04/02/2026 | Press release | Distributed by Public on 04/02/2026 04:04
Spätestens seit dem großflächigen IT-Ausfall im Juli 2024, bei dem Windows-Rechner weltweit abstürzten und Flughäfen, Banken, Krankenhäuser und Unternehmen lahmlegten, wird viel über die Abhängigkeit von großen Tech-Unternehmen diskutiert. Diese betrifft aber längst nicht nur Behörden, Wirtschaft und öffentliche Einrichtungen, sondern auch die Zivilgesellschaft. Unser (Arbeits-)Alltag wird bestimmt von digitalen Anwendungen, die meist in den Händen ausländischer Unternehmen liegen. Microsoft, Google, Android, iOS/Apple, Facebook/Meta - sie alle haben sich seit Jahren etabliert und sind (vermeintlich) nicht mehr wegzudenken. Diese Abhängigkeit ist jedoch nicht ohne Risiko, egal ob es um die Speicherung personenbezogener Daten, stetig steigende Lizenzgebühren oder gar die Erpressbarkeit in Zeiten geopolitischer Spannungen geht.
Digitale Souveränität bezeichnet die Fähigkeit von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft, digitale Technologien, Infrastrukturen und Daten selbstbestimmt, sicher und unabhängig nutzen und gestalten zu können. Hier setzt das Bundesförderprogramm "Modellprojekte Smart Cities" an, zu dem seit November 2020 auch Bamberg gehört. Ziel ist, lizenzkostenfrei und unabhängig von Großkonzernen, digitale Lösungen zu entwickeln, die alle Kommunen bei sich einsetzen können. Anstatt kommerzielle Software einzukaufen, werden die Lösungen als Open-Source-Software entwickelt. Das bedeutet, dass der Code einer Software öffentlich bereitgestellt wird, wodurch andere ihn nutzen oder auch weiterentwickeln können. So sind Kommunen in der Lage, ihre digitalen Anwendungen selbst zu betreiben, zu steuern und gemeinwohlorientiert einzusetzen.
Das Programm Smart City der Stadt Bamberg setzt bei der Entwicklung seiner Anwendungen bewusst auf digitale Souveränität. "Digitale Souveränität heißt für mich: Wir sitzen selbst am Steuer unserer digitalen Infrastruktur und niemand kann uns von außen plötzlich die Richtung vorgeben", erklärt Franz Schäfer, der als Datenarchitekt die technische Infrastruktur in ihren Gesamtzusammenhängen betreut. "So stärkt die Stadt ihre Handlungsfähigkeit und sorgt dafür, dass wichtige digitale Angebote auch dann zuverlässig funktionieren, wenn es mal anderswo hakt."
Beispielsweise schafft eine städtische Datenplattform eine sichere Basis für eine effizientere Verwaltung, in der Datenflüsse zwischen den Fachämtern optimiert und Prozesse beschleunigt werden. Die Engagement-Plattform "Bamberg-Miteinander.de" wiederum bietet Vereinen und Initiativen eine geschützte Arbeitsumgebung, fernab von werbefinanzierten sozialen Netzwerken, Messenger- und Cloud-Diensten. Und auch das Ferienportal des Jugendamtes wurde im Rahmen von Smart City Bamberg neu aufgesetzt, sodass es nun von Stadt und Landkreis Bamberg anbieterunabhängig betrieben werden kann.
Um zu prüfen, wie es um die digitale Souveränität der Bamberger Anwendungen steht, kam kürzlich ein Bewertungsinstrument der Technischen Universität München zum Einsatz. Geprüft wurden dabei Aspekte wie Monopolisierung, Quelloffenheit, standardisierte Dateiformate und Schnittstellen, Rechtsstandort und Datenhoheit. Mit überaus positivem Ergebnis, erreichten alle der geprüften Anwendungen Bestnoten bei den Souveränitätswerten. So wird Bamberg für alle ein gutes Stück sicherer und unabhängiger.