02/05/2026 | Press release | Distributed by Public on 02/05/2026 10:18
In Katar, der zweiten Station seiner Reise an den Golf, hat Bundeskanzler Friedrich Merz Scheich Tamim bin Hamad Al-Thani zu Gesprächen getroffen. Mit Katar pflege Deutschland eine sehr starke Zusammenarbeit, nicht nur wirtschaftlich.
Das Land mit ungefähr drei Millionen Einwohnern spiele aber auch politisch eine wichtige Rolle, so der Kanzler. Der Emir habe sich immer wieder als Vermittler bewiesen und eine sehr konstruktive Rolle gespielt. Er werde im Juli einer Einladung von Bundeskanzler Merz folgen und zu einem offiziellen Besuch nach Berlin kommen.
Das Wichtigste in Kürze:
Sehen Sie hier die Pressekonferenz im Video:
Lesen Sie hier die Mitschrift des Pressestatements:
Bundeskanzler Friedrich Merz:
Herzlich willkommen von meiner Seite zu einer kurzen Zwischenbilanz meines Besuches in den Golfstaaten!
Ich bin heute hier in Doha, wie Sie wissen, als zweiter Station. Wir haben sehr gute Gespräche mit der Regierung, mit dem Ministerpräsidenten und mit dem Emir von Katar geführt, mit Emir al-Thani, der mit mir sehr offen auch über die Lage in der gesamten Region gesprochen hat. Wir haben uns intensiv über die bilateralen Beziehungen ausgetauscht. Ich habe ihm erläutert, dass wir in der Europäischen Union darum bemüht sind, auch neue strategische Partnerschaften zu finden, zu stabilisieren, weiterzuentwickeln. Das gilt auch für Deutschland.
Das gilt auch für unsere ohnehin schon sehr starke Zusammenarbeit, die wir mit Katar ja bekanntlich haben. Katar ist an einer ganzen Reihe von Unternehmen in Deutschland beteiligt. Es ist ein sehr verlässlicher Partner.
Obwohl dieses Land nur ungefähr drei Millionen Einwohner hat, spielt es doch auch politisch eine wichtige Rolle. Der Emir von Katar hat sich auch immer wieder als Vermittler bewiesen und eine sehr konstruktive Rolle gespielt. Ich möchte ihm herzlich danken, auch für die Zusammenarbeit, die wir zwischen Deutschland und Katar bis in die letzten Wochen hinein gehabt haben. Ich will nur daran erinnern: Der erste Abschiebeflug nach Afghanistan, den wir als neue Regierung organisiert haben, ist von Katar, von Doha, hier von dieser Stadt aus verhandelt worden. Dafür will ich ganz herzlich danken.
Wir beziehen im Übrigen seit einigen Jahren Flüssiggas aus Katar. Das sind bisher rund zwei Millionen Tonnen im Jahr. Wir wollen das ausbauen, weil wir auf diese Art und Weise auch unsere Abhängigkeiten reduzieren und dafür sorgen, dass wir eine zuverlässige Energieversorgung in Deutschland haben.
Schließlich: Deutsche Firmen machen gute Geschäfte in Katar. Ich habe ja eine große Wirtschaftsdelegation dabei, die heute parallel zu meinen Begegnungen auch intensive Gespräche geführt hat, um die Zusammenarbeit der Unternehmen zu vertiefen.
Last, but not least: Wir sind hier in einem Museum. Es gibt eine sehr enge Zusammenarbeit zwischen dem Museum für Islamische Kunst in Berlin und Katar. Das ist eine Bereicherung für beide Seiten. Ich lege auf meinen Auslandsbesuchen immer wieder Wert darauf, dass wir im Sport und in der Kultur die Zusammenarbeit suchen und intensivieren, und ich bin sehr dankbar, dass das gelingt und dass ich hier auch auf die Zusammenarbeit zwischen diesem Museum, dem Museum für Islamische Kunst in Katar, und dem Museum für Islamische Kunst in Berlin aufbauen kann. Das ist eine gute Sache.
Schließlich: Ich habe den Emir von Katar eingeladen, nach Berlin zu kommen. Er wird im Juli einen offiziellen Besuch in Berlin machen. Ich freue mich sehr darüber, dass er die Einladung angenommen hat und dass wir auch auf diese Art und Weise zeigen, dass wir unsere Partnerschaft zwischen Katar und Deutschland vertiefen wollen.
Ein letztes Wort: Diese Region hier ist eine Region, die immer wieder auch nach politischer Stabilität sucht. Der Emir von Katar spielt dabei eine sehr wichtige Rolle. Gleichwohl ist in all meinen Gesprächen gestern und auch heute hier große Sorge über eine weitere Eskalation im Konflikt mit dem Iran zum Ausdruck gekommen. Die iranischen Luftangriffe vom letzten Juni sind hier noch sehr präsent, und wir alle haben diese Angriffe scharf verurteilt, auch ich im letzten Jahr. Ich will auch von dieser Seite aus die iranische Führung noch einmal aufrufen, jetzt wirklich in Gespräche einzutreten, die Aggressionen zu beenden, das Atomprogramm zu beenden, wie es international vereinbart ist, und vor allem Länder wie Katar, Jordanien und Israel von weiteren militärischen Bedrohungen zu verschonen. Es wäre gut, wenn dies in den nächsten Tagen auch mit der Beteiligung der amerikanischen Beauftragten für die Gespräche gelingen könnte. Ich will jedenfalls aus meiner Sicht jeden Beitrag zur Deeskalation leisten und mit diesen Ländern wie auch anderen dazu beitragen, dass wir Stabilität in der Region haben.
Der Emir von Katar, der Ministerpräsident, wir waren uns einig: Konflikte wie der Krieg in der Ukraine und wie der Konflikt in der Region betreffen uns alle. Sie betreffen auch Deutschland. Deswegen ist es wichtig, dass wir neben der guten wirtschaftlichen Zusammenarbeit auch die intensive politische Zusammenarbeit suchen, damit wir gemeinsam dafür sorgen können, dass Konflikte auf dieser Welt eingedämmt und möglichst auch beendet werden.
Vielen Dank.
Frage: Herr Bundeskanzler, ich möchte zu Iran nachfragen. Wie groß ist bei Ihren Gesprächspartnern die Sorge vor einem Krieg, der die ganze Region destabilisiert?
Der iranische Außenminister hat Sie heute einen widerwärtigen Charakter genannt. Glauben Sie, dass der Iran angesichts dieser Tonlage wirklich an einer Deeskalation interessiert ist?
Bundeskanzler Merz: Ich habe diesen Tweet gesehen. Ich kann nur sagen, dass das offensichtlich Ausdruck großer Nervosität und Unsicherheit ist. Die Sorge vor einer militärischen Eskalation in der Region ist groß. Die Gespräche werden deshalb in den nächsten Stunden intensiviert. Es wird auch Beauftragte der amerikanischen Regierung des amerikanischen Präsidenten geben, die in der Region unterwegs sind. Wir stimmen uns eng miteinander ab und wollen versuchen, auch unseren Beitrag dazu zu leisten. Wir sind ja auch Teil des E3-Formats. Wir sind zusammen mit Großbritannien und Frankreich auch diejenigen, die von den Vereinten Nationen damit beauftragt waren, das Sanktionsregime wieder in Kraft zu setzen, was wir im vergangenen Sommer getan haben.
Wir wollen einen Beitrag dazu leisten, dass der Iran aufhört, die destabilisierende Macht in der Region zu sein. Das ist der Wunsch, den ich auch in meinen Gesprächen wiedergefunden habe, auch mit den Gesprächspartnern gestern und ganz besonders heute.
Frage: Herr Bundeskanzler, haben Sie noch ein Resümee von Saudi-Arabien und Ihrem Treffen mit dem Kronprinzen?
Als zweite Frage: Haben Sie ein Resümee Ihrer ersten Golfreise als Kanzler insgesamt? - Beide Fragen getrennt voneinander!
Bundeskanzler Merz: Für ein Resümee ist es zu früh. Ich werde heute den Nachmittag und morgen den Tag noch in Abu Dhabi verbringen. Ich will auf dem Rückflug versuchen, ein erstes Resümee zu ziehen. Aber vielleicht kann ich so viel schon jetzt sagen:
Diese Region ist für uns in jeder Hinsicht äußerst interessant. Sie ist eine wichtige Region in der wirtschaftlichen Zusammenarbeit. Sie ist eine wichtige Region für die Energieversorgung. Sie ist eine wichtige Region in der Kooperation in Technologie. Sie ist eine Region, die auch dazu beitragen kann, dass unsere Welt ein bisschen sicherer wird. Deswegen such ich den Kontakt; deswegen suche ich die Gespräche, und deswegen habe ich Einladungen angenommen, in diesen Tagen in diese drei Länder zu reisen.
Zusatzfrage: Und zur ersten Frage?
Bundeskanzler Merz: Ich kann nur sagen: Es sind beeindruckende Persönlichkeiten, die ich hier treffe. Es sind beeindruckende und intensive Gespräche. Ich stelle immer wieder fest, dass Deutschland als ein extrem wichtiges Land in der internationalen Politik gesehen wird und dass zum Beispiel auch die Besuche von Außenminister Wadephul und Energie- und Wirtschaftsministerin Katherina Reiche - da wurde insbesondere über die Energiepolitik gesprochen - hier sehr aufmerksam und sehr wohlwollend begleitet werden. Ich habe sehr positive Rückmeldungen zu den Besuchen der Mitglieder der Bundesregierung in der Region in den letzten Wochen und Monaten bekommen. Ich möchte in der Zusammenarbeit mit den arabischen Staaten gern auf diesem Vertrauensfundament aufbauen.
Frage: Herr Bundeskanzler, wie ist die neue Linie der Regierung bei den Rüstungsexporten in die Region? Gelten dafür jetzt überhaupt keine Restriktionen mehr, oder werden wie auch bisher Menschenrechtsfragen weiterhin berücksichtigt?
Bundeskanzler Merz: Wir werden selbstverständlich auch in Zukunft im Einzelfall entscheiden. Bereits im vergangenen Sommer hat es in der Bundesregierung eine Lockerung gegeben. Wir haben die Restriktionen bei der Lieferung von Eurofightern gelockert. Das heißt aber nicht, dass wir jetzt völlig unkontrolliert alle Rüstungsgüter in alle Länder liefern würden. Es bleibt bei einer Einzelfallprüfung. Aber wenn wir zuverlässige Kooperationspartner sehen wie zum Beispiel heute hier in Katar und gestern in Saudi-Arabien, dann können sich diese Länder darauf verlassen, dass wir auch in der Rüstungszusammenarbeit etwas intensiver arbeiten als in den letzten Jahren. Das liegt im gegenseitigen Interesse. Denn wir wollen dafür sorgen, dass die Welt sicherer wird. Sie wird nur dann sicherer, wenn wir uns auch verteidigen können.
Zusatzfrage: Wird die Menschenrechtslage - - -
Bundeskanzler Merz: Darüber habe ich in allen Gesprächen gesprochen. Aber ich mache das hier nicht öffentlich, sondern ich spreche mit meinen Gesprächspartnern hinter verschlossenen Türen über diese Themen. Sie alle kennen meine Meinung dazu.
Frage: Herr Bundeskanzler, der Fall Khashoggi bewegt die Menschen in Deutschland, auch wenn er schon ein paar Jahre her ist. Haben Sie die Gelegenheit gehabt, das gegenüber Mohammed bin Salman anzusprechen, oder geht die Neuausrichtung gegenüber der Region so weit, dass das kein Thema mehr ist?
Bundeskanzler Merz: Noch einmal: Wir sprechen über die Themen, was Menschenrechte und auch andere Themen wie zum Beispiel dieses betrifft, aber wir machen das nicht öffentlich. Ich werde dazu öffentlich auch keine Stellungnahme abgeben. Das sind Themen, die in den Gesprächen hinter verschlossenen Türen eine Rolle spielen.
Vielen Dank.