Heute beginnt eine von WHO/Europa und der portugiesischen Regierung gemeinsam veranstaltete hochrangige internationale Konferenz zum Thema Künstliche Intelligenz (KI) im Gesundheitswesen, an der Minister und hochrangige Regierungsvertreter von 37 Ländern aus allen sechs WHO-Regionen sowie führende Vertreter der Aga Khan University, der Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung, der Europäischen Kommission, des Wellcome Trust und der Weltbank teilnehmen.
Hintergrund für die Veranstaltung ist, dass eine Bewertung von WHO/Europa - die bislang umfassendste Untersuchung zur KI-Bereitschaft in der Europäischen Region der WHO - eine eklatante Kluft zwischen Anspruch und tatsächlicher Regulierung aufgezeigt hat: so setzen schon fast zwei Drittel der Länder KI in der Diagnostik ein, doch nur 8 % verfügen über eine konkrete KI-Strategie für das Gesundheitswesen, und nur 8 % haben Haftungsnormen festgelegt, die regeln, wer beim Ausfall eines KI-Systems konkret haftet.
Die Ergebnisse decken sich mit dem vergangene Woche vorgelegten vorläufigen Bericht des vom Generalsekretär der Vereinten Nationen eingesetzten Unabhängigen internationalen wissenschaftlichen Gremiums für KI, in dem ebenfalls eine weitreichendere, koordinierte Regulierung gefordert wurde, da die Einführung der KI schneller voranschreitet als die Schaffung entsprechender Rechtsrahmen.
"Was diese 37 Länder nach Lissabon führt, ist nicht ein Mangel an Ehrgeiz, sondern ein Mangel an gemeinsamer Ausrichtung", erklärte Dr. Hans Henri P. Kluge, WHO-Regionaldirektor für Europa. "Jedes Land auf der Welt ringt gerade mit denselben Fragen: Wie können wir KI verantwortungsbewusst regulieren? Wie können wir das Gesundheitspersonal so ausbilden, dass es KI sicher einsetzt? Und wie können wir sicherstellen, dass sie den Patienten zugutekommt und nicht nur denen, die sich die Technologie leisten können? Auf dieser Veranstaltung wollen wir einen gemeinsamen Nenner finden, und die WHO wird sich anhören, was die Mitgliedstaaten konkret benötigen, und bestimmen, wo wir den größten Mehrwert beitragen können, und sich verpflichten, bei den Themen verstärkt einzugreifen, die kein Land allein lösen kann. Wir werden diesen Ort nicht mit einem Kommuniqué verlassen, sondern mit mit konkreten Handlungszielen."
Festlegung gemeinsamer Handlungsziele: Regeln, Tools, Menschen
Die Tagung stützt sich auf drei konkrete Säulen: die Vorschriften zur Regulierung und Rechenschaftspflicht im Bereich der KI; die für ihren sicheren Einsatz erforderlichen Instrumente und Infrastrukturen; und die Menschen, das Gesundheitspersonal und die Einrichtungen, die sie in die Praxis umsetzen werden.
In diesen drei Bereichen diskutieren Minister und hochrangige Beamte jetzt darüber, wie die WHO angesichts gemeinsamer Herausforderungen und der von den Mitgliedstaaten vorgebrachten Anliegen Unterstützung leisten könnte und sollte, damit die Teilnehmer Lissabon mit einem klaren, gemeinsamen Verständnis der Prioritäten verlassen und nicht mit einer für alle vorgegebenen Lösung.
Darüber hinaus schafft eine hochrangige Sitzung der portugiesischsprachigen Länder - Angola, Mosambik, Brasilien, Kap Verde, Portugal, São Tomé und Príncipe sowie Timor-Leste - die Grundlagen für eine lusophone Zusammenarbeit in den Bereichen KI und Gesundheit. Diese Sitzung spiegelt einen übergeordneten Grundsatz wider, der im Mittelpunkt dieser Konferenz steht: Kein Land sollte den Wandel durch Künstliche Intelligenz allein bewältigen müssen.
"Künstliche Intelligenz bietet eine historische Chance, die Gesundheitssysteme zu stärken und das Leben der Menschen zu verbessern", sagte Ana Paula Martins, Gesundheitsministerin von Portugal. "Ihr Erfolg hängt von Vertrauen, ethischer Regulierung und Zusammenarbeit ab. Diese Tagung in Lissabon bekräftigt unsere gemeinsame Entschlossenheit, dafür zu sorgen, dass Künstliche Intelligenz den Menschen dient und dazu beiträgt, sicherere, gerechtere und widerstandsfähigere Gesundheitssysteme aufzubauen."
Von der Einführung zur Regulierung
Das Konferenzprogramm begann am 13. und 14. Juli jeweils mit einem fachlichen Workshop, bei dem Forscher, Gesundheitsfachkräfte und Vertreter internationaler Organisationen gemeinsam die praktischen Chancen und Herausforderungen der KI in Gesundheitssystemen erörterten. Die hochrangigen Segmente auf Minister- und Expertenebene am 15. und 16. Juli bauen auf dieser Grundlage auf, wobei die Diskussionen so gestaltet sind, dass sie für Länder auf jeder Stufe der digitalen Entwicklung relevant sind.
Zu den Schlüsselthemen zählen Regulierung und strategische Führung, rechtliche und ethische Rahmenkonzepte für die Rechenschaftslegung, Datenverwaltung und Interoperabilität, die Vorbereitung des Gesundheitspersonals sowie verantwortungsbewusste Investitionen in KI. Ein besonderes Augenmerk gilt der Chancengleichheit, d. h. es soll sichergestellt werden, dass KI im Gesundheitswesen die Kluft zwischen gut und schlecht ausgestatteten Systemen verringert, anstatt sie zu vergrößern.
"Ob es uns gefällt oder nicht: die generative KI hat bereits Einzug in den Schulen gehalten und den Weg in die Taschen der Patienten gefunden", fügte Dr. Kluge hinzu. "Die Leute fragen Chatbots nach ihren Symptomen, bevor sie überhaupt mit einem Arzt sprechen. Deshalb die Dringlichkeit. Die Regulierung von KI im Gesundheitsbereich ist schwierig. Aber ohne Regulierung ist es noch schwieriger - gemessen an der Zahl der potenziell geschädigten Patienten, dem Vertrauensverlust und der Verschärfung der Ungleichheiten."
WHO/Europa wird sich weiterhin dafür einsetzen, dass Regulierung eine Notwendigkeit und nicht nur eine Option ist, da KI zu einem festen Bestandteil unserer Gesundheitsversorgung geworden ist.