07/31/2026 | Press release | Distributed by Public on 07/31/2026 04:18
Destatis legt Zahlen für den Biermarkt im 1. Halbjahr 2026 vor
Berlin / Wiesbaden, 31. Juli 2026. Der Bierabsatz in Deutschland ist im 1. Halbjahr 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 2,2 % oder 85 Millionen Liter auf rund 3,8 Milliarden Liter gesunken. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, konnte für den Sommermonat Juni jedoch eine positive Entwicklung verzeichnet werden - mit einem Absatzplus von 5,2 % im Vergleich zum Vorjahr. Alkoholfreie Biere, die in Deutschland mittlerweile einen Marktanteil von mehr als 10 % erreichen, werden von der amtlichen Statistik nicht erfasst.
81 % des gesamten Bierabsatzes waren im 1. Halbjahr 2026 für den Inlandsverbrauch bestimmt und wurden hierzulande versteuert. Der Inlandsabsatz sank im Vergleich zum 1. Halbjahr 2025 um 3,1 % auf 3,1 Milliarden Liter. Die restlichen 19 % beziehungsweise 719 Millionen Liter wurden steuerfrei überwiegend als Exporte abgesetzt. Das waren 2 % mehr als im Vorjahr. Davon gingen 422 Millionen Liter in EU-Staaten und 297 Millionen Liter in Nicht-EU-Staaten.
Die deutsche Brauwirtschaft steht unter anhaltendem Druck und befindet sich weiter in einer angespannten Lage, teilte der Deutsche Brauer-Bund (DBB) in Berlin mit. In den vergangenen zwei Jahren lagen die monatlichen Absatzzahlen nahezu durchgehend unter denen des Vorjahresmonats, und das teilweise deutlich. Das Jahr 2025 schloss die Branche mit einem Minus von 6 % ab, ein Wert, der deutlich über den seit vielen Jahren üblichen 1 bis 2 % jährlichen Rückgangs der Biermenge liegt. Auch 2026 bleibt ein anspruchsvolles Jahr: Bis Mai 2026 betrug der aufgelaufene Verlust gegenüber dem Vorjahr mehr als 5 %. Seit Mai 2019, dem letzten Jahr ohne externe Einflüsse durch Corona-Pandemie oder den Krieg gegen die Ukraine, hat die Branche auf Halbjahressicht 550 Millionen Liter Bier verloren, das sind rund 18 % des früheren Gesamtmarktes.
"Der Juni 2026 mag mit einem Plus von 5,2 % ein Lichtblick sein, bedeutet aber längst keine Trendwende", sagte DBB-Hauptgeschäftsführer Holger Eichele. "Tatsache ist, dass es die Braubranche weniger mit einer Absatzdelle als mit einer echten Zäsur zu tun hat, deren Ursachen vielfältig sind." Hauptfaktor sei ein durch anhaltende politische Unsicherheit verursachtes negatives Konsumklima, in seiner Wirkung verstärkt durch die demografische Situation Deutschlands und Post-Pandemie-Effekte wie die anhaltende Krise der Gastronomie und das veränderte Ausgehverhalten der Verbraucher. Auch stellen die Brauereien fest, dass junge Konsumenten deutlich weniger Alkohol trinken als ältere Menschen, dies macht sich immer stärker bemerkbar.
Erfreulich hingegen bleibt der hohe und weiter wachsende Anteil alkoholfreier Biere - hier bauen Deutschlands Brauereien ihre Spitzenstellung im europäischen Markt weiter aus. Alkoholfreie Biere bieten laut DBB auch deshalb große Chancen für die Brauereien, weil sie damit völlig neue Konsumentenkreise ansprechen. So werden alkoholfreie, isotonische und mineralische Biere besonders bei Sportlern immer beliebter.
Nach Einschätzung des DBB befindet sich die deutsche Brauwirtschaft in einem tiefgreifenden Konsolidierungsprozess. "Mit Blick auf die anhaltend hohen Produktionskosten und den Rückgang des Bierkonsums ist leider damit zu rechnen, dass die Zahl der Brauereien in Deutschland weiter abnehmen wird", so Eichele. Zurzeit müsse jede Woche mindestens eine Brauerei aufgeben, oft handele es sich dabei um Familienbetriebe mit jahrhundertelanger Geschichte. "In dieser Situation ist es besonders bitter, dass von der Politik keinerlei Unterstützung kommt, sondern im Gegenteil weitere Belastungen beschlossen werden", kritisierte Eichele. Die von der Bundesregierung geplante Zuckersteuer torpediere den erfolgreichen Versuch vieler Brauereien, sich mit alkoholfreien Erfrischungsgetränken ein zweites Standbein aufzubauen: "Diese Steuer ist gesundheitspolitisch verfehlt und wird die Menschen nicht schlanker machen, sondern nur Getränke deutlich teurer. Die Rechnung für diese rücksichtslose Finanzpolitik zahlen mittelständische Betriebe und die Verbraucher" (siehe Hintergrund).
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