Landtag des Landes Schleswig-Holstein

05/06/2026 | Press release | Distributed by Public on 05/06/2026 10:40

Nelly Waldeck zur Stärkung von Kindern und Jugendlichen im Umgang mit Social Media

Presseinformation Nr. 26.138 06.05.2026
Es gilt das gesprochene Wort!
TOP 43 -Kinder und Jugendliche im Umgang mit Social Media stärken
Dazu sagt die jugendpolitische Sprecherin der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Nelly Waldeck:

Wir schlagen ein Bündel an Maßnahmen vor: Medienkompetenz, Plattformregulierung und Einschränkungen der Nutzung
Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kolleg*innen,
seit unserer letzten Debatte zum Umgang mit Social Media ist viel passiert. Wir hatten eine lange, intensive Anhörung in den Fachausschüssen. Auch alle Parteien haben sich inzwischen eigenständig und umfassend mit dem Thema befasst und ihre Positionen gefunden. Wir sehen, wie sehr Social Media bereits unsere Gesellschaft prägt, daher ist es wichtig, dass wir uns nicht verheddern in den Analysen, sondern vor allem, dass wir weiterkommen, wirksame Schutzmechanismen etablieren und den selbstbestimmten Umgang mit Social Media fördern.
Die FDP sagt, pauschale Verbote wirken nicht. Und da haben sie, zumindest wenn ich nach Australien blicke, zum Teil auch Recht. Ein Verbot klingt erstmal einfach. Aber ohne eine effektive Durchsetzung und Kontrolle des Verbotes nützt es wenig. Ohne dass Plattformen klar in die Pflicht genommen werden, ohne dass bestehende Regelungen für den Schutz von Kindern und Jugendlichen und gegen die Suchtgefahr auch durchgesetzt werden, solange das Verbot nicht durch eine Befähigung der Nutzer*innen flankiert wird, kann es nicht wirken.
Trotzdem zeigen alle Studien, die uns vorgestellt wurden, dass es ein Problem für die Gehirnentwicklung ist, wenn Social Media zu früh regelmäßig genutzt wird. Deswegen finde ich es richtig, vorzugeben, dass Social Media erst ab 14 genutzt werden sollte. Der minimale, aber entscheidende Effekt, den wir damit erzielen, ist, dass wir einen gesellschaftlichen Bezugs- und Werterahmen setzen. Das ist wichtig - auch wenn wir das Verbot nicht unbedingt vollständig durchsetzen können.
Wir haben auch ein Tempolimit ohne Blitzer in jeder Straße und ein Alkoholverbot bis 16 und wissen dennoch, dass es Jugendliche gibt, die tatsächlich davor schon trinken! Es reicht nicht und hilft nicht, das Problem zu lösen - und da sind wir beieinander - das Verbot als wichtigste und wirksamste, als einzige Maßnahme darzustellen.
Es reicht allerdings ebenso wenig, einfach nur auf mehr Medienkompetenz zu verweisen. Es kann nicht sein, dass wir von Zwölfjährigen erwarten, dass sie verantwortungsvoll und kompetent mit Systemen umgehen, die von Milliardenkonzernen vorsätzlich so gebaut sind, dass sie maximal süchtig machen.
Endless Scrolling, Push-Nachrichten, Algorithmen, die immer weiter in extreme Inhalte führen. Das alles ist kein Zufall, nein, das ist Geschäftsmodell. Und es funktioniert zu gut, um nur mit Medienkompetenz dagegen anzukommen.
Deswegen schlagen wir ein Bündel an Maßnahmen vor mit einer Mischung aus Medienkompetenz, Plattformregulierung und Einschränkungen der Nutzung. Man muss das eine tun und darf das andere nicht lassen. Nur in einem Gesamtpaket haben wir eine Chance gegen die Geschäftsmodelle der großen Social Media Konzerne.
Jugendschutz gilt auch im digitalen Raum. Das heißt konkret: Wir brauchen bessere und vor allem durchsetzbare Regeln für Plattformen: transparente Algorithmen. Klare Altersverifikation, die den Datenschutz respektiert. Keine Datensammlungen von Kindern und Jugendlichen. Und ein echtes Durchgreifen, wenn die Regeln ignoriert oder verletzt werden.
Und ja, wir sagen auch: Es braucht Leitplanken. Zum Beispiel eine Orientierung, dass Social Media erst ab 14 sinnvoll ist. Als klare gesellschaftliche Erwartung. Aber damit hören wir nicht auf. Kinder wachsen in dieser digitalen Welt auf. Wir können sie nicht davor schützen, indem wir sie abschotten. Wir müssen sie befähigen. Deshalb braucht es Medienkompetenz. Nicht als nettes Zusatzprojekt, sondern als festen Bestandteil der Strategie, in der Schule, in der Freizeit und zu Hause. Kinder müssen verstehen, wie Algorithmen funktionieren. Wie Desinformation aussieht. Wie man sich schützt. Und wir brauchen Unterstützung für Eltern und für Lehrkräfte. Viele fühlen sich komplett überfordert. Sie wissen oft selbst nicht, wie diese Plattformen funktionieren. Da müssen wir helfen, mit klaren Informationen und konkreten Werkzeugen.
Und noch ein Punkt, der mir wichtig ist: Wir dürfen nicht so tun, als wäre Social Media nur ein Problem der jungen Menschen, von Kindern und Jugendlichen. Das Verhalten von Erwachsenen auf Social Media prägt das, was junge Menschen dort erleben: Hass, Desinformation, Verschwörungserzählungen. All das kommt nicht von allein. Das wird von Erwachsenen produziert und verbreitet. Erwachsene werden als Vorbild wahrgenommen und gestalten das Angebot. So haben sie einen enormen, einen doppelten Einfluss auf das Social-Media-Erleben von Kindern. Wenn wir also über Jugendschutz reden, dann reden wir auch über unsere eigene Verantwortung.
Am Ende geht es um einen Dreiklang. Erstens: starke Kinder und Jugendliche, die wissen, was sie tun. Zweitens: klare Regeln für Plattformen, die endlich Verantwortung übernehmen müssen. Und drittens: eine Gesellschaft, die digitale Räume nicht sich selbst überlässt. Vielen Dank.
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Landtagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen Schleswig-Holstein Pressesprecherin Claudia Jacob Landeshaus Düsternbrooker Weg 70 24105 Kiel
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