Ministry for Economic Cooperation and Development of the Federal Republic of Germany

03/12/2026 | Press release | Distributed by Public on 03/12/2026 09:32

Keynote der Bundesentwicklungsministerin Reem Alabali Radovan zum Launch der Fachkräfteallianz „WE-Fair: Wirtschaft und Entwicklungspolitik für eine faire Fachkräftegewinnung“

12. März 2026 Keynoteder Bundesentwicklungsministerin Reem Alabali Radovan zum Launch der Fachkräfteallianz "WE-Fair: Wirtschaft und Entwicklungspolitik für eine faire Fachkräftegewinnung"

Es gilt das gesprochene Wort

Sehr geehrte Damen und Herren,
herzlich Willkommen im BMZ.

Wir haben ein gemeinsames Ziel: die internationale Fachkräftegewinnung nach Deutschland auf Touren zu bringen.

Dazu braucht es Sie alle: die deutsche Wirtschaft, die Verbände, die Kammern, die Gewerkschaften, die Diaspora-Verbände und Migrantenorganisationen, die anderen Ministerien und die Bildungs- und Integrationsanbieter.

Wir alle wollen, dass die Fachkräftegewinnung nach Deutschland besser gelingt. Daran arbeiten wir gemeinsam.

Wir alle wissen hier: Deutschland benötigt dringend Fachkräfte, die aus dem Ausland zu uns kommen. Wir alle kennen die Zahlen, die Prognosen sind eindeutig: Über 20 Prozent der Beschäftigten in Deutschland sind mindestens 55 Jahre alt und gehen in den nächsten zehn Jahren in Rente.

Noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik war der Anteil an Altersabgängen so hoch wie jetzt und in den nächsten Jahren. Deutschland benötigt in den nächsten zehn Jahren also mindestens 400.000 Personen pro Jahr, die zu uns in den Arbeitsmarkt wandern.

Als Bundesregierung entwickeln wir deshalb unsere Fachkräftestrategie weiter.

Wir fördern die Qualifizierung von Fachkräften in Deutschland. Arbeitsministerin Bärbel Bas spricht heute, parallel zu unserer Veranstaltung im Rolls-Royce-Werk in Berlin mit Akteuren aus der Region.

Und wir fördern faire Rekrutierung und qualifizierte Einwanderung.

Beides gehört zusammen, als Teil unserer Fachkräftestrategie.

Gerade die Länder des Globalen Südens(Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen), mit denen wir entwicklungspolitisch zusammenarbeiten, werden als Herkunftsländer für Fachkräfte immer wichtiger und interessanter.

Während unsere europäischen Nachbarn ähnliche Herausforderungen haben wie Deutschland was die Demographie angeht, ist in vielen Ländern des Globalen Südens - in Afrika oder in Asien - die Bevölkerung jung, oft gut ausgebildet und wächst immer weiter. Viele junge Menschen dort suchen auch nach Chancen außerhalb ihres Landes, auch auf dem deutschen Arbeitsmarkt.

Die Regierungen dieser Länder wünschen sich von uns als Bundesregierung, dass wir Möglichkeiten für die Fachkräftezuwanderung schaffen und stärken.

Auch die deutsche Wirtschaft erwartet seit langem bessere Rahmenbedingungen.

Deshalb gründen wir heute die Fachkräfteallianz zwischen Wirtschaft und Entwicklungspolitik.

Gemeinsam verpflichten wir uns Erstens, uns für faire Fachkräftegewinnung einzusetzen. Die Vermittlung muss nach transparenten Regeln erfolgen und kontrolliert werden. Die Bewerberinnen und Bewerber müssen vorher Informationen zu Arbeitsbedingungen, Löhnen und notwendigen Qualifikationen bekommen.

Zweitens: Wir verpflichten uns, Ausbildungsangebote zu schaffen, die die Menschen für Jobs in den Herkunftsländern und bei uns in Deutschland qualifizieren.

Drittens: Wir verpflichten uns, digitale Lösungen voranzutreiben, angefangen mit digitalen Beratungsangeboten bis hin zu administrativen Abläufen.

Und Viertens: Wir verpflichten uns, Kosten und Risiken zwischen den Akteuren aufzuteilen. Zum Beispiel durch neue Finanzierungsinstrumente. Damit potenzielle Fachkräfte Weiterbildungen oder Umzugskosten stemmen können. Und damit Arbeitgeber sich gegen Ausfallrisiken absichern können.

Unsere Zusammenarbeit mit den Herkunftsländern erfolgt partnerschaftlich, auf Augenhöhe. Wir legen Interessen nebeneinander. Und gehen gemeinsam so voran, dass auch alle Seiten profitieren.

Unsere Rolle als Entwicklungsministerium ist es, mit den Regierungen in den Herkunftsländern die Strukturen zu schaffen, die für Fachkräftegewinnung notwendig sind.

Ein Beispiel, wo es schon gut funktioniert, ist Viet Nam. In Viet Nam arbeiten wir über die GIZ mit dem dortigen Arbeitsministerium zusammen, um private Rekrutierungsfirmen kenntlich zu machen, die ethische Standards erfüllen. Und wir haben gemeinsam einen Ausbildungsgang aufgebaut. Die Hälfte der Absolventinnen und Absolventen dann kommt nach Deutschland, die andere Hälfte bleibt in Viet Nam mit einer guten Qualifizierung.

Tuyết Như Trần ist eine von denjenigen, die an dem Programm teilgenommen hat und wird gleich davon berichten. Herzlichen Dank für die Bereitschaft, hier heute davon zu erzählen.

Fachkräfte aus anderen Ländern aufzunehmen und willkommen zu heißen, im Betrieb, vor Ort - das erfordert häufig ein hohes Maß an persönlichem Engagement des Betriebs. Sie, lieber Herr Dr. Müller, sind als Vorgesetzter von Frau Trầns ein ausgezeichnetes Beispiel. Und auch Sie werden uns noch mehr von Ihren Erfahrungen berichten. Herzlichen Dank auch dafür.

Wir alle wissen: Diejenigen, die zu uns kommen, sind mehr als "nur" Arbeitskräfte. Es sind Menschen mit Familien. Menschen, die ankommen wollen, die Wohnungen brauchen, die Kinderbetreuung brauchen, die teilhaben wollen - und sollen.

Von Rekrutierung bis Integration: Wirtschaftsakteure haben entlang des gesamten Prozesses zur internationalen Fachkräftegewinnung eine entscheidende Rolle. Sie alle bringen jeweils ganz spezifische Expertisen mit.

Wenn wir unsere jeweiligen Stärken zusammenbringen, können wir Arbeitsmigration so gestalten, dass sie im Interesse aller ist: im Interesse der Menschen, die zu uns kommen wollen, im Interesse der Herkunftsländer und im Interesse Deutschlands und der deutschen Wirtschaft.

Bei der Zuwanderung nach Deutschland - und natürlich müssen wir auch darüber sprechen - hakt es noch an zu vielen Stellen. Lange Verfahren, bürokratische Hürden, hohe Sprachanforderungen, das Mismatch zwischen Angebot und Nachfrage - Sie alle kennen die Herausforderungen.

Für eine Reihe von ihnen sind bereits Lösungen entwickelt worden. Oft von Ihnen, unseren Allianzpartnern. Zum Beispiel wenn ein Bildungsanbieter hybride Sprachkurse anbietet, wenn eine Industrie- und Handelskammer an Ausbildungslehrplänen schon im Partnerland mitarbeitet, oder wenn ein StartupVermittlungsplattformen aufsetzt.

Als Allianzmitglieder tauschen wir uns aus, vernetzen uns und lernen voneinander. Und tragen damit diese Lösungen in die Breite.

Und wir werden gemeinsam weitere Ansätze entwickeln, die wirtschaftlich sinnvoll und fair für die Beteiligten sind.

Das werden wir mit der Allianz auch finanziell über unterschiedliche Programme fördern. Sie richten sich an deutsche Unternehmen, die entwicklungsorientiert Fachkräfte im Ausland rekrutieren. Dabei beteiligen sich Unternehmen und BMZ jeweils zur Hälfte.

Als Entwicklungsministerium bringen wir die Erfahrungen aus unserer wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit unseren Partnerländern in die Fachkräfteallianz mit ein.

Wir arbeiten Hand in Hand mit den anderen Ressorts, dem Arbeitsministerium, dem Wirtschaftsministerium, und natürlich auch dem Auswärtigen Amt.

Meine Damen und Herren, heute fällt hier der Startschuss. Jetzt sind wir alle gefragt, die Allianz zu einem Motor für Fachkräftesicherung zu machen. Damit sie Fahrt aufnimmt, müssen alle aufs Gaspedal drücken - dass das notwendig ist, zeigen uns die Zahlen. Bringen Sie sich ein. Teilen Sie Ihre Erfahrungen. Benennen Sie Ihre Bedarfe.

Ich freue mich auf den Launch heute. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit Ihnen allen - damit alle Seiten profitieren.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.

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