Ein von WHO/Europa gerade veröffentlichtes praktisches Instrument soll den Ländern dabei helfen, die Qualität der psychischen Gesundheitsversorgung von Kindern und Jugendlichen in der gesamten Europäischen Region der WHO zu verbessern und dabei anhaltende Defizite in Bezug auf Zugang, Einheitlichkeit und Rechenschaftslegung zu beheben.
Das "Klinische Kontrollinstrument zur Verbesserung der Qualität der psychischen Gesundheitsversorgung von Kindern und Jugendlichen" bietet den Ländern einen strukturierten Ansatz zur Bewertung und Verbesserung der Versorgung und unterstützt die Bestrebungen, Kinder und Jugendliche mit psychischen Gesundheitsbedürfnissen zeitnah, qualitativ hochwertig und bedarfsgerecht zu unterstützen.
Warum die psychische Gesundheitsversorgung von Kindern und Jugendlichen nach wie vor qualitative Defizite aufweist
Die psychische Gesundheit ist ein wesentlicher Bestandteil des allgemeinen Wohlbefindens und der Gesundheit und hat prägenden Einfluss darauf, wie junge Menschen lernen, Beziehungen aufbauen und sich in ihre Gemeinschaften einbringen. Dennoch leidet in der gesamten Europäischen Region nach Schätzungen ein Siebtel aller Kinder und Jugendlichen an einer psychischen Erkrankung, und zu viele von ihnen erhalten weiterhin keine angemessene Unterstützung.
"Hinter jeder Zahl steht ein junger Mensch mit Hoffnungen, Talenten und Potenzial", sagte João Breda, Leiter des Büros der WHO für Versorgungsqualität und Patientensicherheit. "Gesundheit und Wohlstand unserer Gesellschaften in Zukunft hängen davon ab, wie gut wir auf die psychischen Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen und auf ihr Recht auf eine hochwertige Versorgung eingehen."
Die Verbesserung der Qualität der psychischen Gesundheitsversorgung von Kindern und Jugendlichen ist eine Priorität im Rahmen des Zweiten Europäischen Arbeitsprogramms 2026-2030 und der Strategie der WHO und des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen (UNICEF) zur Förderung der Gesundheit und des Wohlbefindens von Kindern und Jugendlichen in der Europäischen Region der WHO. Trotz der verstärkten Aufmerksamkeit auf politischer Ebene bestehen weiterhin erhebliche Lücken.
Die Angebote im Bereich der psychischen Gesundheit sind nach wie vor ungleich verteilt und liegen allzu oft im stationären Bereich anstatt in den Gemeinden, in denen junge Menschen leben, lernen und spielen. In vielen Ländern fehlen nach wie vor gezielte Konzepte, Ressourcen und die nötige fachliche Kompetenz, aber auch solide Qualitätssicherungsmechanismen, um Verbesserungen voranzutreiben.
Qualitätsverbesserung durch klinische Kontrollen
Das neue Instrument baut auf den Qualitätsnormen der WHO für Angebote der psychischen Gesundheitsversorgung von Kindern und Jugendlichen auf, die vom Büro der WHO für Versorgungsqualität und Patientensicherheit in Zusammenarbeit mit dem Programm für psychische Gesundheit und Wohlbefinden entwickelt wurden. Während in den Normen festgelegt wird, wie eine gute Versorgung aussehen sollte, konzentriert sich dieses Instrument darauf, wie sich in der Praxis messbare Verbesserungen erzielen lassen.
Die klinische Kontrolle beinhaltet eine strukturierte Methode, um die aktuelle Praxis anhand vereinbarter Normen zu überprüfen, Lücken zu ermitteln, Veränderungen umzusetzen und über Fortschritte zu wachen. Sie unterstützt Leistungsanbieter dabei, Daten und Rückmeldungen zu nutzen, um Entscheidungen zu treffen und im Laufe der Zeit zu besseren Ergebnissen zu gelangen.
Durch die Stärkung der klinischen Kontroll- und Qualitätsverbesserungsprozesse soll das neue Instrument die Länder dabei unterstützen, ihre Verpflichtungen in konkrete Maßnahmen umzusetzen.
"Eine Umgestaltung der Psychiatriesysteme kann nur dann gelingen, wenn die Qualität der Versorgung von Kindern und Jugendlichen an erster Stelle steht. Dies erfordert Führungskompetenz und langfristige Investitionen in die psychische Gesundheit, aber auch eine enge Zusammenarbeit mit Personen mit gelebter Erfahrung, die diese Angebote nutzen. Es bedeutet auch, dass wir Systeme brauchen, die messen, was für die psychische Gesundheit wirklich wichtig ist, und die diese Erkenntnisse gezielt nutzen, um die Versorgung zu verbessern", sagte Ledia Lazeri, Regionalbeauftragte für psychische Gesundheit bei WHO/Europa.