Stadt Hanau

09/04/2026 | Press release | Distributed by Public on 09/04/2026 06:22

100 Jahre Jugendhilfeausschusses: Ein Jahrhundert Verantwortung für junge Menschen

Meldungsdatum: 04.09.2026

100 Jahre Jugendhilfeausschusses: Ein Jahrhundert Verantwortung für junge Menschen

Jedes Kind hat ein Recht auf Erziehung zur leiblichen, seelischen und gesellschaftlichen Tüchtigkeit. Was heute wie eine Selbstverständlichkeit klingt, war vor 100 Jahren ein gesellschaftlicher Meilenstein. Mit dem Reichsgesetz für Jugendwohlfahrt von 1926 begann der Wandel von der bloßen Armenpflege hin zu einem Recht auf Unterstützung und Förderung junger Menschen. Das 100-jährige Jubiläum des Hanauer Jugendhilfeausschusses wurde bei einem Fest im Stadtteilzentrum Süd-Ost gefeiert.

"Wenn wir heute auf 100 Jahre Jugendwohlfahrts- und Jugendhilfeausschuss in Hanau zurückblicken, dann feiern wir nicht nur ein Gremium. Wir feiern ein Versprechen", betonte Bürgermeister Dr. Maximilian Bieri anlässlich des Jubiläums bei der Feierstunde im Bürgersaal des Stadtteilzentrum Süd-Ost vor zahlreichen geladenen Gästen. Hanau habe dieses Versprechen von Beginn an mit Leben gefüllt. "Der Jugendhilfeausschuss steht seit 1926 für die Überzeugung, dass Kinder und Jugendliche ein Recht auf Unterstützung, Förderung und Teilhabe haben."

Der Einladung zum Jubiläumsfest folgten zahlreiche Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter, Partner sowie aktuelle und ehemalige Akteure der Jugendhilfe. Für den würdigen Rahmen des Abends sorgten neben der einleitenden Rede und Begrüßung durch Bürgermeister Dr. Bieri, die Schul-Band der Elisabeth-Schmitz-Schule, der akrobatisch-athletisch Auftritt der Breakdancer der Hanau City Breaker sowie Musik von Nicole Kropp aus der Familien- und Jugendarbeit, die mit Stimme und Gitarre die Gäste unterhielt. Interessierte konnten sich zudem in der 73-seitigen Chronik über die Entwicklungen, Herausforderungen und Meilensteine des Jugendhilfeausschusses informieren.

Von den Anfängen bis zur Gegenwart des Hanauer Jugendhilfeausschusses

Von Beginn an war die Arbeit eng mit der Geschichte der Stadt verbunden. In den Gründungsjahren in Zeiten der Weltwirtschaftskrise in den 1920er und 1930ern, standen Armut, Jugendarbeitslosigkeit und die Unterstützung von Kindern und Familien im Mittelpunkt. Mütterberatung, Schulspeisungen und Nothilfen gehörten zu den frühen Maßnahmen.

Ab 1933 und der Machtübernahme der Nationalsozialisten, wurde auch der Hanauer Ausschuss gleichgeschaltet, demokratische und jüdische Mitglieder wurden verdrängt. Die Jugendhilfe wurde zunehmend von Ausgrenzung und der NS-Rassenideologie geprägt. Erziehungshilfe wandelte sich zur Ausgrenzung und Mitwirkung bei rassenhygienischen Maßnahmen wie Zwangssterilisationen. Mit den Zerstörungen der Stadt kam die Ausschussarbeit 1945 schließlich vollständig zum Erliegen.

Nach dem Krieg begann der Neubeginn. Ab 1946 standen Kriegswaisen, Flüchtlingskinder und mangelernährte junge Menschen im Mittelpunkt der Arbeit. Schulspeisungen, Notunterkünfte und weitere Hilfsangebote sollten die schlimmsten Folgen der Nachkriegszeit lindern. "Der Wiederaufbau der Jugendhilfe war zugleich ein Neubeginn auf der Grundlage von Demokratie, Humanität und Verantwortung", so Bieri.

In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich die Jugendhilfe stetig weiter. Beratungsstellen wurden aufgebaut, offene Jugendarbeit und Streetwork ausgebaut und neue Angebote für Familien geschaffen. Mit der hessischen Gebietsreform mussten zudem die neuen Stadtteile in das Hanauer Jugendhilfesystem integriert werden. Gleichzeitig wurde auch der internationale Austausch gefördert. In den 1970er- und 1980er-Jahren kamen unter anderem sozialpädagogische Familienhilfe, Projekte gegen Jugendarbeitslosigkeit, Drogenprävention und erste Betreuungsangebote für Kinder unter drei Jahren hinzu.

Einen grundlegenden Wandel brachte 1991 das Kinder- und Jugendhilfegesetz. Aus dem Jugendamt als klassischer Eingriffsbehörde entwickelte sich ein bürgernaher Dienstleister für Kinder, Jugendliche und Familien. In Hanau wurde der Ausbau der Kindertagesbetreuung weiter vorangetrieben, bis 1996 der Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz umgesetzt war.

Auch in den vergangenen zwei Jahrzehnten war die Jugendhilfe immer wieder gefordert, flexibel auf gesellschaftliche Veränderungen und Krisen zu reagieren. Dazu gehörten der Ausbau der Betreuung für Kinder unter drei Jahren, die Unterstützung hunderter unbegleiteter minderjähriger Geflüchteter in den Jahren 2015 und 2016 sowie die Folgen der Corona-Pandemie.

Nach dem rassistischen Anschlag vom 19. Februar 2020 setzten Jugendhilfe und Jugendhilfeausschuss zudem besondere Schwerpunkte in der Traumaarbeit, der Unterstützung junger Menschen, der Demokratieförderung und der klaren Haltung gegen Rassismus und Diskriminierung. "Gerade in Krisenzeiten hat sich gezeigt, wie wichtig eine starke, gut vernetzte und sozialraumorientierte Jugendhilfe ist", sagte der Bürgermeister. "Sie ist für viele junge Menschen und Familien ein Anker und gibt Halt, wenn Unterstützung besonders dringend gebraucht wird."

Heute steht Hanau mit der Kreisfreiheit erneut an einer wichtigen Wegmarke. Mit der vollautonomen Verantwortung für das gesamte Stadtgebiet kommen auch auf den Jugendhilfeausschuss neue Aufgaben und Gestaltungsmöglichkeiten zu. Gleichzeitig werden der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung an Grundschulen sowie der Ausbau eines inklusiven Jugendamts weiter vorangetrieben.

"Hanau übernimmt Verantwortung - lückenlos, nah am Menschen und zukunftsorientiert", erklärt Sozialdezernent Bieri. "Entscheidend bleibt, dass wir Kinder, Jugendliche und Familien nicht nur verwalten, sondern sie stärken und ihnen echte Teilhabe ermöglichen."

Die besondere Stärke des Hanauer Jugendhilfeausschusses liege seit seiner Gründung in seinem Zusammenwirken unterschiedlicher Akteure. Politik, Verwaltung und freie Träger gestalten die Jugendhilfe gemeinsam. "Dieses vertrauensvolle Zusammenspiel ist seit 100 Jahren das Herzstück der Hanauer Jugendhilfe", so der Bürgermeister. Sein Dank gelte deshalb allen haupt- und ehrenamtlichen Akteurinnen und Akteuren, die sich über Generationen hinweg für junge Menschen eingesetzt hätten.

Mit Blick auf die kommenden Jahrzehnte fasste er die Bedeutung der Arbeit zusammen: "Wer in die Jugend investiert, baut an der Zukunft unserer Stadt."

Pressekontakt: Thomas Nawrath, Telefon 0171 6418342

Zu dieser Meldung können wir Ihnen folgende Medien anbieten:

100 Jahre Jugendhilfeausschusses:

© Stadt Hanau / Moritz Göbel

Bürgermeister Dr. Maximilian Bieri begrüßte die Gäste und würdigte die Arbeit des Jugendhilfeausschusses.

100 Jahre Jugendhilfeausschusses:

© Stadt Hanau / Moritz Göbel

Eine umfangreiche Chronik gab Einblicke in die 100-jährige Geschichte der Jugendhilfe in Hanau.

100 Jahre Jugendhilfeausschusses:

© Stadt Hanau / Moritz Göbel

Die Hanau City Breaker begeisterten mit ihrer akrobatischen Show-Einlage.

100 Jahre Jugendhilfeausschusses:

© Stadt Hanau / Moritz Göbel

Für Musik sorgte die Schul-Band der Elisabeth-Schmitz-Schule.

100 Jahre Jugendhilfeausschusses:

© Stadt Hanau / Moritz Göbel

Nicole Kropp aus der Hanauer Familien- und Jugendarbeit unterhielt mit Gesang und Gitarre.

Stadt Hanau published this content on September 04, 2026, and is solely responsible for the information contained herein. Distributed via Public Technologies (PUBT), unedited and unaltered, on September 04, 2026 at 12:22 UTC. If you believe the information included in the content is inaccurate or outdated and requires editing or removal, please contact us at [email protected]