01/15/2026 | Press release | Distributed by Public on 01/15/2026 06:31
Im Alter von 102 Jahren ist der französische Buchenwald-Überlebende und Ehrenbürger der Stadt Weimar, Raymond Renaud, am 14. Januar verstorben. Dies teilte das Internationale Komitee Buchenwald-Dora in Paris mit.
Raymond Renaud war einer jener Überlebenden, die trotz ihres hohen Alters bis zuletzt regelmäßig nach Weimar reisten, um zu erinnern, zu mahnen und mit jungen Menschen ins Gespräch zu kommen. In den vergangenen zwanzig Jahren arbeitete Raymond Renaud regelmäßig in Schulen mit Jugendlichen und legte Zeugnis von seinem Leben ab.
"Raymond Renaud hat uns gezeigt, dass Erinnerung warm, menschlich und zugewandt sein kann. Trotz all dessen, was ihm in Buchenwald angetan wurde, blieb er ein lebensfroher, humorvoller und gütiger Mensch, der anderen Mut gemacht hat", würdigte Oberbürgermeister Peter Kleine den Verstorbenen. "Sein Tod reißt eine große Lücke. Aber was er uns hinterlässt, seine Haltung, seine Herzlichkeit, seine Menschlichkeit, wird weitertragen. Dafür sind wir ihm zutiefst dankbar. Die Stadt Weimar verneigt sich in Dankbarkeit und Trauer vor Raymond Renaud. Sein Leben und sein Zeugnis bleiben Teil des moralischen Gedächtnisses dieser Stadt."
Raymond Renaud wurde am 13. Juli 1923 in Palinges (Saône-et-Loire) geboren. Während der deutschen Besetzung Frankreichs im Zweiten Weltkrieg wurde er mehrfach unter anderem wegen der Verteilung von Flugblättern verhaftet, im April 1943 zu 13 Monaten Gefängnis verurteilt und im September 1943 nach Buchenwald deportiert. Dort erhielt er die Häftlingsnummer 21448 und musste zunächst schwerste Erd- und Rodungsarbeiten leisten.
Im Lager erfuhr er am 22. Februar 1944 von französischen Deportierten, die aus Auschwitz überstellt worden waren, vom Tod seines Vaters (KLA 46047), der dorthin deportiert worden war. Nach der Quarantäne im Kleinen Lager wurde Raymond Renaud in den Block 40 des Großen Lagers verlegt. Er arbeitete im Gustloff-Werk II und wurde Mitglied der Widerstandsbrigade Française d'Action Libératrice.
Am 11. April 1945 wurde er befreit und kehrte am 17. Mai 1945 in seine Heimatstadt zurück. Die in Buchenwald erlittenen gesundheitlichen Schäden verhinderten dem gelernten Möbeltischler die Ausübung seines Berufes. Er arbeitete jahrzehntelang als Landpostbote in seiner Heimat.
Raymond Renaud war Ritter der Französischen Ehrenlegion. Der Stadtrat der Stadt Weimar ernannte ihn 2022 zum Ehrenbürger der Stadt. Bis kurz vor seinem Tod lebte er in seinem Haus in Palinges.