AGES - Austrian Agency for Health and Food Safety

09/17/2026 | Press release | Distributed by Public on 09/17/2026 07:57

Forschungsprojekt zur Früherkennung von Flavescence dorée und Amerikanischer Rebzikade

RISAF - Entwicklung risikobasierter Strategien zur Eindämmung der epidemischen Ausbreitung von Flavescence dorée bei Weinreben und ihres Überträgers, der Amerikanischen Rebzikade

Zusammenfassung

Flavescence dorée (FD) ist eine wirtschaftlich hoch relevante Quarantänekrankheit der Weinrebe, die in Europa zunehmend zu epidemischen Ausbrüchen führt und sich aktuell auch in Österreich deutlich ausbreitet. Die invasive Amerikanische Rebzikade (ARZ) ist der Hauptvektor, eine Art "Superspreader" der die Krankheit von Weinrebe zu Weinrebe überträgt. Angesichts der eingeschränkten Bekämpfbarkeit der Krankheit selbst gewinnt eine präzise, frühzeitige Erkennung und die Vektorkontrolle zentrale Bedeutung für den Schutz des österreichischen Weinbaus. Ziel des Projekts ist die Bereitstellung KI-gestützter Erkennungstools für FD und die ARZ, um Pflanzenschutzdienste und Winzer:innen bei Überwachung, Monitoring und Bekämpfung wirksam zu unterstützen.

Projektbeschreibung

Aufgrund des vermehrten Auftretens sowohl der Krankheit Flavescence dorée (Goldgelbe Vergilbung) als auch ihres Vektors im Jahr 2025 hat sich der Überwachungsaufwand deutlich erhöht. Bei Weingartenbegehungen entnehmen die regionalen Pflanzenschutzdienste amtliche Proben von symptomatischen Rebstöcken. Das Monitoring adulter Amerikanischer Rebzikaden erfolgt derzeit über gelbe Klebefallen, deren Fänge von Expert:innen mikroskopisch ausgewertet werden. Beide Formen der Überwachung sind äußerst zeit- und ressourcenintensiv. Auch für Winzer:innen ist die Bekämpfung der Krankheit (Markierung und Rodung symptomatischer Rebstöcke) und dessen Vektor sehr aufwendig.

Ziel des Projekts ist die Evaluierung bestehender KI-gestützter Erkennungstools bzw. die Entwicklung neuer Tools und deren praxisnahe Implementierung, um Pflanzenschutzdienste und Winzer:innen bei Überwachung, Monitoring und Bekämpfung wirksam zu unterstützen.

Drohnen-Luftbilddaten aus Risikogebieten werden genutzt, um bestehende KI-basierte Auswertesysteme hinsichtlich Einsatzfähigkeit, Robustheit sowie Ortungs- und Detektionsgenauigkeit unter unterschiedlichen topografischen Bedingungen zu vergleichen. Grundlage für eine zielgerichtete Überwachung bildet eine statistische Risikomodellierung österreichischer Weinbaugebiete, die besonders gefährdete Flächen identifiziert und damit den effizienten Einsatz der Monitoringmaßnahmen unterstützt. Zusätzlich soll ein Drohnenpilotenteam in Niederösterreich, Burgenland und Steiermark für einen nachhaltigen Einsatz etabliert und geschult werden. Dieses Verfahren soll zur Früherkennung von Befallsherden in einer Region bzw. einer Weingartenfläche genutzt werden.

Für die praktische Anwendung direkt im Weingarten wird ein bodengebundenes, traktorbasiertes Bildaufnahmesystem mit KI-gestützter Open-Source-Software entwickelt, das eine Echtzeit-Erkennung während regulärer Bewirtschaftungsfahrten ermöglicht. Eine weitere KI-Anwendung zur automatisierten Erkennung adulter Amerikanischen Rebzikaden auf Klebetafeln reduziert den Analyseaufwand erheblich und erweitert das Monitoring auch auf Betriebsebene.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Wissenstransfer in die Praxis. Durch Schulungen, Informationsmaterialien und digitale Kommunikationsformate werden Winzer:innen, Beratungsdienste und Behörden bei der Erkennung von Symptomen sowie bei der Umsetzung wirksamer Bekämpfungsmaßnahmen unterstützt.

Nutzen des Projekts

Durch den kombinierten Einsatz von KI-gestützter Erkennung, Risikomodellierung und praxisnahen Anwendungen können Monitoring-Ressourcen gezielt eingesetzt und Überwachungsmaßnahmen effizienter gestaltet werden. Gleichzeitig werden Pflanzenschutzdienste bei der Früherkennung von Befallsherden unterstützt und Winzer:innen erhalten neue Werkzeuge für das Monitoring und die Bekämpfung von Krankheit und Vektor. Durch die enge Zusammenarbeit mit Behörden, Forschungseinrichtungen und der weinbaulichen Praxis werden die entwickelten Lösungen langfristig nutzbar gemacht und direkt in die Anwendung überführt. Das Projekt leistet damit einen wesentlichen Beitrag zur nachhaltigen Eindämmung von FD in Österreich.

Projektdetails

Projekttitel: Entwicklung risikobasierter Strategien zur Eindämmung der epidemischen Ausbreitung von Flavescence dorée (FD) bei Weinreben und ihres Überträgers, der Amerikanischen Rebzikade (Scaphoideus titanus)

Projektakronym: RISAF

Projektleitung: AGES, Helga Reisenzein

Projektpartner: Regionale Pflanzenschutzbehörden (NÖ, Burgenland, Steiermark und Wien); Joanneum Research - Graz; Fachhochschule Wiener Neustadt in Kooperation mit Josephinum Research - Wieselburg; LK Technik Mold; HBLA-Klosterneuburg; Versuchsstation für Pflanzenbau der Steir. landwirtschaftlichen Fachschulen; Universität Salzburg, Fachbereich Geoinformatik

Finanzierung: Dafne-BBK-Projekt: Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK) gemeinsam mit den Bundesländern Niederösterreich, Burgenland und Steiermark.

Projektlaufzeit: 07/2026 - 07/2029

Dieses Projekt wird im Rahmen des Ressortforschungsprogramms über dafne.at mit Mitteln des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft finanziert. Das BMLUK unterstützt angewandte, problemorientierte und praxisnahe Forschung im Kompetenzbereich des Ressorts.

Aktualisiert: 17.09.2026

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