11/02/2026 | Press release | Distributed by Public on 11/02/2026 03:18
Wie lassen sich Fakten von Meinungen unterscheiden? Welche Verantwortung tragen journalistische Medien und soziale Netzwerke? Und wie können wir als Gesellschaft mit künstlicher Intelligenz und Desinformation umgehen? Diese Fragen standen im Mittelpunkt der Demokratiekonferenz 2026 am Mittwoch, 28. Oktober, in der Aula der Goetheschule Wetzlar.
Auf dem Podium diskutierten Frank Inderthal, Erster Kreisbeigeordneter des Lahn-Dill-Kreises, Mika Beuster, Journalist bei VRM Mittelhessen und Vorsitzender des Deutschen Journalisten-Verbandes, sowie Christoph Irion, Geschäftsführer der Christlichen Medieninitiative Pro. Moderiert wurde die Diskussion von Fevzi Korun vom Bundesprogramm "Demokratie leben!" und der Abiturientin Helena Fey. Mit dabei waren Schülerinnen und Schüler der Goetheschule, die sich mit eigenen Fragen an der Debatte beteiligten.
Journalismus zwischen Fakten und Meinung
Zu Beginn ging es um die Frage, wie objektiv Journalismus sein kann und wie Menschen verlässliche Informationen erkennen. Mika Beuster machte deutlich, dass vollständige Objektivität kaum möglich sei. "Wir sind als Menschen nie ganz objektiv, aber wir können uns durch Regelungen der Objektivität annähern", erklärte er. Der Vergleich unterschiedlicher Medien und ihrer Perspektiven sei wichtig, um sich ein eigenes Bild zu machen.
Auch der Einfluss von Sozialen Medien auf die öffentliche Meinungsbildung wurde diskutiert. Algorithmen bestimmen hier mit, welche Inhalte Nutzerinnen und Nutzern angezeigt werden. Hier gelte oft: Wer polarisiert bekommt Aufmerksamkeit. Während journalistische Medien in der Berichterstattung bestimmten Regeln unterliegen und für ihre Veröffentlichungen Verantwortung tragen, gelten auf digitalen Plattformen andere Rahmenbedingungen.
Ein weiterer Schwerpunkt war der Einsatz künstlicher Intelligenz. "Wahrer Journalismus ist und bleibt menschengemacht", betonte Irion. KI könne Arbeitsprozesse unterstützen, dürfe aber die journalistische Einordnung nicht ersetzen. Mika Beuster stimmte dem zu und forderte mehr Transparenz bei Algorithmen und den Datenquellen von KI-Systemen. Auch der Schutz geistigen Eigentums müsse eine größere Rolle spielen, so Beuster.
Medienkompetenz statt pauschaler Verbote
Wie können Kinder und Jugendliche einen verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien erlernen? Die Frage kamen in verschiedenen Themenblöcken der Podiumsdiskussion immer wieder auf. Die Teilnehmer sprachen sich hierbei einstimmig gegen pauschale Verbote sozialer Netzwerke aus und betonten stattdessen die Bedeutung von Bildungsarbeit und Medienkompetenz. Schulen, Eltern und Gesellschaft seien gemeinsam gefragt, junge Menschen dabei zu unterstützen, Informationen kritisch zu prüfen und manipulative Inhalte zu erkennen. Kindern und Jugendlichen müssten früh einen verantwortungsvollen Umgang mit digitaler Technologie und Medien lernen.
Frank Inderthal verwies darauf, dass politische Regeln nur dann sinnvoll seien, wenn sie auch umgesetzt und kontrolliert werden könnten. "Verbote sollte man aus der Politik nur aussprechen, wenn es auch klare Maßnahmen zur Umsetzung und Überprüfen gibt", sagte er. Zugleich betonte, dass es gemeinsame europäischer Regelungen für digitale Plattformen brauche.
Alle tragen Verantwortung
Die Diskussionsteilnehmer hinterfragten auch die politische Berichterstattung. Werden komplexe Themen zu häufig auf Streit und Konflikte reduziert? Und welche gesellschaftlichen Anliegen bleiben dadurch möglicherweise unbeachtet? Mika Beuster sprach sich dafür aus, die Menschen und ihre Themen stärker in den Mittelpunkt zu stellen. Christoph Irion betonte wie wichtig es sei, dass Journalistinnen und Journalisten verantwortungsvoll bei der Themenauswahl handeln und, dass transparente Korrekturen nach einer fehlerhaften Berichterstattung wichtig sein, um die Glaubwürdigkeit journalistischer Medien zu stärken.
In der Fragerunde wollten die Schülerinnen und Schüler unter anderem wissen, wie man mit kurzen Ausschnitten aus politischen Reden umgehen sollte und welche Ereignisse es in die Berichterstattung schaffen. Die offene Abschlussdiskussion bestärkte die Kernbotschaft der Demokratiekonferenz: Es braucht mehr Medienkompetenz für alle - Menschen aller Altersgruppen sind gefragt, Informationen kritisch zu hinterfragen, unterschiedliche Perspektiven einzuordnen und sich eine fundierte eigene Meinung zu bilden. Gleichzeitig braucht es klare Regeln und eine verantwortungsvolle Gestaltung digitaler Plattformen, um Desinformation und Hass entgegenzuwirken und demokratische Werte zu schützen.
Die Demokratiekonferenz wurde von der Partnerschaft für Demokratie Lahn-Dill und der Goetheschule Wetzlar veranstaltet. Sie knüpfte an die thematische Arbeit der Schülerinnen und Schüler am Vormittag an. Die Partnerschaft für Demokratie Lahn-Dill setzt sich dafür ein, demokratische Werte zu stärken und gesellschaftliche Teilhabe zu fördern. Die Konferenz bot Gelegenheit, Fragen an Vertreter aus Journalismus und Politik zu richten und gemeinsam über die Herausforderungen digitaler Meinungsbildung zu diskutieren.