GDV - German Insurance Association

05/21/2026 | Press release | Distributed by Public on 05/21/2026 02:40

Jeder zehnte Internetnutzer wurde Opfer von Cyberkriminalität: Private Cyberversicherung kann im Ernstfall helfen

Es beginnt meistens unspektakulär. Eine E-Mail, die seriös aussieht. Ein Onlineshop, der zu gut klingt, um wahr zu sein. Ein Klick. Im schlimmsten Fall ist danach das Konto gesperrt, wichtige Daten sind verschwunden oder das eigene Gesicht taucht in einem Video auf, das man nie gedreht hat.

Der Cybersicherheitsmonitor 2026, den das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) gemeinsam mit der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes (ProPK) jährlich erhebt, liefert ein ernüchterndes Bild: Cyberkriminalität ist längst kein Randphänomen mehr, das nur Unternehmen oder technikferne Nutzer trifft. Sie ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen und wird professioneller, schneller, schwerer erkennbar.

Laut BSI waren elf Prozent der Internetnutzerinnen und -nutzer im Vorjahr von einer Straftat im Netz betroffen. Angesichts der hohen Dunkelziffer dürfte die tatsächliche Zahl deutlich höher liegen. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) erläutert anhand der aktuellen BSI-Zahlen, welchen Schutz private Cyberversicherungen bei entsprechendem Tarif bieten können.

Betrug beim Onlineshopping ist Delikt Nummer eins

Onlineshopping-Betrug war der meistgenannte Cybervorfall des Vorjahres - ihn erlebten 22 Prozent der Betroffenen. Die Masche ist simpel und effektiv: Ware wird bestellt und bezahlt, kommt aber nie an. Die Täter verschwinden, die Shops werden abgeschaltet, das Geld ist weg.

Viele Tarife sehen für genau diesen Fall eine Entschädigung vor. Ähnliches gilt für Onlinebanking-Betrug, von dem 13 Prozent der Befragten berichten, sowie für Phishing-Angriffe, die 12 Prozent der Nutzer als Betroffene ausweisen. Je nach Vertrag kann eine Cyberversicherung in solchen Fällen nicht nur finanziell unterstützen, sondern auch dabei helfen, Konten zu sichern und weiteren Schaden zu begrenzen. Ob und in welchem Umfang Leistungen greifen, hängt dabei stets von den konkreten Vertragsbedingungen ab.

Datenverlust wird oft unterschätzt

Verschwundene Fotos, gelöschte Dokumente, korrumpierte Festplatten: 18 Prozent der Opfer berichten von Datenverlust. Gleichzeitig gibt nur knapp ein Fünftel der Nutzer an, regelmäßig Sicherungskopien anzulegen. Diese Schere ist bezeichnend: Die meisten Menschen wissen um das Risiko, handeln aber nicht danach, bis es zu spät ist.

Wenn Schadsoftware Datenträger beschädigt oder löscht, können Cyberversicherungen die Kosten für IT-Forensiker übernehmen, um die verlorenen Daten wiederherzustellen. Das ist kein garantierter Erfolg, aber immerhin eine Chance, die ohne professionelle Hilfe in den meisten Fällen gar nicht erst besteht.

Neue Bedrohung: Deepfakes und Identitätsdiebstahl

Was den aktuellen Monitor von früheren Ausgaben unterscheidet, ist weniger die Häufigkeit bekannter Delikte als das Auftauchen neuer Bedrohungsformen. Die Zahl der Deepfake-Vorfälle hat sich gegenüber dem Vorjahr von einem auf fünf Prozent erhöht. Auch hier dürfte die Dunkelziffer deutlich höher liegen. Rund zehn Prozent der Befragten berichten zudem von Identitätsdiebstahl, einem Vergehen, das oft wochenlang unbemerkt bleibt, bevor die Folgen sichtbar werden: Kreditanfragen im eigenen Namen, gefälschte Profile, beschädigter Ruf.

Während sich finanzielle Schäden noch vergleichsweise gut beziffern lassen, geht es beim Identitätsdiebstahl um etwas Schwerer fassbares, nämlich die eigene digitale Identität. Viele Tarife bieten deshalb inzwischen ein Darknet-Monitoring an, das automatisch Alarm schlägt, wenn Kredit- oder Kontodaten im verborgenen Teil des Internets auftauchen. Ergänzend können spezialisierte Anwälte dabei unterstützen, die Löschung illegaler Profile oder KI-generierter Inhalte rechtlich durchzusetzen.

Was aus den Zahlen oft herausfällt: der emotionale Schaden

Rund 20 Prozent der Betroffenen berichten von emotionalen Folgen wie Angst, Scham oder dem Gefühl tiefer Verletzung. Diese Zahl ist bemerkenswert, nicht weil sie überrascht, sondern weil sie im gesellschaftlichen Diskurs über Cyberkriminalität so häufig fehlt. Der finanzielle Schaden ist messbar. Der psychische nicht.

Besonders bei Cybermobbing, wo Inhalte gezielt eingesetzt werden, um Menschen zu demütigen oder aus sozialen Kreisen zu drängen, ist schnelle Hilfe entscheidend. Einige Versicherungstarife reagieren darauf mit einer psychologischen Soforthilfe per Telefon, einem niedrigschwelligen Angebot, das im Akutfall mehr wert sein kann als jede Entschädigung. Parallel werden auf Wunsch Spezialisten beauftragt, rufschädigende Inhalte professionell zu entfernen, bevor der Schaden irreversibel wird.

Prävention und Absicherung müssen Hand in Hand gehen

Die eigentliche Botschaft des Berichts: Prävention bleibt unverzichtbar, aber sie reicht nicht mehr aus. Selbst wer umsichtig handelt, aktuelle Software nutzt und auf Phishing-Mails achtet, kann Opfer werden, weil sich die Methoden der Täter schneller weiterentwickeln als die Schutzmaßnahmen der Nutzer.

Eine private Cyberversicherung ist in diesem Kontext kein Misstrauensvotum gegen die eigene Vorsicht. Sie ist die Anerkennung einer Realität, die der Cybersicherheitsmonitor 2026 in Zahlen fasst: In einer zunehmend digitalisierten Welt braucht es einen Auffangmechanismus, der finanziell, technisch, rechtlich und psychologisch greifen kann.

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