City of Berlin

09/02/2026 | Press release | Distributed by Public on 09/02/2026 03:58

Digitale Gewalt nimmt immer mehr zu – Handlungsempfehlung für medizinisches Personal veröffentlicht

An seinem heutigen 6. Aktionstag befasst sich der Runde Tisch Berlin "Gesundheitsversorgung bei häuslicher und sexualisierter Gewalt" mit der Frage, welche Bedeutung digitale Gewalt in der Versorgung hat und wie sie in die Ersthilfe integriert werden kann. Unter dem Motto "Digitale Gewalt ist Gewalt. Auch in Beziehungen" haben die Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege als federführende Verwaltung und der Runde Tisch heute zu einem fachlichen Austausch in das Jüdische Krankenhaus Berlin eingeladen. Im Rahmen einer Fortbildungsveranstaltung wurde Mitarbeitenden außerdem praxisnah gezeigt, wie Krankenhauspersonal Wissen und Handlungssicherheit im Umgang mit digitaler Gewalt erlangen kann.

Dass das Thema eine besondere Relevanz hat und Gewalt zunehmend mit digitalen Mitteln verübt wird, zeigen aktuelle Zahlen. Allein im Jahr 2024 hat das Bundeskriminalamt knapp 30.000 Menschen erfasst, die Opfer digitaler Gewalt geworden sind, davon weit über die Hälfte Frauen und Mädchen. Etwa jeder sechste Fall ereignete sich in (Ex-)Beziehungen - Tendenz steigend (+ 11 Prozent gegenüber 2023).

Selten tritt digitale Gewalt in Beziehungen isoliert auf. Sie verstärkt und erweitert vielmehr "analoge" Formen der Gewalt. So werden Betroffene zum Beispiel per SMS, E-Mail und in den sozialen Medien bedroht und mit GPS-Trackern und Spyware kontrolliert. Die Gewalt wird eingesetzt, um Betroffene zu kontrollieren, zu bedrohen, zu stalken und bloßzustellen - zur Machtausübung und mit massiven gesundheitlichen Folgen für die Betroffenen.

Dazu Ellen Haußdörfer, Staatssekretärin für Gesundheit und Pflege: "Die zunehmende Relevanz digitaler Gewalt ist erschreckend. Die hohe Zahl der Betroffenen zeigt, wie wichtig die Einbindung des Gesundheitswesens ist. Auch wenn Betroffene digitaler Gewalt Einrichtungen der Gesundheitsversorgung vielleicht nicht wegen ihrer Gewalterfahrungen aufsuchen, besteht aufgrund des besonderen Vertrauensverhältnisses eine gute Basis für ein Gespräch. Deshalb ist es wichtig, dass Beschäftigte über digitale Gewaltformen informiert sind, Handlungsmöglichkeiten kennen und Brücken bauen ins spezialisierte Hilfesystem. Die neue Handreichung hilft Gesundheitsfachpersonal das Thema digitale Gewalt mit in die Versorgung zu integrieren - pragmatisch, alltagsnah und orientiert an den Bedürfnissen der Betroffenen!"

Im Mittelpunkt der heutigen Diskussion, an der neben Gesundheitsstaatssekretärin Ellen Haußdörfer auch Ärztinnen und Ärzte des Jüdischen Krankenhauses sowie Expertinnen und Experten für digitale Gewalt und Menschen mit Expertise aus eigener Erfahrung teilgenommen haben, stand die Frage, wie das Erleben von digitaler Gewalt in der Routineversorgung im Gesundheitsbereich angesprochen und den Betroffenen Hilfe vermittelt werden kann.

Anlässlich des Aktionstages hat der Runde Tisch Berlin "Gesundheitsversorgung bei häuslicher und sexualisierter Gewalt" die bundesweit erste Handlungsempfehlung "Digitale Gewalt - Thema in Ersthilfe und gesundheitlicher Versorgung bei häuslicher und sexualisierter Gewalt" herausgegeben.

Dazu Marion Winterholler von der Geschäftsstelle des Runden Tisches: "Für Mitarbeitende in der Gesundheitsversorgung sind kurze, praxisbezogene Informationen wichtig, die in Routineabläufe integrierbar sind. Die Handreichung soll entlasten: Es geht nicht darum, Expertinnen und Experten für digitale Gewalt zu werden! Es geht 'nur' darum, digitale Gewalt in Beziehungen für möglich zu halten und aktiv anzusprechen, Erfahrungen Betroffener ernst zu nehmen und über Hilfen zu informieren."

Die neue Handlungsempfehlung "Digitale Gewalt - Thema in Ersthilfe und gesundheitlicher Versorgung bei häuslicher und sexualisierter Gewalt" finden Sie hier

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