Landeshauptstadt Hannover

09/17/2026 | Press release | Distributed by Public on 09/17/2026 04:10

Meistbespieltes Outdoor-Klavier der Welt: Piano im Kulturdreieck ein voller Erfolg

Wenn sie in die Tasten hauen, muss man einfach kurz stehenbleiben und zuhören. Anatoly Dyatlov und Sahand Saadat-Krüger spielen leidenschaftlich gerne Klavier. Regelmäßig sitzen sie auf dem Opernplatz, wo das massive Outdoor-Piano steht, und erfreuen die vorbeilaufenden Menschen mit ihrer Musik.

Seit der Eröffnung am 12. Dezember 2025 wurden insgesamt 105.265 Minuten auf dem Klavier gespielt. Das entspricht ungefähr 73 Tagen, die das Instrument dauerhaft in Gebrauch war. Laut Herstellerangaben ist es damit das meistbespielte Outdoor-Piano der Welt. Das Geheimrezept für den Erfolg besteht aus drei Zutaten: zentral, spontan und für alle zugänglich.

Anatoly kommt mehrmals die Woche zum Opernplatz, um dort zu spielen. "Das Piano bedeutet mir wirklich eine ganze Menge", betont der 28-Jährige. Er schätzt besonders die Begegnungen, die er hier macht - sogar seine Verlobte hat er am Klavier kennengelernt.

Der Verein Piano Bombing e.V., der die Idee zu dem Allwetter-Klavier hatte und es dank eines öffentlichen "Pitches" im Rahmen von Restart:#HANnovativ der Landeshauptstadt Hannover im Kulturdreieck mit umsetzen konnte, stellt in ganz Deutschland Klaviere im öffentlichen Raum auf. Für gewöhnlich sind das alte Instrumente, die ausgesondert wurden. Das erste Piano wollte ein Freund von Mitgründer Enno Walz verschenken. Ihm kam die Idee, es unter einer Brücke in Linden zu platzieren und somit den Spaziergänger*innen eine Gelegenheit zu geben, das Musikinstrument auszuprobieren.

Weil das so gut ankam, entstand laut Walz bald ein neuer Wunsch: "Die Idee des ewigen Pianos war interessant. Also ein Klavier, das für die Ewigkeit bestimmt ist." So war das Beton-Piano geboren. Eine Spezialfirma stellte das Gerät inklusive Solarpanel her - für etwas Dauerhaftes im Kulturdreieck zwischen Opernhaus, Künstlerhaus und Schauspielhaus und ganz im Sinne Hannovers als UNESCO City of Music.

Stolze 500 Kilogramm bringt die robuste Konstruktion auf die Waage. Dadurch ist es gegen schlechtes Wetter und Vandalismus gut gerüstet. Unter der Betonhülle verbirgt sich ein elektronisches Klavier. Eine App steuert das Gerät. So kann die Stadtverwaltung die Lautstärke des Instruments regulieren.

Gerade die Niedrigschwelligkeit des Pianos bietet viel Raum für Kreativität. "Wir hatten letztens eine Jam-Session", erinnert sich Sahand. "Wir haben alle gemeinsam musiziert, dabei kannten wir uns vorher gar nicht. Das zeigt, dass Menschen durch die Musik zusammenkommen, egal wo sie herkommen." Auch spontane Konzerte sieht er öfter. Manche Menschen bringen eigene Instrumente mit oder singen ein Lied am Klavier. "Hier ist wirklich alles mit dabei."

Melanie Botzki, Leitung Stabstelle Kulturmanagement, freut sich über die rege Begeisterung: "Das ist ganz wichtig für uns. Kultur ist demokratiefördernd und an diesem Piano erleben wir das jeden Tag. Solche Kulturorte, die konsumfrei sind und wo man sich einfach begegnen kann, brauchen wir mehr in der Stadt. Das Piano ist einer der ersten dieser Art."

Neben spontanen Musikeinlagen bindet die Stadt das Instrument von Anfang an in Kulturveranstaltungen ein. Die Konzertreihe OPEN KEYS: Klaviermusik im Kulturdreieck bringt professionelle Pianist*innen immer wieder zum Piano auf dem Opernplatz. Somit dient das Klavier als Brücke zwischen Alltagsbegegnungen und der Musikbranche. Das nächste Konzert, kuratiert und durchgeführt von wim - FLINTA* in music, gibt Lina Roß am Mittwoch, den 7. Oktober 2026, um 18:00 Uhr.

Momentan steht das Piano mit einer Sondergenehmigung auf dem Opernplatz. Diese gilt noch bis Dezember. Danach, so verrät Melanie Botzki, soll das Klavier aufgrund der positiven Resonanz dauerhaft bleiben. Obwohl Sahand als langjähriger Musiker auch ein eigenes Klavier besitzt, nimmt das Outdoor-Piano einen besonderen Platz in seinem Herzen ein: "Es ist zu einem Begegnungsort geworden. Ich bin regelmäßig hier und wenn das Piano irgendwann nicht mehr da sein sollte, würde mir im Leben etwas fehlen. Das wäre sehr schade."

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