Bundesland Niedersachsen

07/30/2026 | Press release | Distributed by Public on 07/30/2026 01:49

Cyberkriminalität in Niedersachsen bleibt auf hohem Niveau – Innenministerin Behrens informiert sich über moderne Cybercrime-Ermittlungen

Behrens: "Angesichts der wachsenden Herausforderungen und konstant hohen Fallzahlen von Cyberkriminalität stärken wir die Ermittlungskompetenzen in diesem wichtigen Bereich kontinuierlich"

Getrieben durch geopolitische Spannungen und immer bessere technische Möglichkeiten, insbesondere auch durch die rasante Entwicklung der Künstlichen Intelligenz, steht Deutschland und damit auch Niedersachsen weiterhin im Fadenkreuz von Cyberkriminellen und hybriden Bedrohungsszenarien. Die Cyberkriminalität bewegt sich in Niedersachsen - wie in den Vorjahren - auch 2025 insgesamt auf einem konstant hohen Niveau. Vor diesem Hintergrund besuchte die Niedersächsische Ministerin für Inneres, Sport und Digitalisierung, Daniela Behrens, am heutigen Donnerstag (30.07.2026) die Cybercrime-Dienststellen des Landeskriminalamts Niedersachsen und der Polizeidirektion Hannover, um sich über aktuelle Entwicklungen und die Arbeit der Ermittlungsbehörden zu informieren.

Unter der Bezeichnung Cyberkriminalität werden typische Deliktsfelder digitaler Kriminalität zusammenfasst. Bei den Delikten handelt es sich insbesondere um das Ausspähen und Abfangen von Daten (§§ 202 a-c StGB), Datenhehlerei (§ 202d StGB), Computerbetrug (§ 263a StGB), Fälschung beweiserheblicher Daten (§ 269 StGB), Täuschung im Rechtsverkehr bei Datenverarbeitung (§ 270 StGB) sowie Datenveränderung und Computersabotage (§§ 303a, b StGB). Seit 2024 werden auch Fälle erfasst, bei denen der Ort der strafbaren Handlung entweder nicht eindeutig ermittelt werden konnte oder die Tat vom Ausland aus erfolgte (sog. "Auslandstaten"). Die Erfassung bildet die Auswirkungen von Cyberkriminalität auf die Geschädigten und die Polizei in Niedersachsen damit deutlich realistischer ab.

Die Kernzahlen im Überblick:

· Erfasste Straftaten in Niedersachsen

Insgesamt wurden 2025 in Niedersachsen 30.702 Straftaten im Bereich Cybercrime bekannt. Die Fallzahlen bewegen sich damit im Vergleich zum Vorjahr auf einem gleichbleibend hohen Niveau (- 0,6 %). Die Inlandstaten erreichten mit 13.392 Taten (+ 2,4 % gegenüber 2024) den höchsten Stand der vergangenen 5 Jahre. Bei den seit 2024 als sogenannte Auslandsdelikte erfasste Straftaten gab es mit 17.310 Taten einen leichten Rückgang (- 2,8 %).

· Computerbetrug Großteil der Fälle

Der Computerbetrug hat in 2025 zahlenmäßig weiter auf insgesamt 20.436 Fälle zugenommen und macht damit insgesamt etwa zwei Drittel der Gesamtdelikte aus. Der Gesamtschaden durch Computerbetrug beträgt 26 Millionen Euro.

Ein klassischer Fall des Computerbetrugs mit hohen Schadenssumme ist der heute vorgestellte Fall der Polizeidirektion Hannover, also die missbräuchliche Verwendung rechtwidrig per Phishing erlangter Onlinebanking-Zugangsdaten. Allein auf Angriffe gegen das Onlinebanking entfällt ein Schadensvolumen von 13,5 Millionen Euro (Vorjahr: 11,5 Millionen Euro). Insgesamt wurden 2257 Fälle gezählt.

· Ransomware-Angriffe gegen Institutionen
Hinter Ransomware-Angriffen verbirgt sich die Vorgehensweise, mittels einer Schadsoftware (Malware) fremde Computer oder ganze IT-Netzwerke zu infizieren, um Daten unlesbar zu verschlüsseln und anschließend für die Freigabe ein Lösegeld (englisch: ransom) zu erpressen. Da von Opferseite inzwischen häufig kein Lösegeld mehr für die Entschlüsselung der Daten gezahlt wird, greifen Tätergruppen vermehrt auf eine doppelte Erpressung zurück. Hierbei wird zusätzlich mit der Veröffentlichung gestohlener sensibler Daten im Internet gedroht, sofern kein Lösegeld gezahlt wird. Nach Abnahme der Fallzahlen der vergangenen Jahre waren 2025 mit 67 Angriffen erstmals in Niedersachsen wieder fünf Fälle mehr als im Vorjahr zu verzeichnen. Das Schadensniveau bewegt sich mit insgesamt 1,4 Millionen Euro im mittleren Bereich der vergangenen fünf Jahre.

· DDoS Attacken

In Niedersachsen wurden 2025 insgesamt 16 DDoS Attacken, sogenannte Überlastungsangriffe, gezählt, davon allein 9 Taten der Gruppe "Noname057(16)". Hierbei ist häufig eine politische Tatmotivation anzunehmen, auch wenn das Agieren feindlich gesonnener politischer Akteure im Einzelfall nur schwer nachweisbar ist. Aus dem Lagebild des Bundeskriminalamts ergeben sich mehrere Angriffswellen durch die Hacktivisten gegen Ziele in Deutschland. In der täterseitigen Propaganda wird dabei hauptsächlich die kontinuierliche politische Unterstützung Deutschlands für die Verteidigung der Ukraine gegen den russischen Angriffskrieg als Anlass für die regelmäßigen DDoS-Angriffe genannt.

· Meldungen an die Zentrale Ansprechstelle Cybercrime für die Wirtschaft (ZAC) im Landeskriminalamt Niedersachsen

Die ZAC bietet sowohl präventiv als auch nach einem Angriff durch Cyberkriminelle professionelle Unterstützung für niedersächsische Unternehmen, Behörden und Verbände. Zu den Aufgaben gehören Beratung im Schadensfall, Präventionsarbeit durch Aufklärung und Vorträge sowie das Serviceangebot, verdächtige E-Mails an das ZAC-Postfach [email protected] zu übermitteln. Es erfolgt eine automatisierte Prüfung sowie bei Vorliegen von Erkenntnissen auch eine auf das Phänomen abgestimmte Antwort. Seit 2022 ist das Hinweisaufkommen von Cybercrime-Vorfällen um jährlich etwa 100 Fälle von 327 auf nunmehr insgesamt 610 gestiegen.

Ministerin Behrens betont: "Wie unser Leben insgesamt verlagert sich auch die Kriminalität immer stärker in den digitalen Raum und richtet dort große Schäden an. Die Schadenssumme aller Straftaten, bei denen das Internet als Tatmittel genutzt wurde, lag im Jahr 2025 bei 217,5 Millionen Euro. Die Anforderungen an Ermittlungen am 'Tatort Internet' sind durch die Möglichkeiten des Einsatzes neuer digitaler Werkzeuge bis hin zur KI auf Seiten der Angreifer dabei deutlich größer geworden. Für die Ermittlungsbehörden wird es in einer geopolitisch komplizierten Gemengelage zunehmend schwerer, rein finanziell motivierte Cyberkriminalität und staatlich gesteuerte oder politisch motivierte Angriffe wie Cyberspionage, Cybersabotage und Hacktivismus voneinander zu unterscheiden."

Wenn beispielsweise ein Ransomware-Angriff auf ein niedersächsisches Unternehmen durchgeführt wird, kann der Vorfall für die Ermittlungsbehörden zunächst wie ein Angriff mit Datenabfluss aus rein finanzieller Motivation heraus aussehen.

Erst schwierige cyberforensische Analysen können unter Umständen Aufschluss darüber geben, ob beispielsweise auch ausländische staatliche Stellen im Bereich Cyberspionage oder -sabotage beteiligt sein könnten. Hinzu kommt die hochgradig spezialisierte Infrastruktur der Cyberkriminellen, die auch gering spezialisierten Angreifern die Möglichkeit bietet, Schadprogramme einfach zu erwerben und ohne tiefe Cyberkenntnisse einzusetzen. Die Rede ist hier von "Crime as a Service". Der Einsatz von KI stellt auch in diesem Bereich ein zunehmendes Risiko dar.

Das Bundeskriminalamt weist in seinem aktuellen Lagebild 2025 ausdrücklich darauf hin, dass viele Staaten professionell aufgestellte und ausgestattete Cyberabteilungen bei ihren Nachrichtendiensten oder Streitkräften unterhalten, die unter anderem kritische Infrastrukturen, Behörden und relevante Ziele anderer Länder ausspionieren oder sabotieren. Ein Beispiel wurde heute in Form der Simulation eines Cyberangriffs auf eine niedersächsische Biogasanlage vorgestellt. Hintergrund war die Computersabotage zum Nachteil einer Biogasanlage in Niedersachsen durch eine pro-russische hacktivistische Gruppierung. Es kam zu Schäden in Höhe von fast 36.000 Euro.

Ministerin Behrens: "Angesichts der wachsenden Herausforderungen und konstant hohen Fallzahlen von Cyberkriminalität stärken wir die Ermittlungskompetenzen in diesem wichtigen Bereich für Niedersachsen kontinuierlich. Ein wesentliches Element ist dabei die Einstellung von 20 zusätzlichen Spezialistinnen und Spezialisten für Ermittlungen im Kontext 'Internet of Things' (IoT) und 'Automotive IT' (AIT) im laufenden Jahr. Im Jahr 2027 wollen wir weitere Experten für die Cyberforensik einstellen, um unsere Ressourcen und die benötigten hochspezialisierten Kompetenzen stetig auszubauen."

Die Einrichtung der Cybercrime-Fachkommissariate in den regionalen niedersächsischen Polizeibehörden und dem Landeskriminalamt Niedersachsen im Jahr 2021 war bereits ein wichtiger Schritt zur Stärkung der polizeilichen Ermittlungskompetenz im digitalen Raum. Ein Ermittlungsverfahren der Polizeidirektion Hannover zeigte heute beispielhaft, wie wichtig spezialisierte Cyberkompetenz in Teams aus Ermittlerinnen und Ermittlern sowie IT-Fachexpertinnen und -Fachexperten in diesem Phänomenbereich ist. Der Polizeidirektion Hannover war es unter Leitung der auf Cybercrime spezialisierten Staatsanwaltschaft Verden gelungen, international agierende Täter vor Gericht zu bringen.

Zum Hintergrund des Verfahrens:

Das Fachkommissariat Cybercrime der Polizeidirektion Hannover führte seit 2023 Ermittlungen in einer komplexen Struktur von Online-Betrügern, bei denen deutsche Beschuldigte illegal erbeutete Zugangsdaten für das Onlinebanking anderen Tätergruppen über das Internet zum Kauf angeboten haben. Um an die sensiblen Daten von Geschädigten zu gelangen, haben die Täter eigens Fakeshops eingerichtet. Die illegal erlangten Zugangsdaten wurden anschließend von falschen Bankmitarbeitern zum Betrug im Onlinebanking genutzt. Die Ermittlungen haben gezeigt, dass die Beschuldigten eine Vielzahl von technischen Verschleierungen eingesetzt haben, um ihre Identität geheim zu halten. Zur Identifizierung der Tätergruppe waren eine enge Zusammenarbeit mit Europol und weiteren am Verfahren beteiligten Stellen aus den Niederlanden, Finnland, Norwegen, Tschechien, Polen, Österreich und Singapur ebenso notwendig wie eigene tiefgreifende Datenanalysen in den genutzten Serverstrukturen der Tätergruppierung.

Ministerin Behrens erklärt dazu: "Ich konnte mir heute beispielhaft an einem Ermittlungsverfahren der Polizeidirektion Hannover ein Bild von der professionellen und internationalen Tatausführung von Cyberkriminellen machen, die nach dem ´Crime as a Service´ Modell gearbeitet haben. Es ist ein starkes Zeichen, dass unsere Ermittlungsbehörden es immer wieder schaffen, international agierende Tätergruppierungen aufzubrechen, kriminelle Infrastrukturen zu zerstören und bei den Tätern Vermögensarreste zu vollstrecken. Ich bedanke mich bei allen Beteiligten für das große Engagement im Kampf gegen Cyberkriminalität."

Bundesland Niedersachsen published this content on July 30, 2026, and is solely responsible for the information contained herein. Distributed via Public Technologies (PUBT), unedited and unaltered, on July 30, 2026 at 07:50 UTC. If you believe the information included in the content is inaccurate or outdated and requires editing or removal, please contact us at [email protected]