09/23/2026 | Press release | Distributed by Public on 09/23/2026 07:34
Am Oerweg 53 und an der Herner Straße 64 hatten acht Angehörige der Familie Philipp gelebt, ehe sie von Nazi-Schergen deportiert wurden. Nur zweien gelang rechtzeitig die Flucht, fünf wurden ermordet, ein einziger überlebte das Martyrium in Auschwitz.
Bürgermeister Axel Tschersich begrüßte die Angehörigen, die aus Israel, Frankreich, England und Kanada angereist waren, zunächst im Rathaus. "Sie haben weite Wege auf sich genommen - das zeigt mir, wie viel Ihnen dieser Tag bedeutet und dass Sie die Erinnerungskultur, die in unserer Stadt gelebt wird, anerkennen und damit würdigen. Das ist eine Ehre für die Stadt."
"Stolpersteine" sind Gedenktafeln aus Messing, die in den Boden eingelassen sind. Sie erinnern an Menschen, die Opfer des Nazi-Terrors wurden und Spuren jüdischen Lebens - in Recklinghausen und an vielen anderen Orten. Seit 2014 sind in Recklinghausen mehr als 50 Stolpersteine verlegt worden.
Auf den Gedenktafeln sind die Namen der Nazi-Opfer eingraviert. Der Künstler Gunter Demnig, der vor 24 Jahren mit dieser Arbeit begonnen hat, will den Opfern so ihre Namen zurückgeben, denn die Nazis haben ihre Opfer in den Vernichtungslagern zu Nummern degradiert. Bürger*innen sollen an den Stolpersteinen nicht buchstäblich stolpern, aber auch nicht achtlos darüber hinweggehen, sondern - wenn sie mögen - kurz innehalten, die Namen lesen und sich so erinnern an das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte. "Die Erinnerung zeigt uns, wie wichtig es ist, die Werte unserer Demokratie zu verteidigen, um Frieden, Freiheit und die Achtung der Menschenwürde in unserem Land zu bewahren", sagte Bürgermeister Axel Tschersich.
Initiiert hatten diese Stolpersteinverlegung eine Opfer-Angehörige aus Israel sowie der Arzt und Heimatforscher Dr. Franz-Josef Wittstamm. Schüler*innen der Wolfgang-Borchert-Gesamtschule hatten den Tag vorbereitet. Sie berichteten an den Gedenkorten von den Schicksalen. Die Schule engagiert sich seit Jahren in Projekten der Erinnerungskultur. Der Bürgermeister lobt das Engagement der Schüler*innen und Lehrer*innen: "Es sind nur noch wenige Zeitzeugen unter uns. Einige von ihnen haben in den vergangenen Jahren auch in unseren Schulen ihre Erinnerungen an die Schoah mit Schülerinnen und Schülern geteilt. Solch eindrucksvolle Veranstaltungen wird es künftig nicht mehr geben können. Umso wichtiger ist es, dass Jüngere deren Botschaften und Erinnerungen weitertragen."
Auch Mitglieder der Jüdischen Kultusgemeinde Recklinghausen waren bei der Enthüllung der "Stolpersteine" mit dabei. Die Zeremonie endete mit einer Begegnung in der Synagoge.