08/28/2026 | News release | Distributed by Public on 08/28/2026 03:10
Der Netzanschluss wird für neue Rechenzentren und Erweiterungen zunehmend zu einer zentralen Planungsfrage. Flexible Netzanschlussvereinbarungen, kurz FCA, rücken dabei als ein möglicher Ansatz in den Fokus. Doch was bedeutet ein flexibler Anschluss für den tatsächlichen Betrieb eines Rechenzentrums und welche technischen Voraussetzungen braucht es, damit zugesagte Flexibilität verlässlich bereitgestellt werden kann? Im eco Interview mit Tobias Schreiner und Frederik Drewes, Gründer und Geschäftsführer der Loadwise GmbH, geht es um die praktische Umsetzung von FCA, Erfahrungen aus anderen europäischen Märkten und die Frage, wo die Flexibilitätspotenziale eines Rechenzentrums tatsächlich liegen.
In Frankfurt und Berlin, aber auch in vielen weiteren Regionen in Deutschland ist die verfügbare Anschlusskapazität bis Mitte der 2030er Jahre begrenzt und damit verschiebt sich die Standortfrage von der reinen Verfügbarkeit der Fläche auf das Netz. Was sich für Betreiber grundlegend ändert, ist eine Annahme, die jahrzehntelang selbstverständlich war: dass am Netzanschlusspunkt die volle bestellte Leistung rund um die Uhr gesichert bereitsteht. Mit flexiblen Netzanschlussvereinbarungen (FCAs) wird daraus künftig eine geteilte Größe, ein Teil der Leistung ist gesichert, ein weiterer Block kann vom Netz aus eingeschränkt werden. Die planungsrelevante Zahl ist dann nicht mehr die maximale Anschlussleistung, sondern der Anteil davon, den ein Standort wirklich zu jeder Stunde braucht.
Der Ausgangspunkt liegt bei den Betreibern und dort besteht heute noch Potenzial, die vorhandene Datengrundlage stärker zu nutzen. In Rechenzentren entstehen laufend Messwerte rund um Energie, Kälte und Notstrom, die zunehmend für weiterführende Auswertungen genutzt werden können. Auch eine Vorhersage des eigenen Stromverbrauchs für die nächsten Stunden und Tage bietet hier weiteres Potenzial. Mit einer solchen Vorhersage und einer Quantifizierung der eigenen Flexibilität, also der Frage, wie viel Leistung wie lange verschiebbar ist, lässt sich eine flexible Zusage gezielt und verlässlich steuern. Genau an diesen Punkten arbeiten wir bei Loadwise: an der Prognose des Standortverbrauchs und an der Quantifizierung der verfügbaren Flexibilität. Beides setzt in der Regel auf der vorhandenen Gebäudetechnik auf und braucht keine neue Hardware, künftig kommt die Kombination mit Batteriespeichern dazu.
Irland ist der härteste Fall. Die dortige Regulierungsbehörde hat im Dezember 2025 entschieden, dass neue Rechenzentren ab 10 MVA eigene Erzeugung oder Speicher am Standort oder in der Nähe nachweisen müssen, passend zur beantragten Anschlussleistung, und zusätzlich 80 Prozent ihres Jahresverbrauchs über neue Erneuerbaren-Projekte decken. In Belgien läuft es über den Anschluss selbst, dort vergibt der Netzbetreiber Fluvius seit diesem Jahr flexible Anschlussverträge und kann damit mehrere hundert wartende Betriebe ans Netz bringen, bevor der Netzausbau fertig ist. Daraus folgt für Deutschland zweierlei: Flexibilität am Anschluss ist keine deutsche Besonderheit, sondern ein Thema, das standortübergreifend mitgedacht werden muss. Auch in anderen Märkten entstehen verbindlichere Regelwerke oder vergleichbare Instrumente. Für die Standortattraktivität ist daher weniger das grundsätzliche Anspruchsniveau entscheidend als vielmehr, wie planbar, transparent und zügig die jeweiligen Verfahren ausgestaltet sind.
Das lässt sich nicht allgemein priorisieren. Wie viel ein Standort beitragen kann, hängt an seiner Konfiguration, also an Speicher bzw. USV-Anlagen, Notstromkapazität, lokaler Erzeugung und thermischer Trägheit. Und an der Bereitschaft des Betreibers, gezielt nachzurüsten, etwa mit einem Batteriespeicher. Wir arbeiten genau daran, dieses Potenzial pro Standort zu identifizieren und über Software erschließbar zu machen. Die Rechenlast selbst gehört aus unserer Sicht nicht dazu, jedenfalls nicht als tragende Quelle. Gerade in der Colocation gehört die Last dem Kunden und ist über SLAs zugesagt.
Es braucht einen operativen Rahmen, den Netzbetreiber und Rechenzentrumsbetreiber gemeinsam definieren und den gibt es heute nicht. Flexible Netzanschlussvereinbarungen werden im Einzelfall verhandelt, das ist für beide Seiten teuer und erzeugt Ergebnisse, die sich untereinander nicht vergleichen lassen. Wir würden uns standardisierte Vereinbarungen wünschen, dazu Transparenz über die verfügbare Netzkapazität mit örtlicher Auflösung, wie Belgien sie schon hat. Ebenso sollte es Anerkennung für nachgewiesene Anlagenflexibilität im Anschlussverfahren geben, statt sie nur als Abschaltrecht des Netzbetreibers zu behandeln. Umgekehrt heißt das für Betreiber, dass sie ihre Flexibilität messbar und prüfbar machen müssen.