DDPS - Federal Department of Defence, Civil Protection and Sports of the Swiss Confederation

08/05/2026 | Press release | Distributed by Public on 08/05/2026 08:37

Fête nationale à Lucerne

DiscoursPublié le 31 juillet 2026, mis à jour le 5 août 2026

Fête nationale à Lucerne

Lucerne, 31.07.2026 - Discours de la conseillère fédérale Elisabeth Baume-Schneider lors de la Fête nationale du 31 juillet 2026 à Lucerne. Seules les paroles prononcées font foi (en allemand).

  • Die Ärztin Anna Neumann,
  • die Sozialarbeiterin Johanna Hodel
  • die Schriftstellerin Cécile Lauber
  • und die Politikerin Judith Stamm.

Alle vier haben die Schweiz zu einem besseren, faireren Land gemacht. Zu einem Land, von dem mehr Menschen sagen können: Wir gehören auch dazu! Wer waren diese vier bemerkenswerten Luzernerinnen?

Die Ärztin Anna Neumann war eine Pionierin der sozialen Gerechtigkeit. 1910 war sie die erste praktizierende Ärztin im Kanton Luzern. Sie engagierte sich vor allem für Kinder aus benachteiligten Verhältnissen und verzichtete häufig auf ihr Honorar.

Die Schriftstellerin Cécile Lauber plädierte schon früh im 20. Jahrhundert für ein stärkeres Umweltbewusstsein, indem sie in ihren Romanen eindrücklich die Verletzlichkeit der Natur schilderte. Seit einigen Wochen sehen wir alle, wie verheerend die Folgen von Hitze und Dürre für die Landwirtschaft, die Natur, aber auch für uns Menschen sind. Umso wichtiger ist es, dass wir uns für die Erhaltung unserer Lebensgrundlagen einsetzen.

Die liberale Kantonsrätin Johanna Hodel war eine Wegbereiterin der Sozialarbeit und der politischen Gleichstellung. Mit dem von ihr 1969 gegründeten Fürsorgebüro für Alimenten-Inkasso unterstützte sie Frauen dabei, ein finanziell unabhängigeres und damit freieres Leben zu führen. Eine Voraussetzung für die gesellschaftliche Teilhabe der Frauen, die seither weit fortgeschritten ist, aber noch immer nicht weit genug.

Und schliesslich Judith Stamm. Sie kämpfte unermüdliche für die rechtliche und faktische Gleichstellung von Frau und Mann in der Schweiz. 1986 reichte sie eine Motion ein für die Durchsetzung des Gleichstellungsartikels in der Bundesverfassung. Deren Resultat war 1988 die Schaffung des «Eidgenössischen Büros für Gleichstellung von Mann und Frau». Heute ist dieses Büro unter anderem für die Präventionskampagne gegen häusliche Gewalt verantwortlich - und wir alle wissen, wie wichtig diese Arbeit ist.

Anna Neumann, Cécile Lauber, Johanna Hodel und Judith Stamm: Diese vier Luzernerinnen erinnern uns daran, wie viel wir selber in unserem Alltag für den Zusammenhalt bewirken können. Und dass wir uns nicht entmutigen lassen sollten, auch wenn die Zeiten unsicher sind; auch wenn unsere demokratischen Werte international stärker unter Druck geraten.

Meine Damen und Herren

Ich traue der Schweiz viel zu, weil ich den Leuten in unserem Land viel zutraue. Als Bundesrätin lerne ich die Schweiz jeden Tag neu kennen und ich bin jeden Tag beeindruckt von der Energie, der Kreativität und dem Engagement der Menschen, denen ich begegne.

Und nicht zuletzt bin ich immer wieder beeindruckt von der Vitalität unserer Demokratie: Wir haben gelernt, Konflikte auszuhalten. Und wir haben gelernt, dass politische Debatten nie endgültig abgeschlossen sind. Jede Generation führt sie weiter. Jede Generation sucht ihre eigenen Antworten. Und jede Generation wird gute Antworten finden.

Auch die AHV gehört zu den Themen, die immer wieder neu beurteilt werden müssen. Wie könnte es anders sein? Die AHV muss sich weiterentwickeln, weil die Realität sich verändert: Wir leben länger, wir haben weniger Kinder, die Frauen arbeiten mehr, die Babyboomer werden pensioniert. Das ist die anspruchsvolle Ausgangslage der bundesrätlichen Reform AHV 2040, die sich derzeit in der Vernehmlassung befindet.

Aber schon in diesem November geht es um eine ganz konkrete Frage, die für die AHV von grosser Bedeutung ist: Nämlich darum, ob wir die 13. AHV-Rente wenigstens teilweise finanzieren wollen durch eine Erhöhung der Mehrwertsteuer um 0,4%. Damit ist die 13. AHV-Rente zwar nur teilweise finanziert. Aber es ist ein wichtiger erster Schritt.

Wer auf die Geschichte der AHV zurückblickt, erkennt ein Muster. Die AHV wurde nicht an einem Tag geschaffen. Und sie wurde auch nicht durch einen grossen Wurf für alle Zeiten gesichert. So funktioniert die AHV nicht - und so funktioniert ja bekanntlich auch die Schweiz nicht. Wir bevorzugen ein pragmatisches Vorgehen.

Die AHV-Reformen sind ein guter Ausdruck unserer politischen Kultur: Stabilität entsteht nicht dadurch, dass man auf die perfekte Lösung wartet, sondern dadurch, dass man die notwendigen Schritte geht, einer nach dem andern.

Genau darin liegt die eigentliche Erfolgsgeschichte unseres wichtigsten Sozialwerks.

Meine Damen und Herren

Solange die AHV besteht, wird sie reformiert werden müssen. Auch wahr ist: Solange die Schweiz besteht, wird sie über ihr Verhältnis zu ihren Nachbarn nachdenken müssen. Wie nahe wollen wir der Europäischen Union sein? Wie viel Eigenständigkeit brauchen wir? Wie viel Zusammenarbeit ist notwendig?

Diese Fragen begleiten unser Land seit Jahrzehnten. Und sie werden uns auch in Zukunft begleiten. Denn Europa verändert sich, die Welt verändert sich. Und wir müssen unseren Platz immer wieder neu bestimmen.

Diese Momente waren schon in der Geschichte immer von starken Spannungen geprägt. Die Lösung lag jeweils in einem Schweizer Mittelweg. Auch hier, am Ufer des Vierwaldstättersees, unweit der mythischen Gründungswiese der Eidgenossenschaft, ist den Menschen bewusst, dass die Schweiz als exportorientiertes Land auf möglichst stabile Rahmenbedingungen angewiesen ist.

Die jüngsten Zollentscheide der USA haben uns einmal mehr vor Augen geführt, wie rasch sich die internationalen Spielregeln verändern können.

Gute, vertrauensvolle Beziehungen zur EU sind deshalb kein Selbstzweck. Sie sind eine Investition in die wirtschaftliche Sicherheit unseres Landes und in den Wohlstand der Schweiz.

Neben den wirtschaftlichen Argumenten gibt es auch die politischen: Der illegale russische Angriff auf die Ukraine dauert seit vier Jahren an. Vor diesem Hintergrund hat die Schweiz alles Interesse an stabilen Verhältnissen mit der EU.

Mit ihrem demokratischen Fundament ist sie ein Garant des Friedens, ein verlässlicher Partner.

Meine Damen und Herren

Unsere geografische Lage macht uns zu einem wirtschaftlichen, aber auch zu einem kulturellen Knotenpunkt in Europa. Zu einem Ort der Begegnung. Zu einem Ort des Austauschs.

Eine besondere Rolle spielt dabei unsere Mehrsprachigkeit: Sie erlaubt es uns, die Welt aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten. Sie macht uns zu kulturellen Übersetzern. Zwischen Nord und Süd. Zwischen Ost und West. Zwischen unterschiedlichen Mentalitäten Europas.

Und, last but not least: Mehrsprachigkeit ist auch einen Wettbewerbsvorteil in der heutigen Welt. Rund 250 Millionen Menschen in Europa sprechen eine unserer Landessprachen. Was für ein kreatives und wirtschaftliches Potenzial! Nutzen wir es doch!

Meine Damen und Herren

Die Mehrsprachigkeit gehört zu den grössten Schätzen unseres Landes. Und sie ist ein Versprechen: Dass wir uns auch wirklich gegenseitig verstehen wollen, über Sprach- und Mentalitätsgrenzen hinweg.

Und zwar, weil wir uns gegenseitig respektieren, weil wir neugierig sind auf die Perspektive der anderen, weil wir wissen, dass die Schweiz ein lernendes Land ist - ein Land, in dem wir in anderen Regionen und Kantonen Inspiration, Ideen und Lösungsansätze finden für unsere eigenen Herausforderungen.

Deshalb betrachtet es der Bundesrat mit Besorgnis, wenn auch im Kanton Luzern Stimmen laut werden, die das Frühfranzösisch verschieben wollen. Ein solcher Entscheid würde den Zusammenhalt nicht stärken. Er würde den Zusammenhalt schwächen. Und das, meine Damen und Herren, ist die falsche Richtung für die Schweiz.

Die Kenntnis der anderen Landessprachen ist mehr als eine schulische Angelegenheit: Sie ist eine unverzichtbare Bedingung des nationalen Zusammenhalts. Und dieser Zusammenhalt kann nicht einfach dem Bund überlassen werden. Alle Staatsebenen, auch die Kantone, sind verantwortlich dafür, dass die Schweiz zusammenhält.

Genauso, wie der gesellschaftliche Zusammenhalt auch nicht einfach den Institutionen überlassen werden kann. Sondern vielmehr davon lebt, dass wir alle uns, soweit es uns aufgrund unserer Lebenssituation eben möglich ist, für andere einsetzen.

So wie die vier Luzernerinnen es getan haben: Die Ärztin Anna Neumann, die Sozialarbeiterin Johanna Hodel, die Schriftstellerin Cécile Lauber und die Politikerin Judith Stamm.

Alle vier: Heldinnen des Zusammenhalts und des Wohlstands der gesamten Bevölkerung.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

DDPS - Federal Department of Defence, Civil Protection and Sports of the Swiss Confederation published this content on August 05, 2026, and is solely responsible for the information contained herein. Distributed via Public Technologies (PUBT), unedited and unaltered, on August 05, 2026 at 14:37 UTC. If you believe the information included in the content is inaccurate or outdated and requires editing or removal, please contact us at [email protected]