaft mit heutigen Fragen zu Ressourcen und Führung diskutiert werden. Das zweite Projekt "Enigma Sonatas" widmet sich der Kunst des Kanons, bei der gleichwertige Stimmen zeitversetzt dieselbe Melodie spielen. Dieses Konzertprogramm kombiniert kanonische Triosonaten, live improvisierte Kanons und gemeinsames Experimentieren mit dem Publikum. Beide Formate sind dialogisch angelegt, beziehen das Publikum aktiv ein und verbinden historische Aufführungspraxis mit aktuellen gesellschaftlichen Fragestellungen.

Das Bremer Trio Laturb plant ein neues Konzertprogramm und ein interdisziplinäres Musiktheaterstück im Zentrum für Kunst. Foto: Alexander Fricke

LATURB: Die dreiköpfige Bremer Band Laturb verbindet musikalisch New Wave, Synthpop und Elektropunk mit performativen Elementen und Artistik. Für die Residenz plant das Trio zwei Projekte: "Gangland" ist eine Konzertreihe mit neuen Songs, die sich biografisch mit der politischen "Zeitenwende" der 1980er und 1990er Jahre auseinandersetzt. Dabei wollen sie mit Bremer Autorinnen und Autoren zusammenarbeiten und verschiedene Recherchemethoden nutzen, um persönliche und gesellschaftliche Erfahrungen in Musik, Text und Visuals zu verarbeiten. Das zweite Projekt, "Erasco Fiasko", ist eine Musiktheaterproduktion im Stil des absurden Theaters mit Tanz, Choreografie und Neukompositionen. In dem Szenario eines Bunkers setzt sich das interdisziplinäre Stück mit den Folgen von gesellschaftlicher Unsicherheit und Freiheitsverlust auseinander.

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  • Jens Tittmann, Pressesprecher beim Senator für Kultur, Tel.: (0421) 361 - 90637, E-Mail: [email protected]
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