04/15/2026 | Press release | Distributed by Public on 04/16/2026 02:30
Beim Festakt zum 100. Jubiläum der Deutschen Lufthansa am Frankfurter Flughafen würdigte Bundeskanzler Friedrich Merz die Bedeutung des Luftfahrtunternehmens für Deutschland. "Kaum ein anderes Unternehmen verbindet Menschen und Märkte weltweit so wie die Lufthansa", betonte der Kanzler in seiner Rede.
Das Wichtigste in Kürze:
Lesen Sie hier die Mitschrift der Rede:
Sehr geehrter Herr Vorsitzender des Aufsichtsrats der Deutschen Lufthansa, lieber Karl-Ludwig Kley,
sehr geehrter Herr Vorsitzender des Vorstands, lieber Carsten Spohr,
liebe Kolleginnen und Kollegen aus den Parlamenten, insbesondere Herr Ministerpräsident, Herr Bundesverkehrsminister, Herr Oberbürgermeister und Kollegen aus den Landesregierungen,
meine sehr geehrten Damen und Herren,
herzlichen Glückwunsch zu "100 Jahre Deutsche Lufthansa"! Fliegen - das war über Jahrhunderte der große Traum der Menschheit; eine faszinierende Utopie, aber eben eine Utopie. Fliegen - wir begegnen diesem Traum selbst in den Mythen der Antike, in der Geschichte des Ikarus, und wir sehen ihn in den geradezu visionären Skizzen eines Leonardo da Vinci vor über 500 Jahren, der Flugapparate entworfen hat. Was einst eine reine Utopie, eine Vorstellungskraft war, ist durch menschliche Neugier, durch Mut, durch Todesmut, durch Innovationskraft und Erfindergeist Wirklichkeit geworden. Und jetzt, seit noch nicht einmal 125 Jahren, erhebt sich der Mensch tatsächlich mit Flugzeugen in die Lüfte - zunächst als kühnes Experiment, heute als eine sichere, komfortable, verlässliche Form der Fortbewegung.
Fliegen - das ist mehr als nur eine technische Errungenschaft. Fliegen steht für die Fähigkeit des Menschen, Grenzen zu überwinden. Fliegen verbindet Kontinente, Fliegen bringt Kulturen näher zueinander, Fliegen verändert unseren Blick auf die Welt. Und in der Geschichte des Fliegens darf ein Name nicht fehlen: Deutsche Lufthansa.
In den vergangenen 100 Jahren, meine Damen und Herren, hat Ihr Unternehmen dazu beigetragen, dass der Traum vom Fliegen Wirklichkeit geworden ist. Es hat dazu beigetragen, dass sein immer neues Wirklichkeitwerden ein fester Bestandteil unserer modernen Welt geworden ist. Genau deshalb feiern wir heute dieses Jubiläum.
Von der bewegten Geschichte dieses Unternehmens haben wir im Film und in Ihrem Beitrag, Herr Spohr, gesehen und gehört. Es war ein eindrucksvolles Geschichtsbuch. Die bewegte Geschichte dieses Unternehmens Lufthansa ist überall sichtbar, vor allem hier in diesem neuen Hangar One mit diesen beiden Flugzeugen, der JU 52 und der Lockheed Super Star - beides geradezu Ikonen der Lufthansa, Ikonen der Luftfahrt und mit den Crews in den historischen Uniformen, die wir hier sehen, eben wieder Pioniergeist und Innovationskraft, Mut.
Meine Damen und Herren, bei der Gründung dieses Unternehmens waren es gerade einmal knapp 1.000 Beschäftigte, darunter 88 Piloten - damals natürlich nur Männer - in wetterfesten Lederjacken, mit Fliegerbrillen im Sichtflug und im offenen Cockpit. Heute, 100 Jahre später - Sie haben es gehört -, beschäftigt die Lufthansa Group 140.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, darunter mehr als 11.000 - jetzt auch viele - Pilotinnen und Piloten, und sie fliegen in ihren markanten Uniformen eine Flotte von rund 700 Flugzeugen. Sie bringen 140 Millionen Passagiere jedes Jahr an ihr Ziel. Sie fliegen Milliarden Frachttonnenkilometer. Dieses Unternehmen Lufthansa verbindet Menschen und Märkte in aller Welt wie kein zweites in Deutschland. Ihr Unternehmen, meine Damen und Herren, zeigt, was möglich ist - eben mit Mut und mit Unternehmersgeist.
Aber die Geschichte der Lufthansa ist mehr als nur eine Unternehmensgeschichte. Sie ist Teil der deutschen Geschichte. Sie ist Teil der Geschichte unserer Bundesrepublik Deutschland. Ja, die Lufthansa hatte lange eine sehr enge Verbindung zum Staat. Und ja, im Nationalsozialismus war Lufthansa Teil dieses Regimes. Lufthansa verdiente auch im Krieg und mit dem Krieg. Es übernahm Reparaturen für die Luftwaffe und beschäftigte dafür - Herr Spohr, Sie haben es angesprochen - Tausende von Zwangsarbeitern unter menschenunwürdigen Bedingungen. Ich will es daher ausdrücklich begrüßen, dass Lufthansa anlässlich dieses Jubiläums diesen Teil seiner Geschichte jetzt aufarbeitet. Herzlichen Dank dafür!
Bei der Neugründung 1953 wurde die Lufthansa als staatseigene Fluggesellschaft aufgebaut. Sie war damit ein wichtiges Projekt für die noch junge Bundesrepublik Deutschland und für die junge wachsende Volkswirtschaft. Zwei Jahre später hob die neue Lufthansa zum ersten Mal ab. Zwei Convair-Maschinen eröffneten den Linienbetrieb: Die erste flog von Hamburg nach München mit Zwischenlandungen in Düsseldorf und Frankfurt, die andere flog in die umgekehrte Richtung mit Zwischenlandungen in Frankfurt und Köln.
Meine Damen und Herren, in den Sechzigerjahren erfolgte dann mit dem Börsengang die Teilprivatisierung, in den Neunzigerjahren die vollständige Privatisierung. Doch ganz unabhängig von dieser strukturellen Veränderung blieb die Zusammenarbeit zwischen Staat, Bundesrepublik Deutschland und Lufthansa über die Jahrzehnte hinweg eng und vielfältig. Viele Beispiele aus der Nachkriegsgeschichte verdeutlichen dies.
Es gibt Höhen und Tiefen in dieser Zusammenarbeit, auch notwendigerweise mit den Sicherheitsbehörden. Ein besonderer Mensch, ein besonderer Pilot der Bundeswehr und der Lufthansa, war - Sie haben den Namen eben bereits genannt, Herr Spohr - Jürgen Schumann. Jürgen Schumann war in den Sechzigerjahren bei der Luftwaffe Starfighter-Pilot und ging dann zur Lufthansa. Schumann war 1977 als Flugkapitän der "Landshut" eingesetzt, als die Maschine im "Deutschen Herbst", wie wir dann gesagt haben, von palästinensischen Terroristen entführt wurde.
Warum sage ich das? Die Verantwortung für die Passagiere, die Verantwortung für die Crew und für deren Schutz lastet immer auf den Schultern der Pilotinnen und Piloten. In solchen Augenblicken zeigt sich der Charakter. Bis zu seiner Ermordung durch die Terroristen setzte sich Schumann selbstlos für seine Passagiere ein. Über Funk und über andere Wege informierte er aus der Maschine heraus. Wahrscheinlich war nur so die Rettung der Passagiere möglich. Er hat dafür mit seinem Leben bezahlt. Aber die Haltung und das Pflichtbewusstsein von Jürgen Schumann sind bis heute ein Vorbild. Er ist deshalb auch Namensgeber einer Lufthansa-Verkehrsfliegerschule und einer Kaserne der Unteroffizierschule der Bundeswehr.
Meine Damen und Herren, wenn ich die Teilnehmerliste richtig gelesen habe, dann ist heute hier im Hangar One auch Gabriele von Lutzau, damals Gabriele Dillmann. Sie ist eine der Überlebenden aus der Crew. Ich habe Sie einige Jahre nach diesem tragischen Überfall kennengelernt. Danke, dass Sie damals den Passagieren so zur Seite gestanden haben!
Es gibt zwischen Ihnen und der Bundesregierung vielfältige Partnerschaften - oder richtiger gesagt: mit Ihnen in der Lufthansa. Seit mehr als 60 Jahren unterstützt Lufthansa, insbesondere Lufthansa Technik, Luftwaffe und Marine. Die Lufthansa betreut die deutsche Regierungsflotte technisch und logistisch, aber Sie modifizieren und warten auch die Transportflugzeuge, die Aufklärungsflugzeuge und die Tankflugzeuge der Bundeswehr, und Sie bilden aus: Pilotinnen und Piloten nicht nur für die Lufthansa, sondern auch für die Bundeswehr. Das zivile Know-how Ihres Unternehmens stärkt damit auch die Verteidigungsfähigkeit unseres Landes, der Bundesrepublik Deutschland. Als Bundeskanzler möchte ich Ihnen sagen: Gut, dass es Sie auch in dieser Hinsicht gibt. Danke für Ihren Beitrag!
Meine Damen und Herren, Lufthansa ist eben in dieser Hinsicht ein Schlüsselunternehmen für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Lufthansa hat strategische Bedeutung für unser Land. Sie sichert nicht nur, wie wir gesehen haben, Arbeitsplätze für Generationen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Lufthansa stärkt die internationale Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft. Und erlauben Sie mir, auch das zu sagen: Das ist ein maßgebliches Verdienst von Ihnen beiden, Karl-Ludwig Kley und Carsten Spohr, in ihrer langjährigen Arbeit und Zusammenarbeit zusammen mit dem Aufsichtsrat, dem Vorstand und auch der Belegschaft hier im Unternehmen. Ihnen persönlich stellvertretend für die vielen: Herzlichen Dank für Ihre Arbeit, die Sie so lange gemeinsam geleistet haben!
Diese Arbeit leisten Sie in einem strategisch immer anspruchsvoller werdenden Umfeld. Unsere Welt ordnet sich in diesen Monaten neu. Die inzwischen wöchentlich neuen Krisenlagen beweisen dies hinlänglich. Die geopolitischen Konflikte und die geoökonomischen Unsicherheiten betreffen kaum eine Branche so unmittelbar und so schnell wie die Luftfahrt. Die Luftfahrt hat in den vergangenen Jahren viele große Belastungsproben bestanden. Ich nenne nur die COVID-Pandemie, die zu beispiellosen Einbrüchen bei den Passagierzahlen geführt hat, aber auch den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine, den Terrorangriff der Hamas auf Israel - und jetzt ganz aktuell, noch zu allem dazu, ein Krieg im Nahen und Mittleren Osten.
Meine Damen und Herren, die Belastungen für Ihre Branche bleiben hoch: erhebliche Sicherheitsrisiken, umfassende Luftraumsperrungen, längere Flugrouten und jetzt auch massiv gestiegene Kerosinpreise und drohender Kerosinmangel in Asien. Wir haben als Bundesregierung darauf reagiert, so wie es möglich und notwendig war. Lufthansa war in der Lage, in kürzester Zeit die in der Coronapandemie geleistete Unterstützung vollständig an den Staat zurückzuzahlen. Das zeigt: Staat und Unternehmen können gemeinsame Wege gehen - aus Krisen heraus, zum Nutzen beider Seiten, der Unternehmen und unseres Landes. Wir können Krisen bewältigen.
Liebe Lufthanseatinnen und Lufthanseaten, Sie und andere deutsche Fluggesellschaften waren zu Beginn des fortdauernden Krieges im Nahen und Mittleren Osten für Rückholflüge zur Stelle, um deutsche Staatsbürgerinnen und Staatsbürger aus dem Krisengebiet sicher nach Hause zurückzuholen, wie zuvor schon so viele Male auch. Meinen und unseren Dank auch dafür, dass Sie das getan haben!
Wir wollen ein leistungsstarker und erfolgreicher Luftverkehrsstandort bleiben. Über 380.000 Menschen sind allein im Kernbereich des Luftverkehrssektors beschäftigt. Sie tragen ganz wesentlich zur deutschen Wertschöpfung bei. Das ist ein Fundament unserer Volkswirtschaft. Deshalb haben wir auch ein umfassendes Maßnahmenpaket geschnürt, das den Luftverkehr entlastet und die internationale Wettbewerbsfähigkeit stärkt. Ich nenne es in aller Kürze. Die Streichung der Kerosinquote haben wir bereits im November des letzten Jahres beschlossen. Erstmals seit Jahren konnten wir die Flugsicherungsgebühren senken - für dieses Jahr um rund 47 Millionen Euro, weitere zehn Prozent im nächsten Jahr. Wir nehmen schließlich die Erhöhung der Luftverkehrssteuer vom Mai 2024 zum 1. Juli 2026 zurück. Und last but not least: Der Bund finanziert auch in Zukunft die Flugsicherung an den Regionalflughäfen, die für uns von enormer Bedeutung auch abseits der großen Drehkreuze in der Fläche sind. Dieses ganze Paket mit 500 Millionen Euro im Jahr entlastet Ihre Branche - ein starkes Signal, wie ich finde, für Stabilität und Planungssicherheit.
Wir arbeiten weiter daran. Wir arbeiten an Verbesserungen für die ganze Branche. Und wir wollen, wenn es möglich ist, pünktlich zum Beginn der ILA, der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung, im Sommer in Berlin die Luftverkehrsstrategie der Bundesregierung vorlegen, um vorhandene Synergien - auch dies spreche ich offen an - zwischen ziviler und militärischer Luftfahrt besser zu nutzen. Unser Ziel sind gute Standortbedingungen für das Wachstum von Luftverkehrswirtschaft und Luftfahrtindustrie in Deutschland. All dies, meine Damen und Herren, wird dazu beitragen, dass Deutschland ein zukunftsfester, innovativer und vor allem international wettbewerbsfähiger Luftverkehrsstandort bleibt. Das ist der Anspruch, den wir an uns selbst stellen.
Und die weitere Zukunft? Lieber Carsten Spohr, Sie haben es gesagt: seit 100 Jahren eine Wachstumsbranche. Es wird auch in Zukunft eine Wachstumsbranche bleiben. Seriöse Prognosen gehen davon aus, dass sich der Luftverkehr weltweit bis 2050 erneut verdoppelt. Darauf müssen wir uns einstellen. Dafür müssen wir Bedingungen schaffen, um an diesem Wachstum teilzunehmen. Der Bedarf wird entstehen. Weniger fliegen, meine Damen und Herren, ist keine Option für den Wirtschaftsstandort Deutschland.
Ja, dazu brauchen wir nachhaltige, klimaschonende Technologien. Ja, dazu brauchen wir Reformen. Dazu brauchen wir niedrige Kosten und höhere Wettbewerbsfähigkeit. Aber, meine Damen und Herren, lassen Sie mich neben Energiepolitik, Sozialpolitik, Steuerpolitik und Arbeitsmarktpolitik eines hinzufügen: Das Wichtigste für uns alle ist, dass wir auch in Zukunft in einer offenen, freiheitlichen, demokratischen Gesellschaft leben. Das ist die größte Herausforderung, vor der wir gegenwärtig stehen. Illiberale Demokratie ist ebenfalls keine Option. Und wie diejenigen, die 16 Jahre Erfahrung mit illiberaler Demokratie gemacht haben, reagieren, konnten wir eindrucksvoll am letzten Sonntag in Ungarn sehen.
Meine Damen und Herren, ich spreche es hier so offen und deutlich an: Den Verlockungen des politischen Populismus zu folgen, ist die schlechteste Variante zwischen allen diskutierten wirtschaftspolitischen und standortpolitischen Alternativen für unser Land.
Ich weiß, dass ich dafür manche Kritik bekomme. Aber lassen Sie mich offen sagen: Auch mich tröstet und motiviert ein Wort aus der Luftfahrt. Das Wort lautet: Wenn du meinst, dass alles gegen dich steht, dann denke daran: Ein Flugzeug startet nur gegen den Wind, niemals mit dem Wind.
Meine Damen und Herren, in diesem Sinne gratuliere ich Ihnen noch einmal zu diesem großartigen Jubiläum. Sie haben in den letzten 100 Jahren mit Logo und Name Deutschland wie kein anderes Unternehmen geprägt. Blicken Sie also mit Stolz, mit Zuversicht und auch mit Selbstbewusstsein nach vorn! Die Herausforderungen sind groß, aber die Chancen sind noch größer.
Erlauben Sie mir, dass ich zum Schluss als leidenschaftlicher Teil Ihres Denkens und Lebens noch einmal auf Leonardo da Vinci zurückkomme. Er hat wahrscheinlich nie geflogen, obwohl er darüber viel gesprochen und viel gezeichnet hat. Von ihm ist ein Wort überliefert, das mich bis zum heutigen Tag immer wieder beeindruckt. Das lautet wie folgt: Wenn du das Fliegen einmal erlebt hast, dann wirst du für immer auf Erden wandeln, und dein Blick ist himmelwärts gerichtet. Denn da bist du einmal gewesen, und da willst du immer wieder hin. Ist das nicht ein schönes Wort? 500 Jahre alt, meine Damen und Herren! Ich bin sicher, vielen von Ihnen geht es ganz genauso, und für genau dieses Gefühl steht Lufthansa und stehen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Luft und am Boden. Aber für genau dieses Gefühl stehen auch Millionen Kundinnen und Kunden.
Ich wünsche Ihnen in diesem Sinne: Bleiben Sie auch in den nächsten 100 Jahren so erfolgreich! Leben Sie ihn weiter, den Traum vom Fliegen! Allzeit guten und sicheren Flug! Und wie wir zu sagen pflegen: Always happy landings!
Herzlichen Dank!