Westfälische Wilhelms-Universität Münster

07/22/2026 | Press release | Distributed by Public on 07/22/2026 01:34

Prorektorin Monika Stoll erläutert die neuen internen Förderlinien

Die Universität Münster bietet ein Portfolio interner Förderlinien, die Forscherinnen und Forscher in unterschiedlichen Karrierephasen unterstützen. © stock.adobe.com - jd-photodesign

"Exzellente Forschung setzt auf Vertrauen"

Prorektorin Monika Stoll erläutert die neuen internen Förderlinien

Mit "IDEAS", "START" und "ADVANCED" hat das Rektorat drei neue interne Förderlinien für innovative Ideen, neue Kooperationen und wettbewerbsfähige Forschungsanträge ins Leben gerufen. Im Interview mit Kathrin Kottke erläutert Prof. Dr. Monika Stoll, Prorektorin für Forschung, warum unkonventionelle Ideen eine Chance verdienen, weshalb Scheitern zur Forschung gehört und warum manchmal das Los entscheidet.

Was war der Auslöser für die neuen Förderlinien?

Uns ist klar geworden, dass wir unsere interne Forschungsförderung transparenter gestalten und an die sich wandelnde Förderlandschaft anpassen müssen. Ein halbes Jahr lang haben das Rektorat und das Zukunftslabor drei Förderlinien entwickelt, mit denen wir die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in unterschiedlichen Karrierestadien unterstützen wollen.

Warum diese Unterscheidung nach Karrierestufen?

Weil die Bedarfe verschieden sind. Besonders wichtig war es uns, die Jüngeren bis einschließlich der Juniorprofessuren in den Blick zu nehmen. Sie fallen häufig durch das Raster.

Es gibt bereits zahlreiche externe Programme, etwa von der DFG, der EU oder von Stiftungen. Warum braucht eine Universität überhaupt eigene Instrumente?

Weil rund 90 Prozent aller externen Förderformate Vorarbeiten oder bestehende Konsortien voraussetzen. Man muss nachweisen, dass bereits erste Ergebnisse und belastbare Erkenntnisse vorliegen, bevor man sich bewerben darf.

Diese Lücke will das Rektorat mit IDEAS schließen?

IDEAS richtet sich an Menschen mit einer unkonventionellen Idee. Diese werden extern kaum gefördert, da es keine Vorarbeiten und keine bestehenden Konsortien gibt. Wir geben den Leuten die Chance, genau die Vorarbeiten zu leisten, die sie später für einen externen Antrag benötigen.

Prof. Dr. Monika Stoll © Uni MS - Christoph Steinweg Wie groß ist der Bedarf tatsächlich?

Riesig. Bei der ersten Ausschreibung - damals noch unter dem Namen 'Ideenlabor' - hatten wir 64 Bewerbungen und konnten am Ende nur acht fördern. Nicht jede Arbeitsgruppe an der Universität verfügt über die Ressourcen, um eine verrückte Idee auszutesten.

Wie umfangreich ist die Förderung angelegt?

Eine Förderung von bis zu 80.000 Euro ist möglich. Wir haben IDEAS jedoch bewusst flexibel gehalten. Manche Gruppen brauchen Equipment, andere Zeit und wieder andere eine studentische Hilfskraft. Entscheidend ist der Innovationssprung, nicht die Kategorie, in die etwas fällt.

Innovation ist nur schwer messbar. Wie treffen Sie Ihre Auswahl?

Die Idee muss erklärbar und plausibel sein und wird im Forschungsbeirat besprochen. Aber welche Innovation ,besser' ist als eine andere, lässt sich nicht sagen.

Und dann?

Dann entscheidet das Los. Damit können oft alle leben.

Profitieren davon besonders jüngere Forscherinnen und Forscher?

Das stimmt. Unsere Botschaft ist: Man muss nicht 17 Preise gewonnen und 14 Paper publiziert haben. Wer eine tolle Idee hat, darf es versuchen.

Wie gehen Sie bei so viel Offenheit für Risiko mit dem Scheitern um?

Scheitern gehört zur Forschung dazu. Wenn immer alles genauso funktioniert, wie man es sich ausgedacht hat, ist es keine innovative Forschung mehr. Jede Förderorganisation geht ein Risiko ein. Auch ein DFG-Antrag kann scheitern.

Sie sprechen aus Erfahrung?

Ich mache diesen Job seit 30 Jahren, und bei keinem einzigen Antrag ist am Ende genau das herausgekommen, was ich vorher antizipiert hatte. Manches klappt, anderes nicht. Das Vorhaben entwickelt sich weiter. Sonst wäre es ja auch langweilig …

Kommen wir zu START und ADVANCED. Diese Linien richten sich an etabliertere Forscherinnen und Forscher. Was wird beim Aufbau von Kooperationen am häufigsten unterschätzt?

Die Bedeutung von Vertrauen und die Zeit, die es braucht, um es aufzubauen. Exzellente Forschung setzt auf Vertrauen. Und das etabliert man nicht auf dem Papier oder in der Zoom-Konferenz, sondern im persönlichen Kontakt.

Was leistet START konkret?

Hier geht es vor allem um den Aufbau neuer Forschungskooperationen mit Fokus auf die sogenannten Emerging Fields der Universität - aufstrebende Bereiche mit großem Potenzial für das wissenschaftliche Profil der Uni. Gerade für interdisziplinäre Ansätze muss erst einmal eine gemeinsame Sprache entwickelt und ausgelotet werden, wo die gemeinsamen Interessen liegen. Genau das ermöglicht START.

Und ADVANCED?

Diese Förderlinie dient der weiteren Profilschärfung und unterstützt bei der Vorbereitung wettbewerbsfähiger Verbundanträge.

Welche Rolle spielt dabei die Interdisziplinarität?

Die Uni Münster zeichnet sich durch ihre zahlreichen interdisziplinären und fachbereichsübergreifenden Projekte aus. Die großen gesellschaftlichen Herausforderungen lassen sich selten mit einem disziplinären Ansatz lösen. Zugleich schließen wir exzellente Einzelforschung nicht aus.

Was raten Sie jemandem, der zögert, weil er befürchtet, seine Idee sei noch nicht ausgereift oder zu ungewöhnlich?

Salopp gesagt: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es. Da es sich um inneruniversitäre Anträge handelt, erfährt auch niemand etwas davon, wenn es nicht geklappt hat.

Kurzum: einfach trauen?

Wer den Mut hat, es zu versuchen, hat schon viel gewonnen.

Dieser Artikel stammt aus der Unizeitung wissen|leben Nr. 5, 22. Juli 2026.

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