10/06/2026 | Press release | Distributed by Public on 10/06/2026 10:36
Physik-Nobelpreis für TUM-Ehrenprofessor Francis Halzen
Der belgisch-amerikanische Teilchenphysiker und TUM Distinguished Affiliated Professor Francis Halzen erhält den Nobelpreis für Physik. Er wird für seine Pionierarbeit in der Neutrino-Astronomie und den ersten Nachweis der Teilchen mit dem gewaltigen "IceCube"-Detektor am Südpol ausgezeichnet, wie die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften in Stockholm mitteilte.
Der seit Langem emeritierte Forscher wirkt in der Neutrino-Forschung weiterhin aktiv mit - auch an der Technischen Universität München (TUM). Als externes Mitglied des ORIGINS-Clusters von TUM und LMU forscht Francis Halzen mit Prof. Elisa Resconi, TUM-Professorin für Experimental Physics with Cosmic Particles. Dabei geht es um die Erforschung der Quelle kosmischer Neutrinos.
Bereits seit 2012 ist Halzen TUM Distinguished Affiliated Professor. Mit dem Ehrentitel zeichnet die TUM international herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus, die ein Fachgebiet führend entwickelt haben und mit ihrer Kollegenschaft an der TUM langfristig zusammenarbeiten.
Prof. Resconi sagte: "Das ist ein großartiger Tag! Francis Halzens wunderbare Persönlichkeit und sein Mut, sich auf das vermeintlich verrückte Experiment IceCube einzulassen, sind vorbildlich für ganze Generationen von Forschenden, deren Karrieren er gefördert und geprägt hat. Dieser Nobelpreis ist auch eine Anerkennung für die vielen hundert seiner Kolleginnen und Kollegen in diesem einzigartigen Forschungsprojekt. Er ist jedoch Herz und Seele dieser Forschung."
Dr. Philipp Eller, Mitglied des internationalen Leitungsteams des IceCube-Observatoriums und Forschungsgruppenleiter am Lehrstuhl von Prof. Resconi, sagte: "Es gibt keinen Zweifel, dass Francis Halzen den Nobelpreis verdient. Als Begründer der Neutrino-Astronomie hat er ein Tor aufgestoßen, das uns bislang ungekannte Einblicke in das Universum ermöglicht."
TUM-Präsident Prof. Thomas F. Hofmann betonte: "Die Neutrino-Astronomie ist eines der spannendsten Themen in der gegenwärtigen Physik. Als TUM sind wir hier über das Forschungsteam von Prof. Resconi und den ORIGINS-Cluster sehr aktiv. Ich freue mich außerordentlich, dass der uns seit Langem verbundene Prof. Francis Halzen mit dem Nobelpreis nun die verdiente Anerkennung für sein wissenschaftliches Lebenswerk erhält."
IceCube ist das wohl außergewöhnlichste Teleskop der Welt: Im ewigen Eis des Südpols eingefroren liegen seine 5160 optischen Sensoren, die Zusammenstöße von Neutrinos mit Eismolekülen registrieren.
Mit Teleskopen, die Licht, Gamma- oder Röntgenstrahlung aus dem All auffangen, lassen sich die aktiven Zentren von Galaxien nur schwer erforschen, weil Wolken aus kosmischem Staub und heißem Plasma die Strahlung absorbieren. Dem Inferno am Rande Schwarzer Löcher entkommen nur Neutrinos, die so gut wie keine Masse und keine elektrische Ladung haben. Sie durchqueren den Kosmos nahezu ungehindert und werden von elektromagnetischen Feldern nicht abgelenkt. Deshalb sind sie so schwer nachzuweisen.
IceCube ist riesig: Es umfasst einen ganzen Kubikkilometer Eis. Denn je mehr Materie die Neutrinos durchqueren, desto wahrscheinlicher ist es, dass doch einmal eines von ihnen mit einem anderen Teilchen zusammenstößt - und der IceCube-Detektor es registriert. Aus diesen Messungen lassen sich Rückschlüsse auf die physikalischen Prozesse ziehen, bei denen die Neutrinos entstanden sind und ins All ausgesandt wurden.
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