Universität Bielefeld

01/19/2026 | Press release | Distributed by Public on 01/19/2026 07:43

„Venezuela wird häufig aus verkürzter Sicht diskutiert“

Die Entmachtung von Nicolás Maduro machte Anfang des Jahres die angespannte politische Lage und bestehende Konflikte in Venezuela deutlich. Politische Unsicherheit wie die Spannungen mit den USA, eine anhaltende humanitäre Krise und dokumentierte Menschenrechtsverletzungen prägen für viele Menschen in Venezuela den Alltag. Bielefelder Wissenschaftler*innen forschen zur Situation im Land, etwa zu Menschenrechten und Migration. Einige von ihnen stammen selbst aus Venezuela. Zwei Veranstaltungen befassen sich mit den aktuellen Entwicklungen: am heutigen Montag, 19. Januar, die Diskussion "What Is Going On in Venezuela? Voices from the Diaspora" und am morgigen Dienstag, 20. Januar, die Diskussion "U.S. Imperialism Reloaded: Latin American Reflections".

Round Table: Politische Lage und Menschenrechte in Venezuela

Am Montag, 19. Januar laden Wissenschaftler*innen des Forschungsprojekts "Peace and Mobility" unter der Leitung von Dr. Camilo Forero von 17 bis 19 Uhr zur öffentlichen Diskussion zum Thema: "What Is Going On in Venezuela? Voices from the Diaspora" ein. Die Veranstaltung findet im Hauptgebäude, Raum S1-217, statt. Venezolanische Wissenschaftler*innen und Mitglieder der venezolanischen Diaspora in Deutschland analysieren die aktuelle politische und menschenrechtliche Situation in Venezuela, die strukturellen Ursachen der anhaltenden Krise sowie die Rolle der Diaspora. Diskutiert werden zudem Perspektiven für die zukünftige Entwicklung des Landes an der Schnittstelle von Politik, Völkerrecht, Menschenrechten und Migration. Die Veranstaltung ist englischsprachig, richtet sich an alle Interessierten in und außerhalb der Universität. Fragen können auch auf Deutsch gestellt werden; bei Bedarf wird gedolmetscht. Der Round Table wird auch online über Zoom übertragen. Interessierte können sich registrieren.

Diskussion zu US-Imperialismus und Venezuela

Um die geopolitischen Folgen der US-Intervention in Venezuela geht es bei einer öffentlichen Diskussion am morgigen Dienstag, 20. Januar, von 16 bis 18 Uhr im Hörsaal 5. Sie steht unter dem Titel "U.S. Imperialism Reloaded: Latin American Reflections". Die militärische Intervention wird in der Veranstaltung aus unterschiedlichen lateinamerikanischen Perspektiven analysiert. Erörtert wird unter anderem, wie die Intervention den Bruch der internationalen Ordnung der Zusammenarbeit zwischen Staaten vorantreibt. Thematisiert wird ebenfalls, wie imperiale Handlungsmuster und Narrative neu aufgegriffen werden, die die Beziehungen zwischen Nord- und Südamerika bis zur Monroe-Doktrin des 19. Jahrhunderts geprägt haben.
Es diskutieren der Historiker Prof. Dr. Olaf Kaltmeier sowie die Soziologen Omar Sierra Cháves (Venezuela) und Josué Garcia Veiga (Mexiko), beide aus einem von der Volkswagenstiftung geförderten Forschungsprojekt. Ergänzend trägt Alexandra Castañeda Obando (Kolumbien) ihre Sicht bei.
Veranstalter sind das Center for InterAmerican Studies (CIAS), das Maria Sibylla Merian Center for Advanced Latin American Studies (CALAS) und der AStA der Universität.

"Perspektiven von Schutzsuchenden sichtbar machen"

María Gabriela Trompetero Vicent ist venezolanische Doktorandin im Projekt "Peace and Mobilities" an der Universität Bielefeld. Sie forscht zu erzwungener Migration und Menschenrechten mit Schwerpunkt auf Venezuela.

Im Jahr 2025 stellten Venezolaner*innen die größte Gruppe der Asylsuchenden in der Europäischen Union. Trompetero Vicent untersucht die Ursachen dieser Fluchtbewegung anhand qualitativer Interviews, Feldforschung und der Analyse von Asylstatistiken. Ihre Forschung zeigt, dass seit 2014 mehr als acht Millionen Menschen aufgrund der Verfestigung des Regimes, systematischer Repression und humanitärer Not aus Venezuela geflohen sind.

© privat

María Gabriela Trompetero Vicent ist venezolanische Doktorandin an der Universität Bielefeld und forscht dazu, warum Menschen Venezuela verlassen.

"Der Wahlbetrug im Jahr 2024 sowie die gewaltsame Unterdrückung der darauffolgenden Proteste haben diese Dynamik weiter verschärft", sagt sie. In internationalen und akademischen Debatten komme die Perspektive der Betroffenen häufig zu kurz. Oft werde der komplexe soziale, politische und historische Kontext ausgeblendet, insbesondere die seit über zwanzig Jahren andauernden systematischen Menschenrechtsverletzungen, mangelhaft geplante Regierungspolitik und jahrzehntelange Korruption als zentrale Ursachen der humanitären Krise. "Die Ursachen der Krise werden häufig verkürzt dargestellt, obwohl viele strukturelle Probleme lange vor den Sanktionen bestanden", so Trompetero Vicent.

Auch der erhebliche ausländische Einfluss, etwa durch Kuba und Russland, werde in Debatten über staatliche Souveränität häufig nicht ausreichend berücksichtigt, während das Maduro-Regime wiederholt gegen das Völkerrecht verstoßen habe. Gleichzeitig seien systematische Menschenrechtsverletzungen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Wahlbetrug von venezolanischen Organisationen, internationalen Institutionen und UN-Mechanismen umfassend dokumentiert worden. "Trotz jahrelanger friedlicher und demokratischer Bemühungen der venezolanischen Gesellschaft sind internationale Reaktionen weitgehend wirkungslos geblieben", sagt Trompetero Vicent.

In diesem Beitrag werden Forschungsansätze, -ergebnisse und Einschätzungen Bielefelder Wissenschaftler*innen zur Situation in Venezuela fortlaufend gesammelt. Die Version dieses Artikels ist hier aktualisiert.

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