08/04/2026 | Press release | Distributed by Public on 08/04/2026 02:41
Erstmalig liegt nun eine datenbasierte Analyse des Migrations- und Integrationsgeschehens im Land Brandenburg vor. Der Bericht wurde im Auftrag des Landes von der Minor Wissenschaft GmbH erarbeitet. Die Ergebnisse und abzuleitenden Handlungserfordernisse werden innerhalb der Landesregierung beraten und auf dem Weg zum geplanten Landesintegrationsgesetz diskutiert.
"Integrationspolitik braucht eine belastbare Grundlage. Mit dem ZIB 2025 wissen wir, was in Brandenburg funktioniert, wo Handlungsbedarf besteht und welche Weichen wir stellen müssen", betonte der für Migration und Integration zuständige Minister René Wilke. "Die Zahlen zeigen: Zuwanderung ist für Brandenburgs Gesellschaft und Wirtschaft längst kein Randphänomen mehr, sondern ein strukturelles Fundament."
Erkenntnisse aus dem Lagebild:
Brandenburg ist ein Einwanderungsland
Die Daten machen deutlich, dass sich die ausländische Bevölkerung in Brandenburg im vergangenen Jahrzehnt mehr als verdreifacht hat. Dennoch lag ihr Anteil im Jahr 2024 mit 7,2 Prozent weiterhin deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 14,8 Prozent. Besonders kennzeichnend für Brandenburg ist die Vielfalt der zugewanderten Bevölkerung: Sie umfasst polnische Arbeitnehmerinnen und -nehmer mit einer Beschäftigungsquote von 71,5 Prozent - höher als die der deutschen Bevölkerung -, ukrainische Arbeitskräfte, deren Zahl in der Metall- und Elektroindustrie allein zwischen 2022 und 2024 um mehr als 400 Prozent gestiegen ist; sowie internationale Studierende, die mit einem Anteil von 26,2 Prozent bundesweit den Spitzenwert bilden.
Zahlen entkräften gängige Vorurteile
Der Bericht widerlegt verbreitete Annahmen: So zeigt er, dass Geflüchtete keineswegs dauerhaft im Sozialleistungsbezug verbleiben. Die Arbeitslosenquote unter Personen aus Asylherkunftsländern sank von einem Höchststand von 75,6 Prozent im April 2016 auf 33,1 Prozent im Jahr 2021 - und das trotz Corona-Pandemie. Die Beschäftigungsquote ukrainischer Staatsangehöriger hat sich seit Kriegsbeginn 2022 mehr als verdoppelt. Auch das Vorurteil eines mangelnden Integrationswillens wird durch die Daten widerlegt: Die Zahl der Teilnehmenden an Integrationskursen stieg in Brandenburg von 1.437 im Jahr 2021 auf 8.676 im Jahr 2023 - die Nachfrage nach Deutschkursen überstieg zeitweise sogar das Angebot.
Zuwanderung stabilisiert Brandenburgs Arbeitsmarkt
Ausländische Beschäftigte machen bereits 11,8 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Brandenburg aus - ein Anteil, der über ihrem Bevölkerungsanteil liegt. Der demografisch bedingte Rückgang deutscher Beschäftigter wird nahezu vollständig durch den Zuwachs ausländischer Arbeitskräfte ausgeglichen. In einzelnen Branchen ist diese Bedeutung besonders ausgeprägt: In der Arbeitnehmerüberlassung stellen ausländische Staatsangehörige mit 66,2 Prozent bereits die Mehrheit der Beschäftigten. In der Metall- und Elektroindustrie stieg die Zahl der Beschäftigten aus Asylherkunftsländern zwischen 2022 und 2024 um 127,8 Prozent.
Gleichzeitig weist der Bericht auf strukturelle Schwächen hin: Ausländische Vollzeitbeschäftigte verdienen im Median rund 550 Euro weniger als der brandenburgische Durchschnitt, und ein erheblicher Teil ist in konjunkturanfälligen Branchen tätig.
Bildung: Brandenburgs Universitäten mit bundesweit einzigartiger Stellung
Im Bildungsbereich liefert der Bericht bemerkenswerte Ergebnisse: Brandenburg hat mit 26,2 Prozent den höchsten Anteil ausländischer Studierender aller deutschen Bundesländer. Fast die Hälfte von ihnen studiert Ingenieurwissenschaften. Ohne den wachsenden Anteil ausländischer Bewerberinnen und Bewerber wären zudem die Ausbildungszahlen im Land rückläufig- Zugewanderte stabilisieren auch das duale Ausbildungssystem. Zugleich zeigt sich im Schulbereich eine deutliche Schere: Während der Anteil zugewanderter Schülerinnen und Schüler an Oberschulen bei 12,9 Prozent liegt, beträgt er an Gymnasien nur 5,4 Prozent.
Differenzierte Analyse als Voraussetzung für zielgenaue Integrationspolitik
Der Bericht analysiert das Migrationsgeschehen differenziert nach Herkunftsgruppen und deren jeweiligen rechtlichen Rahmenbedingungen - von der EU-Arbeitnehmerfreizügigkeit über Fluchtmigration bis zur Bildungszuwanderung. Damit wird deutlich: Zuwanderung nach Brandenburg ist kein einheitliches Phänomen, sondern umfasst sehr unterschiedliche Gruppen mit unterschiedlichen Bedarfen. Diese Differenzierung ist die Voraussetzung für eine sachliche und zielgenaue Integrationspolitik.
Der ZIB 2025 steht ab sofort auf der Website des MASGZ zum Download bereit.: