WHO - World Health Organization Regional Office for Europe

06/24/2026 | Press release | Distributed by Public on 06/24/2026 13:19

Neues Kooperationszentrum der WHO zur Bekämpfung von Lebererkrankungen in der Europäischen Region

Lebererkrankungen gehören zu den wenigen schweren nichtübertragbaren Krankheiten (NCD), die in der Europäischen Region der WHO nach wie vor auf dem Vormarsch sind, und ihre Prävalenz ist alarmierend. Denn sie sind für etwa 780 Todesfälle pro Tag verantwortlich, und die Kosten für die Gesundheitssysteme sind mit rund 55 Mrd. € pro Jahr enorm. Angesichts dieser Herausforderung haben die WHO, das Imperial College London und die European Association for the Study of the Liver (EASL) im Vereinigten Königreich das erste Kooperationszentrum der WHO ins Leben gerufen, das sich speziell mit Lebererkrankungen befasst.

"Bei fast allen anderen Haupttodesursachen in der Europäischen Region - Herzerkrankungen, die meisten Krebsarten - ist ein positiver Trend zu verzeichnen. Die Lebererkrankung nimmt dagegen eine ungünstige Entwicklung. Das sollte uns wirklich mehr beunruhigen. Leberzirrhose und Leberkrebs sind für etwa 3 % aller Todesfälle in unserer Region verantwortlich. Ihre Ursachen - Alkoholkonsum, ungesunde Ernährung, Virushepatitis - gehören zu den am besten vermeidbaren Risikofaktoren", sagte Dr. Hans Henri P. Kluge, WHO-Regionaldirektor für Europa.

Das neue WHO-Kooperationszentrum für steatotische Lebererkrankung wird die Infrastruktur bereitstellen, um dieses Wissen in konzeptionelle Maßnahmen umzusetzen. Es ist das erste Kooperationszentrum der WHO, das in Zusammenarbeit mit einem Ärzteverband eingerichtet wurde. Gestützt auf das umfangreiche klinische und wissenschaftliche Netzwerk der EASL wird das Zentrum als zentraler Mechanismus für die Umsetzung evidenzbasierter Gesundheitsdaten und globaler Verpflichtungen in nationale Maßnahmen dienen.

Eine große, oft übersehene lebensgefährliche Bedrohung

Eine steatotische Lebererkrankung (SLD) - früher als Fettlebererkrankung bezeichnet - verläuft oft symptomfrei und bleibt bis zu einem fortgeschrittenen Stadium unbemerkt, in dem sie zu einer Leberzirrhose und zu Krebs führen kann.

Eine SLD kann entstehen, wenn sich in den Leberzellen zu viel Fett ansammelt. Normalerweise verarbeitet die Leber Fette und Zucker aus der Nahrung, doch wenn der Körper zu viel Energie erhält (z. B. durch ungesunde Ernährung, Übergewicht oder Alkohol), beginnt die Leber, überschüssiges Fett einzulagern, und verliert mit der Zeit ihre Funktionsfähigkeit.
Die Hauptursachen für diese Art von Lebererkrankung sind Alkoholkonsum und ungesunde Ernährung. Es gibt Hinweise darauf, dass bei konsequentem Ansetzen an diesen Risikofaktoren fast die Hälfte der Todesfälle aufgrund von Lebererkrankungen verhindert werden könnte.

Konzepte für eine bessere Umwelt

Trotz der Möglichkeiten zur Prävention werden diese Risikofaktoren überall in der Europäischen Region der WHO durch das Lebensumfeld der Menschen weiterhin verstärkt. Stark verarbeitete Lebensmittel, zuckergesüßte alkoholische Getränke und ausgeklügelte Marketingstrategien machen ungesunde Entscheidungen einfacher und leichter zugänglich, insbesondere für junge Menschen. Infolgedessen beobachten Hepatologen in der gesamten Europäischen Region eine steigende Zahl von Patienten mit fortgeschrittenen Lebererkrankungen, die hätten verhindert werden können.

Angesichts des Ausmaßes des Problems verabschiedete die 79. Weltgesundheitsversammlung im Mai 2026 die erste Resolution der WHO, in der SLD offiziell als nichtübertragbare Krankheit anerkannt wird und die Länder dazu aufgefordert werden, diese in ihre nationalen Gesundheitsstrategien zu integrieren und Prävention, Überwachung und Behandlung zu verstärken.

Diese Resolution wurde durch umfangreiche klinische Daten aus dem Bericht der zweiten EASL-Lancet-Kommission vom April 2026 untermauert. Bei dieser multidisziplinären Initiative geht es darum, Lebererkrankungen - einschließlich der Prävalenz der chronischen Lebererkrankung (SLD) - weltweit durch evidenzbasierte Handlungskonzepte zu bekämpfen.

Zu diesen Konzepten gehören:
  • Beschränkungen für die Vermarktung von Lebensmitteln mit hohem Fett-, Salz- und Zuckergehalt sowie von alkoholischen Getränken;
  • obligatorische Reformulierung von verarbeiteten Lebensmitteln zur Senkung des Gehalts an Zucker, Salz und gesättigten Fettsäuren;
  • finanzpolitische Maßnahmen (einschließlich Besteuerung) zum Zwecke der Reduzierung des Konsums von hochverarbeiteten Lebensmitteln und Alkohol;
  • Konzepte zur Verringerung des Alkoholkonsums und der Verfügbarkeit von Alkohol.
Doch Resolutionen und wissenschaftliche Kommissionen allein führen nicht zu einer Verbesserung gesundheitlicher Resultate. Um politisches Engagement in konkrete Maßnahmen umzusetzen, sind Fachwissen, einschlägige Evidenz, Unterstützung bei der Umsetzung und eine anhaltende Zusammenarbeit erforderlich.

"Lebererkrankung ist längst keine 'stille' Krankheit mehr - vielmehr steht sie für ein zunehmendes Versagen des öffentlichen Gesundheitswesens, das wir mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln verhindern können. Was fehlt, sind nicht die Belege, sondern Taten", sagte Prof. Debbie Shawcross, Generalsekretärin der EASL am King's College London.

Schaffung einer Infrastruktur für Fortschritte

Das WHO-Kooperationszentrum für steatotische Lebererkrankungen wird dazu beitragen, dass die Lebergesundheit Teil umfassenderer Strategien zur Bekämpfung nichtübertragbarer Krankheiten wird und nicht länger ein isoliertes klinisches Thema bleibt. Indem das Zentrum die Länder bei der Bekämpfung gemeinsamer Risikofaktoren wie schädlicher Alkoholkonsum, ungesunde Ernährung, Adipositas und Stoffwechselstörungen unterstützt, kann es zu umfassenderen und wirksameren Ansätzen zur Krankheitsprävention beitragen.

"Lebererkrankungen stellen eine alarmierend hohe Belastung für die Gesundheitssysteme in der Europäischen Region dar. Im Vereinigten Königreich beispielsweise ist SLD etwa für jede zwanzigste Krankenhauseinweisung verantwortlich. Ein Vierjahresplan nimmt sich angesichts dieses Ausmaßes zwar bescheiden aus, doch zum ersten Mal sind die infrastrukturellen Voraussetzungen gegeben, um dabei dauerhafte Fortschritte zu erzielen", kommentierte Prof. Pinelopi Manousou, Co-Direktorin des Kooperationszentrums.

In den kommenden vier Jahren wird das Zentrum die Länder dabei unterstützen, ihre Maßnahmen zur Bekämpfung von SLD durch die Gewinnung von Erkenntnissen, die Entwicklung von Konzepten, fachliche Beratung und Kapazitätsaufbau zu verstärken. Zu seinen Aufgaben gehören eine regionsweite Bewertung von SLD, die Erstellung evidenzbasierter Strategieberichte zu den wichtigsten Formen der Erkrankung sowie die Entwicklung von Präventionsinstrumenten, Schulungsmaterialien und Umsetzungsleitfäden, die die Länder zur Stärkung ihrer nationalen Programme nutzen können.

Prof. Mark Thursz, ebenfalls Co-Direktor des Kooperationszentrums, fasste die Bedeutung dieser Initiative wie folgt zusammen: "Die Eröffnung des Kooperationszentrums markiert einen wichtigen Wendepunkt in der weltweiten Bekämpfung von Lebererkrankungen - weg von der bloßen Erkennung des Problems hin zum Aufbau der Systeme, Partnerschaften und Konzepte, die zu dessen Bewältigung erforderlich sind."

WHO - World Health Organization Regional Office for Europe published this content on June 24, 2026, and is solely responsible for the information contained herein. Distributed via Public Technologies (PUBT), unedited and unaltered, on June 24, 2026 at 19:19 UTC. If you believe the information included in the content is inaccurate or outdated and requires editing or removal, please contact us at [email protected]