11/03/2026 | Press release | Distributed by Public on 11/03/2026 05:17
Knapp zwei Drittel der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zwischen 18 und 50 Jahren ohne aktuelle betriebliche Altersversorgung (bAV) können sich vorstellen, eine Betriebsrente abzuschließen. Doch bei vielen kommt kein Angebot an. 53 Prozent der Beschäftigten ohne bAV gehen davon aus, dass ihr Arbeitgeber keine Betriebsrente anbietet. Weitere 18 Prozent sind sich nicht sicher. Das zeigt eine YouGov-Befragung im Auftrag des GDV.
Dabei haben Beschäftigte grundsätzlich einen gesetzlichen Anspruch auf eine Betriebsrente durch Entgeltumwandlung. Fast acht von zehn Befragten wünschen sich, dass ihr Arbeitgeber aktiv auf sie zugeht oder sie automatisch einbezieht.
"Wir sehen eine erhebliche Lücke zwischen dem Interesse an einer Betriebsrente und den Angeboten, die Beschäftigte in ihren Betrieben vorfinden. Wenn 71 Prozent der Beschäftigten ohne Betriebsrente kein entsprechendes Angebot ihres Arbeitgebers kennen, zeigt das, wie viel Potenzial noch ungenutzt bleibt", sagt Moritz Schumann, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des GDV. "Eine Betriebsrente darf nicht daran scheitern, dass ein Unternehmen keine eigene Personalabteilung hat. Der Einstieg muss dort vereinfacht werden, wo die Betriebsrente bisher selten angeboten wird."
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Nach Zahlen des Bundesarbeitsministeriums hatten 2023 insgesamt 52 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten eine aktive Anwartschaft auf eine Betriebsrente. In Betrieben mit mindestens 1.000 Beschäftigten waren es 86 Prozent, in Betrieben mit weniger als zehn Beschäftigten nur 25 Prozent. Wer eine Betriebsrente hat, schätzt sie. In der YouGov-Befragung sind 80 Prozent der Beschäftigten mit Betriebsrente zufrieden damit, dass ihr Arbeitgeber sie organisiert und mitfinanziert, 41 Prozent sogar sehr zufrieden.
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"Die Betriebsrente ist ein wichtiger Hebel, um mehr Menschen zusätzlich zur gesetzlichen Rente abzusichern. Ihr Potenzial ist längst nicht ausgeschöpft", sagt Schumann. "Derzeit ist die Betriebsrente noch zu oft ein Privileg für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in großen Unternehmen. Das muss sich ändern."
Für eine stärkere Verbreitung kommt es deshalb auch darauf an, wie Beschäftigte angesprochen werden. Laut der aktuellen YouGov-Befragung finden 45 Prozent aller befragten Angestellten, Arbeitgeber sollten sie aktiv auf eine Betriebsrente ansprechen und ihnen ein Angebot machen. Weitere 34 Prozent bevorzugen einen automatischen Einbezug mit der Möglichkeit zu widersprechen.
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Für kleinere Unternehmen ist die Einführung einer Betriebsrente mit Entscheidungen verbunden, die nicht zu ihrem Tagesgeschäft gehören. Sie müssen ein Angebot auswählen, Beiträge abwickeln und sich mit Fragen der Haftung und des späteren Arbeitgeberwechsels befassen. Hier setzt der GDV-Vorschlag für ein standardisiertes bAV-Basisprodukt an. Es ist als Direktversicherung konzipiert und soll sich mit einheitlichen, anbieterunabhängigen Abläufen sowie einer zentralen Schnittstelle einfach verwalten lassen. Die Versicherer würden damit die zugesagten Leistungen übernehmen und Arbeitgeber von Haftungs- und Nachschussrisiken weitgehend entlasten.
Das Produkt kann mit einer automatischen Entgeltumwandlung verbunden werden, der die Beschäftigten widersprechen können. Vorgesehen sind eine Garantie von 80 Prozent der eingezahlten Beiträge und eine lebenslange Leistung als Regelfall. Die abgesenkte Garantie soll mehr Spielraum für eine renditeorientierte Kapitalanlage schaffen, ohne auf eine Mindestabsicherung zu verzichten.
Damit ein Angebot angenommen wird, muss es für die Beschäftigten attraktiv sein. Für 55 Prozent der Befragten würde ein höherer finanzieller Zuschuss ihres Arbeitgebers den Abschluss einer Betriebsrente attraktiver machen. Für 48 Prozent würde eine einfache Mitnahme beim Arbeitgeberwechsel den Abschluss attraktiver machen. Für 41 Prozent wäre ein einfaches, leicht verständliches Produkt ein Anreiz.
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Gerade beim Arbeitgeberwechsel zeigt sich, wie wichtig eine unkomplizierte Fortführung ist. Von den Befragten, die bei einem früheren Arbeitgeber bereits eine Betriebsrente hatten, berichten 43 Prozent, dass diese nach dem Wechsel zwar weiterhin besteht, aber keine Beiträge mehr eingezahlt werden. "An dieser Stelle geht sehr viel Potenzial für die Versorgung im Alter verloren", sagt Schumann. "Ein Arbeitgeberwechsel darf nicht zum Sparstopp bei der Betriebsrente werden."
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Das vom GDV vorgeschlagene Basisprodukt soll deshalb auch die Mitnahme zum nächsten Arbeitgeber erleichtern. Die standardisierte Gestaltung und einheitliche Abläufe sollen helfen, die Vorsorge beim Wechsel des Arbeitsplatzes unkompliziert fortzuführen.
Tarifliche Lösungen bleiben ein wichtiger Weg, um Betriebsrenten zu verbreiten. Sie erreichen jedoch nicht alle Beschäftigten. Von den Befragten, die nicht nach Tarifvertrag bezahlt werden, vertrauen 55 Prozent wenig oder gar nicht darauf, dass Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände für ihre Absicherung durch eine Betriebsrente sorgen. Das vom GDV vorgeschlagene Basisprodukt soll bestehende tarifliche Lösungen deshalb ergänzen und insbesondere Betrieben ohne eine solche Lösung den Einstieg erleichtern.
Die Rentenkommission hat empfohlen, die betriebliche Altersversorgung gerade in bisher unterversorgten Bereichen stärker zu verbreiten und dazu einen Sozialpartnerdialog zu führen. Die Umfrage zeigt, wo dieser ansetzen kann. Beschäftigte brauchen ein erreichbares Angebot, attraktive Beiträge und eine Betriebsrente, die sich auch bei einem Wechsel des Arbeitgebers unkompliziert fortführen lässt.
Zur Umfrage: Die Daten dieser Befragung basieren auf Online-Interviews mit Mitgliedern des YouGov Panels, die der Teilnahme vorab zugestimmt haben. Für die Befragung wurden vom 18. bis 23. September 2026 insgesamt 2.141 Personen im Alter von 18 bis 50 Jahren befragt, darunter 1.544 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer (ohne Freiberufler, Selbstständige, Beamte und Minijobber). Die Ausgangsstichprobe wurde nach Alter, Geschlecht und Region quotiert und die Ergebnisse anschließend gewichtet. Sie sind repräsentativ für die Wohnbevölkerung in Deutschland zwischen 18 und 50 Jahren.