The Office of the Federal President of Germany

03/14/2026 | Press release | Distributed by Public on 03/14/2026 10:27

Bundespräsident Steinmeier kondoliert zum Tod von Jürgen Habermas

Bundespräsident Steinmeier kondoliert zum Tod von Jürgen Habermas

Schwerpunktthema: Pressemitteilung

14. März 2026 14. März 2026

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat der Tochter und dem Sohn von Jürgen Habermas zum Tod ihres Vaters kondoliert. Der Bundespräsident schreibt:

Mit großer Traurigkeit habe ich vom Tod Ihres Vaters erfahren. Ich spreche Ihnen mein tief empfundenes Beileid aus.

Ich hatte das Privileg, mit Ihrem Vater bis zuletzt im Austausch zu sein und erinnere mich mit Dankbarkeit an das Gespräch mit ihm bei meinem letzten Besuch in Starnberg im Januar, in dem seine tiefe Sorge über unsere Gegenwart zu spüren war. Am Ende seines Lebens musste Ihr Vater mehrere persönliche Schicksalsschläge ertragen. Ich weiß, die politischen Entwicklungen in Deutschland und Europa haben ihn bedrückt und zweifeln lassen, zumal er bei nachlassenden Kräften den Anspruch hatte, sein Wort gegen Gewalt und Unrecht zu stellen.

Mit Jürgen Habermas verlieren wir einen großen Aufklärer, der die Widersprüche der Moderne durchmessen hat. Er hat uns das Ethos des demokratischen Diskurses gelehrt und die Emanzipation des Menschen als unaufgebbares Ziel begründet.

Über viele Jahrzehnte hat Jürgen Habermas den wissenschaftlichen wie auch den politischen Diskurs in unserem Land und weit darüber hinaus geprägt, bereichert und vorangetrieben. In seinem Wirken verbanden sich auf unverwechselbare Weise theoretische Präzision, analytische Kraft, kritische Selbstreflexion, Sprachmacht und republikanische Einmischung.

Ausgangspunkt seines Nachdenkens über eine der Demokratie verpflichteten Gesellschaftstheorie, wie Jürgen Habermas sie in seiner "Theorie des kommunikativen Handelns" ausgearbeitet hat, war der Zivilisationsbruch der Shoah. Aus der Überzeugung des "Nie wieder!" entwickelte er eine Diskursethik als philosophisches Fundament der Demokratie, die auf gegenseitige Verständigung und Respekt zielt.

Jürgen Habermas hat sich bereits in der frühen Bundesrepublik dafür eingesetzt, den Traditionen der Aufklärung erneut eine Heimat zu geben, Freiheit und Gleichheit, individuelle Menschenwürde in einem gerechten Gemeinwesen in Deutschland - in Wissenschaft und Gesellschaft - zu verwurzeln. Er hat maßgeblich dazu beigetragen, dass die intellektuelle Öffnung unseres Landes für die politische Kultur des Westens nach dem Zweiten Weltkrieg gelang und damit der Weg zu einer gefestigten Demokratie geglückt ist. Leidenschaftlich hat er sich für die Überwindung von Nationalismus, für die europäische Einigung als Lehre aus Krieg, Völkermord und totalitärer Herrschaft eingesetzt. Zuletzt mahnte er Europa angesichts der bedrückenden weltpolitischen Lage eindringlich, als weltpolitischer Akteur so handlungsfähig zu werden, dass es den Anspruch stellen könne, ernst genommen zu werden.

Bei allen wesentlichen gesellschaftlichen Fragen, die die Basis unseres Zusammenlebens in einer demokratischen Gesellschaft und in einem europäischen Verbund von Demokratien berühren, hat Jürgen Habermas sich bis zuletzt leidenschaftlich zu Wort gemeldet. Immer stritt er für die Weiterentwicklung einer den freiheitlichen und humanistischen Idealen verpflichteten demokratischen Gesellschaft.

Sein Lebenswerk zu bewahren und seinen Ansprüchen an eine kritische Gesellschaftstheorie und Zeitdiagnose gerecht zu werden, nicht zuletzt die immer neue Orientierung auf das Ziel des Friedens ist eine bleibende Aufgabe für Wissenschaft, Publizistik und Politik.

Wir werden seine Stimme vermissen. Unser Land verdankt ihm unendlich viel.

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