07/31/2026 | News release | Distributed by Public on 07/31/2026 00:37
Cybersecurity-Experte Dimitrios Simos kritisiert die geplante EU-Regelung und warnt vor Folgen für Datenschutz und Verschlüsselung.
Cybersecurity-Experte Dimitrios Simos von der Universität Salzburg warnt vor den möglichen Folgen der geplanten EU-Regelung "Chat Control 2". Verpflichtende Alterskontrollen, KI-gestützte Nachrichtenanalysen und Eingriffe in verschlüsselte Kommunikation könnten aus seiner Sicht Datenschutz, Informationsfreiheit und digitale Grundrechte gefährden.
Das Europäische Parlament hat die befristete Ausnahme von den ePrivacy-Regeln, bekannt als Chat Control 1.0, bis zum 3. April 2028 verlängert. Die Regelung ermöglicht die automatisierte Durchsuchung digitaler Kommunikation zur Aufdeckung von Darstellungen sexuellen Kindesmissbrauchs im Netz.
Auf EU-Ebene wird weiter über die langfristige Nachfolgeregelung "Chat Control 2.0" verhandelt. Während die derzeitige Regelung eine freiwillige Durchsuchung von Nachrichten erlaubt, sieht der umstrittene Nachfolgeentwurf weitergehende Maßnahmen vor. Kritikerinnen und Kritiker warnen vor einer Ausweitung staatlicher Überwachungsmöglichkeiten und sehen die Vertraulichkeit privater Kommunikation gefährdet.
Einer dieser Kritiker ist Dimitrios Simos, Cybersecurity-Experte an der Universität Salzburg. Gemeinsam mit zahlreichen internationalen Cybersecurity-Forschenden warnt er davor, dass Chat Control 2 zu einer weitreichenden Überwachung privater digitaler Kommunikation führen könnte.
Simos sieht insbesondere verpflichtende Altersverifikationen kritisch. Diese könnten Einschränkungen für Datenschutztechnologien wie VPNs nach sich ziehen und damit die freie und anonyme Nutzung des Internets erschweren.
Besonders umstritten ist aus seiner Sicht "Chat Control 2". Der Vorschlag sieht unter anderem eine verpflichtende Überprüfung von Nachrichten direkt auf den Endgeräten der Nutzerinnen und Nutzer sowie KI-gestützte Inhaltsanalysen vor. Dies würde die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung grundsätzlich infrage stellen und erhebliche Risiken für Privatsphäre und Cybersicherheit schaffen, so Simos. Beispielsweise lässt sich eine datenschutzkonforme Altersfeststellung mit den derzeit verfügbaren Technologien kaum umsetzen, da hierfür biometrische, verhaltensbezogene oder kontextbezogene Daten herangezogen werden müssen.
Grundsätzlich plädiert Simos dafür, Verschlüsselung nicht zugunsten neuer Überwachungsmaßnahmen aufzuweichen. "Cybersicherheit soll gestärkt, Überwachungspraktiken transparent gestaltet und gesellschaftliche Debatten über das Verhältnis von Sicherheit und Grundrechten geführt werden", so der Cybersicherheitsexperte.
Die entscheidende politische Debatte über die geplante Nachfolgeregelung Chat Control 2.0 wird im Herbst erwartet.
Univ.-Prof. Dr. Dimitrios Simos
Joint Professor Cybersecurity
Universität Salzburg I Fachbereich Informatik
Jakob-Haringer-Straße 2 I 5020 Salzburg I Austria
Tel: +43 662 8044-6339
E-Mail an Univ.-Prof. Dr. Dimitrios Simos
Foto: © Kay Müller