09/11/2026 | Press release | Distributed by Public on 09/11/2026 12:35
Zum Tag des offenen Denkmals am Sonntag,13. September 2026, laden 60 außergewöhnliche Ort in ganz Potsdam zum Entdecken ein. Feierlich eröffnet wird der Denkmaltag um 10 Uhr vom Beigeordneten für Stadtentwicklung, Bauen, Wirtschaft und Umwelt, Bernd Rubelt, und Katja Schlisio, Bereichsleiterin der Unteren Denkmalschutzbehörde sowie vom Kommandeur des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr (ZMSBw), Oberst Dr. Frank Hagemann, im Hans-Meier-Welcker-Saal, Haus 12, Zeppelinstraße 127-128. Auf dem Gelände des ZMSBw befindet sich die Villa Ingenheim, die beispielhaft für das diesjährige Motto "NetzWERKE: Denkmale & Infrastruktur" steht und Architekturgeschichte mit gesellschaftlicher Infrastruktur verbindet.
Potsdams Beigeordneter für Stadtentwicklung, Bauen, Wirtschaft und Umwelt, Bernd Rubelt, dankt allen Beteiligten: "Der Tag des offenen Denkmals bietet eine besondere Gelegenheit, Geschichte hautnah zu erleben und die Vielfalt unseres historischen Erbes zu entdecken. Gerade in Potsdam prägen denkmalgeschützte Gebäude und Orte das Gesicht und die Identität unserer Stadt. Mein Dank gilt allen Potsdamerinnen und Potsdamern sowie den Initiativen, die ihre Denkmäler öffnen und sich mit großem Engagement für deren Erhalt einsetzen. Sie bewahren unser kulturelles Erbe und füllen es zugleich mit neuem Leben. Denn Denkmale bleiben nur dann lebendig und können auch für kommende Generationen bewahrt werden, wenn wir sie mit Leben füllen und aktiv nutzen."
Bei der Eröffnungsveranstaltung spricht Katja Schlisio über die Relevanz moderner Nutzungskonzepte in Potsdamer Denkmalen und lenkt den Blick die Vielfalt der technischen Denkmale in der Landeshauptstadt. Musikalisch wird die Eröffnung durch Musiker des Reasonance Orchester begleitet. Um 11:30 Uhr startet die erste Führung durch den Park auf dem Gelände des ZMSBw mit der Villa Ingenheim mit Oberstleutnant Dr. Heiner Bröckermann und den Wiss. Oberrat Dr. Martin Rink. Die Führung wird um 13:30 Uhr wiederholt.
Die Geschichte der heutigen Villa Ingenheim reicht mehr als 700 Jahre zurück und spiegelt die Epochen der deutschen Historie wider. Was im Jahr 1303 als städtische Ziegelei und Kalkbrennerei begann, wandelte sich 1822 unter dem Berliner Obermedizinalrat Walter zu einem ländlichen Herrensitz. Im Jahr 1849 erwarb Graf Gustav Adolf Wilhelm von Ingenheim, ein Sohn des preußischen Königs Friedrich Wilhelm II., das Anwesen und gab ihm seinen heutigen Namen. Das kaiserliche Haus Hohenzollern übernahm die Villa 1894 erneut als Residenz für hochrangige Royals. Nach dem Tod des zweiten Kaisersohnes Eitel Friedrich von Preußen im Jahr 1942 diente die Villa Ende des Zweiten Weltkrieges als Unterkunft für ausgebombte Potsdamer und einer Volkssturmeinheit der Wehrmacht zur Stadtverteidigung. Nach dem Krieg folgte eine tiefgreifende Zäsur: Im Mai 1945 wurden alle Bewohner vertrieben und der sowjetische Geheimdienst (NKWD) zog ein. Dieser nutzte die Liegenschaft bis 1953 als Verhörzentrum. Unter Anwendung von Gewalt abgepresste Geständnisse nach willkürlichen Verhaftungen führten auch zu Haft in sibirischen Straflagern. Nach der offiziellen Enteignung der Hohenzollern im Jahr 1950 zog der Stab einer Einheit der Kasernierten Volkspolizei ein, darauf folgte der Stab der 1. Motorisierten Schützendivision der Nationalen Volksarmee (NVA). Von 1958 bis zum Ende der DDR war hier das Militärgeschichtliche Institut samt Militärarchiv untergebracht.
Mit der Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 übernahm die Bundeswehr das geschichtsträchtige Areal und führte ihm eine moderne Nutzung zu. 1994 wurde das Militärgeschichtliche Forschungsamt der Bundeswehr von Freiburg i. Br. nach Potsdam in die Villa Ingenheim verlegt. Drei Jahre später begannen 1996 mehrjährige Arbeiten zur Rekonstruktion und Renovierung des Gebäudekomplexes. Das Jahr 2013 war das Gründungsjahr des heutigen Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr (ZMSBw), nachdem das Sozialwissenschaftlichen Institutes der Bundeswehr (SOWI) von Strausberg nach Potsdam zog.
Das heutige Denkmalensemble besticht durch eine einzigartige Mischung aus preußischer Residenzarchitektur und moderner Forschungs-Infrastruktur. Nach aufwendigen, denkmalgerechten Restaurierungen dient die Villa Ingenheim - das klassizistische Haupthaus im italienischen Stil heute als zentraler Dienstsitz für die Leitung und die forschenden und bildenden Abteilungen des ZMSBw. Flankiert wird der Prachtbau vom historischen Marstall, einem Stallgebäude nach englischem Vorbild, sowie den sanieren Beamtenhäusern des einstigen Hofpersonals. Zum Komplex gehören heute auch ein Gärtner- und Pförtnerhaus und ein Eiskeller. Einen gelungenen Brückenschlag in die Gegenwart markiert der moderne Bibliotheksbau im ehemaligen Reitstall: Die historische Reithalle wurde komplett umgestaltet und beherbergt seit 2007 die öffentlich zugängliche Bibliothek des Instituts mit rund 250.000 Medieneinheiten und bildet damit eine der größten Spezialbibliotheken für Militärgeschichte in Europa. Das ZMSBw ist eine Ressortforschungseinrichtung des Bundesverteidigungsministeriums in den Gebieten Militärgeschichte, Militärsoziologie und Sicherheitspolitik. Forschung, Bildung und Beratung sind seine Kernkompetenzen: für Wissenschaft, Bundeswehr und Gesellschaft.
Weitere Highlights 2026
Insgesamt 60 historische Orte - darunter Wohnhäuser, Villen, Kirchen, Museen und Parks - öffnen ihre Türen. Viele dieser Denkmale sind sonst für die Öffentlichkeit verschlossen. Der Aktionstag unter dem Motto "NetzWERKE: Denkmale & Infrastruktur" rückt Meisterwerke der Technik, historische Verkehrswege und soziale Drehkreuze in den Fokus, die seit Jahrhunderten Bewegung, Austausch und Identität stiften. Ein zentraler Bestandteil des Programms sind die historischen Bahnhöfe. Der Verein Brandenburger Vorstadt e.V. bietet Führungen durch den Jugendstilbahnhof Potsdam Charlottenhof an (um 14, 15 und 16 Uhr). Am Bahnhof Satzkorn dokumentiert eine Ausstellung von 10 bis 12 Uhr die brandenburgische Eisenbahnhistorie anhand von Informationen und Fotografien. Im revitalisierten Bürgerbahnhof Potsdam steht Besuchern der Exzellenzen-Salon offen, begleitet von einem Auftritt der Gruppe Antiqua zwischen 15 und 17 Uhr.
Auf dem Telegrafenberg kann das Kuppelgebäude des Großen Refraktors von 10 bis 18 Uhr besichtigt werden. An der Station 4 des Optischen Telegraphen gibt es von 11 bis 16 Uhr Vorführungen eines Nachbaus der Telegrafen-Maschine aus dem Jahr 1832. Der historische Helmertturm sowie das Meridian- und das Breitenhaus können zudem von außen besichtigt werden.
Der Verein Erinnerungsorte Potsdamer Grenze e.V. thematisiert die jüngere Zeitgeschichte. Von 10:30 Uhr bis 17 Uhr beginnen zu jeder vollen Stunde Führungen, die den Kontrollturm der ehemaligen Grenzübergangsstelle Nedlitz (GÜSt) und das nahegelegene Potsdamer Wasserwerk vorstellen.
Für Familien bietet der historische Schlepp-Lastkahn "Sturmvogel" von 10:30 bis 13 Uhr ein kreatives Programm im Schiffsbauch. Das Hörspiel "Das sprechende Schiff" über die Havelplötze Hanna wird an diesem Tag zu einem Sonderpreis angeboten. Zudem verkehren historische Verkehrsmittel: Die Miniaturfregatte "Royal Louise" legt um 12 Uhr und 15 Uhr zu einer einstündigen Rundfahrten ab ihrem Liegeplatz an der Glienicker Brücke ab. Auf den Schienen zwischen dem Platz der Einheit und der Glienicker Brücke kommt der Lindner-Motorwagen Nr. 9 aus dem Jahr 1907 zum Einsatz (Abfahrten und Preise sind auf der Website zu entnehmen).
Der Tag des offenen Denkmals wird seit 1993 bundesweit durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz koordiniert und findet jährlich am zweiten Sonntag im September statt.
Das vollständige Potsdamer Programm mit allen 60 Orten und detaillierten Öffnungszeiten und Angeboten ist online hier zu finden.