01/15/2026 | Press release | Distributed by Public on 01/15/2026 07:42
Die Entmachtung von Nicolás Maduro machte Anfang des Jahres die angespannte politische Lage und bestehende Konflikte in Venezuela deutlich. Politische Unsicherheit wie die Spannungen mit den USA, eine anhaltende humanitäre Krise und dokumentierte Menschenrechtsverletzungen prägen für viele Menschen in Venezuela den Alltag. Bielefelder Wissenschaftler*innen forschen zur Situation im Land, etwa zu Menschenrechten und Migration. Einige von ihnen stammen selbst aus Venezuela. Am Montag, 19. Januar, diskutieren Fachleute, darunter venezolanische Wissenschaftler*innen, in der Gesprächsrunde "What is going on in Venezuela? Voices from the Diaspora in der Universität über die aktuelle Situation im Land.
Am Montag, 19. Januar laden Wissenschaftler*innen des Forschungsprojekts "Peace and Mobility" unter der Leitung von Dr. Camilo Forero von 17 bis 19 Uhr zur öffentlichen Diskussion zum Thema: "What Is Going On in Venezuela? Voices from the Diaspora" ein. Die Veranstaltung findet im Hauptgebäude, Raum S1-217, statt. Venezolanische Wissenschaftler*innen und Mitglieder der venezolanischen Diaspora in Deutschland analysieren die aktuelle politische und menschenrechtliche Situation in Venezuela, die strukturellen Ursachen der anhaltenden Krise sowie die Rolle der Diaspora. Diskutiert werden zudem Perspektiven für die zukünftige Entwicklung des Landes an der Schnittstelle von Politik, Völkerrecht, Menschenrechten und Migration. Die Veranstaltung ist englischsprachig, richtet sich an alle Interessierten in und außerhalb der Universität. Fragen können auch auf Deutsch gestellt werden; bei Bedarf wird gedolmetscht. Der Round Table wirden wird auch online über Zoom übertragen. Interessierte können sich registrieren.
María Gabriela Trompetero Vicent ist venezolanische Doktorandin im Projekt "Peace and Mobilities" an der Universität Bielefeld. Sie forscht zu erzwungener Migration und Menschenrechten mit Schwerpunkt auf Venezuela.
Im Jahr 2025 stellten Venezolaner*innen die größte Gruppe der Asylsuchenden in der Europäischen Union. Trompetero Vicent untersucht die Ursachen dieser Fluchtbewegung anhand qualitativer Interviews, Feldforschung und der Analyse von Asylstatistiken. Ihre Forschung zeigt, dass seit 2014 mehr als acht Millionen Menschen aufgrund der Verfestigung des Regimes, systematischer Repression und humanitärer Not aus Venezuela geflohen sind.
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"Der Wahlbetrug im Jahr 2024 sowie die gewaltsame Unterdrückung der darauffolgenden Proteste haben diese Dynamik weiter verschärft", sagt sie. In internationalen und akademischen Debatten komme die Perspektive der Betroffenen häufig zu kurz. Oft werde der komplexe soziale, politische und historische Kontext ausgeblendet, insbesondere die seit über zwanzig Jahren andauernden systematischen Menschenrechtsverletzungen, mangelhaft geplante Regierungspolitik und jahrzehntelange Korruption als zentrale Ursachen der humanitären Krise. "Die Ursachen der Krise werden häufig verkürzt dargestellt, obwohl viele strukturelle Probleme lange vor den Sanktionen bestanden", so Trompetero Vicent.
Auch der erhebliche ausländische Einfluss, etwa durch Kuba und Russland, werde in Debatten über staatliche Souveränität häufig nicht ausreichend berücksichtigt, während das Maduro-Regime wiederholt gegen das Völkerrecht verstoßen habe. Gleichzeitig seien systematische Menschenrechtsverletzungen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Wahlbetrug von venezolanischen Organisationen, internationalen Institutionen und UN-Mechanismen umfassend dokumentiert worden. "Trotz jahrelanger friedlicher und demokratischer Bemühungen der venezolanischen Gesellschaft sind internationale Reaktionen weitgehend wirkungslos geblieben", sagt Trompetero Vicent.
In diesem Beitrag werden Forschungsansätze, -ergebnisse und Einschätzungen Bielefelder Wissenschaftler*innen zur Situation in Venezuela fortlaufend gesammelt und aktualisiert.