06/17/2026 | News release | Distributed by Public on 06/17/2026 08:51
Der 6. Data Center Expert Summit 2026 am 10. und 11. Juni in der area3 in Dreieich brachte Expert:innen aus Rechenzentrumswirtschaft, Energie, Planung, Netzinfrastruktur, Politik und Verwaltung zusammen. Im Mittelpunkt standen zentrale Fragen zur Weiterentwicklung digitaler Infrastrukturen: Wie lässt sich der steigende Kapazitätsbedarf finanzieren und beschleunigen? Welche Rolle spielen neue Standorte jenseits der etablierten Märkte? Und wie können Rechenzentren resilienter, nachhaltiger und stärker in Energie- und Wärmesysteme integriert werden?
Markthochlauf und Infrastrukturbedarf
Ein zentrales Thema war der wachsende Bedarf an Rechenzentrumsleistung im Gigawatt-Maßstab, insbesondere durch KI-Anwendungen und datenintensive Workloads. Diskutiert wurden Finanzierungsmodelle wie REITs, Private Equity oder Bootstrapping sowie die Frage, welche regulatorischen und infrastrukturellen Voraussetzungen für einen schnelleren Ausbau digitaler Infrastrukturen notwendig sind.
Dabei rückten auch neue Verfahren und Instrumente in den Fokus, etwa das Reifegrad-Verfahren als Alternative zum Windhund-Verfahren sowie Flexible Netzanschlussvereinbarungen. Beide Ansätze können dazu beitragen, Netzanbindung, Planungssicherheit und Ausbaugeschwindigkeit besser miteinander zu verbinden. Zugleich wurde deutlich, dass künftige Leistungsdichten und neue technische Anforderungen, etwa 800-Volt-Gleichstrom-Versorgungen, Planung und Betrieb von Rechenzentren erheblich verändern werden.
Standortentwicklung und regionale Ökosysteme
Am Beispiel Hessen zeigte sich, wie eng Standortpolitik, Energieversorgung, kommunale Planung und wirtschaftliche Entwicklung inzwischen beim Ausbau digitaler Infrastrukturen miteinander verbunden sind. Die hessischen Leitplanken für Rechenzentren sowie Projekte zur Nutzung von Serverabwärme, etwa für Wohnquartiere in Dietzenbach, verdeutlichen diese Entwicklung.
Auch neue Rechenzentrumsregionen jenseits der klassischen FLAPD-Standorte standen im Fokus. Dabei wurde deutlich: Die Standortentscheidung folgt zunehmend der Verfügbarkeit von Energie, Glasfaser, Flächen, Planungssicherheit und regionaler Akzeptanz. Beispiele aus dem Berliner Umland, dem rheinischen Strukturwandel-Gebiet und Österreich zeigten, wie neue digitale Knotenpunkte entstehen können. Das Projekt ALPSiX in Kärnten wurde dabei als Beispiel für eine regionale digitale Drehscheibe mit verbesserter Konnektivität nach Südeuropa diskutiert.
Resilienz, Sicherheit und digitale Souveränität
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Resilienz digitaler Netze. Vor dem Hintergrund wachsender Cyber-Bedrohungen, geopolitischer Unsicherheiten und neuer regulatorischer Anforderungen wurden NIS-2, DORA, Lieferkettensicherheit und technische Schutzmechanismen diskutiert.
Themen wie Advanced Blackholing, kryptografische Routing-Validierung über RPKI und die Vorbereitung auf den sogenannten Q-Day machten deutlich, dass Sicherheit künftig stärker Ende-zu-Ende gedacht werden muss. Digitale Souveränität beginnt dabei nicht erst bei Anwendungen oder Daten, sondern bereits bei der physischen Infrastruktur und der Kontrolle über Netze, Standorte und Lieferketten.
Rechenzentren im Energie- und Wärmesystem
Die Rolle von Rechenzentren in der Energiewende war ein weiterer Schwerpunkt. Diskutiert wurden Ansätze zur Sektorenkopplung, zur Nutzung von Abwärme und zur Flexibilisierung von Rechenzentren als aktive Bestandteile lokaler Energiesysteme.
Forschungsprojekte wie DC2HEAT und ENIPRO zeigten, wie KI-gestützte Optimierung, Digital Twins und intelligente Wärmenetze dazu beitragen können, Abwärmeströme besser nutzbar zu machen. Gleichzeitig wurden Praxisansätze wie Rechenzentren in direkter Verbindung mit Windkraftanlagen oder grüne Wasserstoff-Brennstoffzellen als Alternative zu Diesel-Aggregaten vorgestellt.
Rechtliche Rahmenbedingungen und Austausch
Bereits am Vortag setzte die eco Data Center Legal Masterclass einen fachlichen Auftakt. Im Mittelpunkt standen rechtliche, regulatorische und genehmigungsbezogene Fragen rund um Rechenzentrumsstandorte. Damit griff die Masterclass ein Thema auf, das sich auch durch den Summit zog: Der Ausbau digitaler Infrastrukturen benötigt neben technologischer Innovation auch rechtliche Klarheit, verlässliche Verfahren und abgestimmte energie- und standortpolitische Rahmenbedingungen.
DCES 2026: Rechenzentren im Fokus
Ein besonderer Moment des Summits war zudem die Würdigung von Dr. Béla Waldhauser, der die eco Kompetenzgruppe Datacenter seit 2009 geleitet und über viele Jahre maßgeblich geprägt hat. Als Experte, Brückenbauer und kompetenter Ansprechpartner für die Community hat er den Austausch innerhalb des Rechenzentrumssektors gestärkt und sich für mehr Sichtbarkeit digitaler Infrastrukturen in Gesellschaft und Politik eingesetzt. Zugleich wurde die neue Leitung der KG Datacenter vorgestellt: Künftig übernehmen Joachim Astel, Jens Leuchters, Anne Omar und Martin Zunken gemeinsam die Leitung der Kompetenzgruppe. Das neue Leitungsteam bringt Perspektiven aus Konnektivität, Betrieb, physischer Sicherheit sowie Standort- und Immobilienplanung ein und führt die Arbeit der KG Datacenter fachlich breit aufgestellt fort.
Der Data Center Expert Summit 2026 machte deutlich, dass die Weiterentwicklung digitaler Infrastrukturen zunehmend an der Schnittstelle von Energie, Regulierung, Standortentwicklung, Sicherheit und Technologie stattfindet. Rechenzentren sind nicht mehr nur technische Einzelstandorte, sondern Teil regionaler Ökosysteme, kritischer Netze und kommunaler Energie- und Wärmesysteme. Ergänzt wurde das Programm durch den Data Center Award, der Projekte und Ansätze aus dem Rechenzentrumssektor sichtbar machte. Auch der persönliche Austausch spielte eine wichtige Rolle: Die area3 in Dreieich bot mit zahlreichen Networkingmöglichkeiten, hochwertigem Catering und Live-Musik einen passenden Rahmen für fachliche Gespräche über die Veranstaltung hinaus.
Für die weitere Entwicklung des Sektors wird entscheidend sein, wie gut es gelingt, Investitionen, Planungssicherheit, regulatorische Vorgaben und infrastrukturelle Voraussetzungen miteinander zu verbinden. Der DCES 2026 hat dafür wichtige fachliche Impulse gesetzt und zugleich gezeigt, wie wertvoll der kontinuierliche Austausch innerhalb der Branche bleibt. eco dankt den starken Partnern ABB, Fieldfisher, Huawei, Robert C. Spies, Vertiv, Allianz zur Stärkung digitaler Infrastrukturen, Amphenol Sachsenkabel, Cooltec Systems, Global Switch, noris network, NorthC Datacenters, Penta Infra sowie den Mdien- und Netzwerkpartnern BREKO Bundesverband Breitbandkommunikation, Datacenter-Insider, it-daily.net, Tech Show Frankfurt und VIRZ für die Zusammenarbeit.
Alle Informationen zum Programm gibt es hier. Die Fotos zum eco Data Center Award finden Sie hier. Die Bilder vom DCES 2026 gibt es hier.