Office of the Federal President of the Republic of Austria

01/01/2026 | Press release | Distributed by Public on 01/01/2026 13:18

»Es ist wichtig, dass wir einen Europa-Patriotismus entwickeln«

Bundespräsident Alexander Van der Bellen ruft in seiner Neujahrsansprache zu Europa-Patriotismus und Reformen auf.

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Liebe Österreicherinnen und Österreicher und alle, die in Österreich leben.

Ein neues Jahr hat begonnen und ich hoffe, Sie erlebten einen angenehmen Silvesterabend.

An einem Tag wie heute fühlt man ganz besonders das Fortschreiten der Zeit. Und eine Wahrheit wird sichtbarer, die in den letzten Jahren immer deutlicher ins Licht getreten ist:

Die Zeiten ändern sich.

Die Welt ist nicht mehr die, die sie vor zehn Jahren war. Allianzen, die wir lange Zeit für unumstößlich gehalten hatten, existieren in dieser Form nicht mehr.

Im Osten Europas, gerade so weit von unserer Staatsgrenze entfernt wie der Bodensee vom Neusiedlersee, herrscht Krieg.

Drohnen unbestimmter Herkunft werden immer wieder über europäischen Großstädten gesichtet. Wir sind gesteuerter Desinformation ausgesetzt, digitalen Sabotageakten und dem permanenten Versuch, Europa zu spalten.

Und wir hören Aussagen, die als Drohung verstanden werden können: Wenn Europa Krieg möchte, könne Europa Krieg haben.

Ich weiß schon, das ist nicht das, was man in einer Neujahrsansprache gerne hören will, aber die Zeiten ändern sich. Und wir sollten nicht so tun, als wäre nichts geschehen.

Der europäische Zusammenhalt wird getestet.

Auch unsere Freunde im Westen, Europa bis vor kurzem verlässlich verbunden, sind momentan unberechenbar geworden.

Die neue Sicherheitsdoktrin der USA würdigt Europa und seine Länder herab.

Und man hört von Plänen, Österreich und andere integrale Staaten aus der Europäischen Union "herauszulösen", was immer das bedeuten soll.

All das hätte man bis vor kurzem noch für unmöglich gehalten, aber die Zeiten ändern sich.

Klimakrise, Respekt für Andersdenkende, jahrzehntelange Allianzen, sogar Grund- und Freiheitsrechte werden in Frage gestellt.

Wir tun gut daran, das sehr ernst zu nehmen. Und uns darauf einzustellen.

Meine Damen und Herren, Wir brauchen Einheit. Wir brauchen Selbstbewusstsein. Wir brauchen Streitbarkeit.

Unser Europa ist ein Ort, um den uns viele, sehr viele Menschen beneiden. Lassen wir uns dieses Europa nicht schlechtreden.

Es ist wichtig, dass wir weiter an die europäische Idee glauben. Es ist wichtig, dass wir zusammenhalten und für unser Europa einstehen.

Ja, es ist wichtig, dass wir einen Europa-Patriotismus entwickeln.

Man will uns von außen teilen, um wirtschaftlich und politisch über uns zu herrschen. Ganz nach imperialer Manier.

Es ist nun einmal einfacher, einzelne kleine Staaten zu dominieren als einen Staatenbund wie die EU mit über 450 Millionen Menschen.

Aber wir Europäer wollen selber bestimmen, wohin wir gehen.

Wir können vorangehen und der Welt zeigen, dass es zwischen dem Recht des Stärkeren und rein kapitalistischen Interessen einen anderen Weg gibt.

Einen Weg, der den Rechtsstaat, die Freiheit des Menschen zur Selbstentfaltung und die Gleichberechtigung von Mann und Frau ernst nimmt.

Der zwischen Interessen ausgleicht, und niemand dem Hunger oder der Obdachlosigkeit preisgibt. Einen Weg, der Heimat für viele ermöglicht, nicht nur für einige willkürlich Auserwählte.

Einen europäischen Weg. Unseren europäischen Weg.

Meine Damen und Herren,

wir müssen alles tun, um unabhängiger von der Willkür fremder Regierungen zu werden.

Unabhängig in der Energieversorgung, unabhängig in der digitalen Welt. Souverän auch in unserer Verteidigungsfähigkeit.

Wir müssen unsere Köpfe nutzen - und wir haben sehr gute Köpfe - und handeln:

Weitblickend. Mutig. Friedvoll. Konsequent. Gemeinschaftlich. Und ziemlich rasch!

Lassen wir uns nicht auseinanderdividieren. Die Europäische Union ist eine der größten Volkswirtschaften der Welt.

Wenn wir zusammenhalten, gibt es nichts und niemanden, das oder den wir fürchten müssen.

Es ist an der Zeit, unsere eigene Stärke anzuerkennen und zu sehen, dass wir Verhandlungsmacht haben. Und diese auch ausspielen können. Es ist Zeit für einen neuen Europa-Patriotismus.

Lassen Sie uns stolz sein auf unser Europa und seine Menschen.

Die größten und wichtigsten Erfindungen haben hier ihren Ursprung:

Die liberale Demokratie. Der Buchdruck, die Dampfmaschine, Penicillin, das Internet und und und. Sogar Fußball ist eine europäische Erfindung!

Wunderbare, große Leistungen in Gesellschaft, Wissenschaft, Wirtschaft, Kunst und Kultur.

Die Europäische Union ist eine Verbindung von Staaten, die es seit nunmehr 75 Jahren geschafft haben, miteinander in Frieden zu leben.

So gesehen können die Staaten Europas ein Vorbild für alle Staaten der Erde sein. Ein Beispiel, dass man es schaffen kann, friedlich miteinander auszukommen.

So gesehen leuchten die Europäischen Sterne weiter und geben Orientierung, wenn es anderswo dunkel wird.

Das gilt auch für unser wunderschönes Österreich. Wir können stolz sein auf unsere Heimat im Herzen Europas. Aber auch hier müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass die Zeiten sich ändern.

Wir brauchen Reformen, das ist offensichtlich.

Aber damit wir diese Reformen auch in die Tat umsetzen, muss jede und jeder von uns akzeptieren, nicht alleine im Besitz der Wahrheit zu sein.

Wir müssen herunter vom hohen Ross und aufeinander zu gehen.

Denn nur gemeinsam können wir den guten Kompromiss zum größeren Wohle aller finden.

Vergessen wir nicht: Der gute Kompromiss ist ein österreichisches Kulturgut.

Er ist die gemeinsame Lösung eines Problems, auf das es verschiedene Sichten gibt. Zum größeren, gemeinsamen Wohl.

Das war immer eine ganz besondere österreichische Qualität und wir sollten sie behalten, gerade wenn die Zeiten sich ändern.

Dann können wir alle gemeinsam dafür sorgen, dass schwierige Zeiten sich zum Guten ändern.

Also Augen auf und durch!

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen ein gutes Neues Jahr!

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