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German Federal Chancellor

04/15/2026 | Press release | Distributed by Public on 04/16/2026 09:31

In gemeinsamer Verantwortung schwierige Zeiten meistern

Bundeskanzler Friedrich Merz nahm auf Einladung des Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt, Sven Schulze, am traditionellen Sachsen-Anhalt-Abend unter dem Motto #moderndenken in Berlin teil. Vor rund 400 geladenen Gästen betonte er in seinem Grußwort die Bedeutung des Föderalismus: "Wir können in einem föderalen Staat der Bundesrepublik Deutschland wahrlich kein Problem allein lösen, die Länder nicht ohne den Bund, aber der Bund eben auch nicht ohne die Länder."

Im Rahmen seines Besuchs würdigte der Bundeskanzler zudem die langjährigen Verdienste des ehemaligen Ministerpräsidenten Reiner Haseloff, den er schon vor seiner Rolle als Wirtschaftsminister "als einen sachkundigen, verlässlichen und vollkommen unprätentiösen Gesprächspartner" kennengelernt habe. Haseloff habe Sachsen-Anhalt geprägt. Als Zeichen der Anerkennung überreichte der Bundeskanzler Reiner Haseloff einen Bildband mit Fotografien seines damaligen Antrittsbesuchs in Sachsen-Anhalt.

Der Sachsen-Anhalt-Abend ist ein traditionelles Format, bei dem sich das Bundesland in Berlin präsentiert. In diesem Jahr stand der Abend unter dem Landesmotto #moderndenken. Dieses unterstreicht den Anspruch des Landes, Innovationen zu ermöglichen und Menschen, Unternehmen und Institutionen anzuziehen - damals und heute. Die Veranstaltung bringt Gäste aus den Bereichen Sport, Kultur, Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft zusammen.

Bundeskanzler Friedrich Merz

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident, lieber Sven Schulze,

lieber Reiner Haseloff,

Frau Professor Ackermann,

meine Damen und Herren, auch an den einzigen Mathematiker im Raum - herzlichen Dank für die freundliche Begrüßung -,

liebe Kolleginnen und Kollegen aus der Bundesregierung, aus dem Deutschen Bundestag und aus der Landesregierung von Sachsen Anhalt,

ich freue mich sehr, dass wir Gelegenheit haben, diesen Abend in dieser etwas ungewohnten, aber nicht weniger schönen Umgebung heute mit zwei Ministerpräsidenten, dem scheidenden und dem neuen, zu verbringen. Mir war es ein persönliches Anliegen, da zu sein, wenn hier sozusagen noch einmal der Staffelstab übergeben wird, auch mit diesem traditionellen Fest, dieser traditionellen Begegnung, einer der ersten, die so etwas in Berlin zu Beginn des Sommers feiern. Ich will es aus meiner Sicht auch sehr persönlich sagen. Reiner Haseloff weiß es. Wir beide haben einander ja gar nicht in der Politik kennengelernt, sondern wir haben uns kennengelernt, als ich Aufsichtsratsvorsitzender eines großen Unternehmens der Papierindustrie war und mit Reiner Haseloff als Wirtschaftsminister von Sachsen-Anhalt über einen großen, neuen Standort verhandelt habe. Ich habe ihn damals als einen sachkundigen, verlässlichen und vollkommen unprätentiösen Gesprächspartner kennengelernt, dem es ganz einfach darum ging, für sein Bundesland etwas zu tun und eine Unternehmensansiedlung zu ermöglichen. Ich muss sagen, das hat mich auch im Blick auf den Menschen Reiner Haseloff geprägt. Ich war wirklich froh, dass wir uns später im Bundesvorstand, im Präsidium der wiedergesehen haben, aber vor allem auch als Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt.

Lieber Reiner, du hast nie einen Hehl daraus gemacht, dass du ein Christ bist. Du hast im vergangenen Jahr ein Buch mit dem Titel "Christliche Werte leben" geschrieben und in diesem Buch sehr ausführlich begründet, was dich trägt, was dich prägt und was dich motiviert. Du hast einen Satz geschrieben: Die Politik muss Taten setzen, die wirklich Hoffnungszeichen sind.

Meine Damen und Herren, in unserer säkularisierten Welt ist es nicht selbstverständlich, dass sich ein Mensch nicht nur zum christlichen Glauben bekennt, sondern dies auch in dem, was er politisch tut und wie er handelt, zum Ausdruck bringt und offen darüber spricht, was ihn leitet. Ich sage es so, Sven: Die Schuhe sind verdammt groß.

Vor allem die guten Gespräche und die sehr reflektierten Gedanken; auch in bewegter Zeit einmal ruhig darüber zu sprechen, was uns prägt, was uns leitet, welchen Weg wir gemeinsam gehen wollen: Du wirst mir fehlen. Ich sage das nicht nur für mich persönlich, sondern ich darf das auch für die Bundesregierung als Partner im Amt des Ministerpräsidenten eines Bundeslandes sagen. Ich sage das aber auch, wenn Sie mir das erlauben, meine Damen und Herren, als Parteivorsitzender der gegenüber dem langjährigen Mitglied des Präsidiums der Deutschlands. Wir hatten Gelegenheit, dich auf unserem letzten Bundesparteitag zu verabschieden. Da waren wir sozusagen unter uns in der Familie der . Aber ich möchte es doch heute auch gern an dieser Stelle tun, wissend, dass auch viele Kolleginnen und Kollegen aus anderen Parteien und Fraktionen dabei sind. Ich denke, uns eint jenseits aller parteipolitischen Differenzen die große Dankbarkeit, einen solchen Wegbegleiter wie Reiner Haseloff über so viele Jahre gehabt zu haben. Herzlichen Dank für deine Arbeit!

Du hast das Land Sachsen-Anhalt geprägt, ein Land, das ich wenige Jahre vor der Wende anlässlich eines Besuches der Leipziger Messe und eines damals illegalen Ausfluges in die Stadt Halle kennengelernt habe. Es war ja nicht erlaubt, sich von einer Stadt in die andere zu bewegen. Ich habe es trotzdem getan, und zwar mit einem besonderen Ziel, nämlich dem Ziel, eine Familie zu besuchen, die meine Familie, meine Eltern und später wir über viele Jahre zu Weihnachten und zu Ostern mit kleinen Päckchen etwas glücklicher zu machen versucht haben. Es war eine so herzliche und eine so persönliche und auch emotionale Begegnung, diese Familie Köpke in Halle - ich weiß mich an den Namen und die Familie gut zu erinnern - dort zu treffen und einfach auch zu spüren, was uns trotz der jahrzehntelangen Trennung und trotz dem Aufwachsen in zwei völlig unterschiedlichen politischen Systemen doch als Menschen und als deutsche Staatsbürger miteinander verbindet.

Diese Prägung ist auch ein bisschen meine Prägung in meiner Arbeit als Bundeskanzler. Ich habe es bei meinem Amtsantritt gesagt. Ich möchte der Bundeskanzler aller Bürgerinnen und Bürger unseres Landes sein. Ich möchte aber auch und vor allem der Bundeskanzler der ostdeutschen Länder sein, wie ich überhaupt betonen möchte, dass wir im föderalen Staat der Bundesrepublik Deutschland wahrlich kein Problem allein lösen können, die Länder nicht ohne den Bund, aber der Bund eben auch nicht ohne die Länder. In diesem Föderalismus, unserer staatlichen Ordnung, liegen viele Probleme, und manche Entscheidung ginge anders schneller. Ob sie aber unbedingt besser wäre, wenn sie nicht nach längerem Ringen mit den Ländern für uns alle gültig errungen wurde, das sei einmal dahingestellt. Ich jedenfalls denke und glaube fest daran, dass wir im guten Miteinander des Bundes mit den Ländern die Herausforderungen, vor denen wir stehen, besser lösen können. Das setzt ein gegenseitiges Verständnis voraus, und das setzt ein gegenseitiges Aufeinanderzugehen voraus.

Das setzt aber voraus, dass wir auch ein gemeinsames Verständnis von dem haben, was wir gegenwärtig erleben. Lieber Sven, du hast es gesagt. Ich will es auch aus meiner Sicht unterstreichen: Wir erleben zurzeit eine tiefe Zäsur in unserer Geschichte.

Die Ostdeutschen, jedenfalls die etwas älteren, haben es in ihrem Leben jetzt schon zum zweiten Mal in kurzer Zeit erlebt. Wir, die Westdeutschen, die, die jetzt über 70 Jahre und zum Teil 80 Jahre alt sind, erleben es zum ersten Mal, eine so tiefe Zäsur, einen solchen Epochenbruch. Es ist ein Epochenbruch. Meine Damen und Herren, das Wort stimmt und bleibt unverändert richtig. Jede Generation in unserem Land erlebt einen solchen tiefgreifenden Wandel. Keiner Generation in unserer Geschichte ist das erspart geblieben. Wir, die Westdeutschen, hatten einfach acht Jahrzehnte Glück, mehr war es nicht, ein unverdientes Glück, allein durch Herkunft und Ort des Aufwachsens.

Diese Zeit jetzt gemeinsam zu gestalten erfordert Nervenstärke, Gemeinsamkeit, aber auch Verantwortung. Wenn ich lese, dass Sachsen-Anhalt mit dem Motto #moderndenken in dieses Jahr geht, und wenn ich die Erfahrungen der Ostdeutschen in das einbeziehe, was wir jetzt zu leisten haben, dann weiß ich, dass es von unschätzbarem Wert ist, dass wir diese Menschen mit dieser Erfahrung haben. Zu diesen Menschen zählt Reiner Haseloff mit seiner Lebenserfahrung, mit seiner Berufserfahrung, die er immer wieder auch in unsere Gespräche einbringt. Zu diesen Erfahrungen zählt das, was Sie alle, soweit sie aus dem Osten kommen, in die Aufgaben mitbringen, die wir jetzt zu lösen haben.

Ich verbinde deshalb meinen tiefen freundschaftlichen Dank in enger Verbundenheit an Reiner Haseloff mit einer ausgestreckten Hand an die Länder, an die Ministerpräsidenten und heute insbesondere an dich, lieber Sven, für die Zusammenarbeit der nächsten Wochen, Monate und Jahre. Wir haben Bewährungsproben noch nicht bestanden. Unsere Demokratie steht vor einer Bewährungsprobe.

Ich will mir aber auch den folgenden Hinweis erlauben: Wie eindrucksvoll es gehen kann, mit großen Mehrheiten sich selbst so bezeichnende illiberale Demokratien auch wieder in die Schranken zu weisen, das haben wir am vergangenen Wochenende in Ungarn erlebt. Meine Damen und Herren, erlauben Sie mir, das einfach zu sagen: Es gibt keine illiberalen Demokratien. Demokratien sind entweder liberal, oder es sind keine Demokratien.

In diesem Sinne, lieber Reiner, alles Gute dir persönlich und deiner Familie! Lieber Sven, auf gute Zusammenarbeit in der Tradition deines Vorgängers! Euch beiden noch einmal auch von dieser Stelle aus einen Glückwunsch für den gelungenen Generationenwechsel im Amt des Ministerpräsidenten des Landes Sachsen-Anhalt! Das ist vorbildlich, und das verpflichtet uns alle, die Zusammenarbeit jenseits aller parteipolitischen Präferenzen jetzt gemeinsam so fortzusetzen, dass aus unserem Land weiterhin etwas Gutes wird.

Diese Schlussbemerkung erlauben Sie mir auch: Ja, wir haben einige Probleme und einige Herausforderungen zu bestehen. Aber wer wie ich häufiger auch mit dem Fahrrad in Deutschland unterwegs ist - ich war auch in Sachsen-Anhalt mit dem Fahrrad unterwegs -, wer die Menschen dort sieht und die Gelegenheit hat, sich mit ihnen zu unterhalten, wer unsere Landschaft sieht, wer auch unsere Industrie, unseren Mittelstand und unsere Betriebe sieht, der muss wie ich sagen: Meine Damen und Herren, wir leben in einem fantastischen Land, trotz allen Problemen, die wir haben! - Frau Professor Ackermann, auch das will ich an dieser Stelle sagen: Wir sind und bleiben auch eine Kulturnation im umfassenden Sinne des Wortes.

In diesem Sinne noch einmal: Danke dir, lieber Reiner! Alles Gute! Danke dir, lieber Sven! Auf gute Zusammenarbeit!

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