10/26/2026 | News release | Distributed by Public on 10/26/2026 07:09
Cyberangriffe lassen sich nicht vollständig verhindern. Entscheidend ist, wie handlungsfähig Unternehmen im Ernstfall bleiben. Benjamin Tiggemann, Leiter des Competence Teams IT Security, und Dominik Kremers, Bereichsleiter Geschäftskunden bei NetCologne Business, erklären, warum Cyberresilienz mehr als technische Schutzmaßnahmen erfordert und welche Rolle widerstandsfähige IT-Infrastrukturen, klare Verantwortlichkeiten und eine gute Vorbereitung spielen.
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Benjamin Tiggemann: Ein gut abgesichertes Unternehmen nutzt Standards wie XDR, phishingresistente MFA, sauberes Identity und Access Management sowie Zero-Trust-Prinzipien. Es kennt
seine Angriffsfläche, überwacht diese kontinuierlich und schult Mitarbeitende regelmäßig. Wichtig
sind auch ausreichende interne Ressourcen, um Sicherheitslösungen und Dienstleister wirksam zu
steuern.
Ein resilientes Unternehmen geht einen Schritt weiter: Es geht davon aus, dass Sicherheitsvorfälle
trotz aller Maßnahmen passieren können. Deshalb werden Incident-Response-, Backup- und
Business-Continuity-Prozesse regelmäßig getestet und verbessert. Backups sind unveränderbar
und vom Produktivnetz getrennt.
Der Unterschied: Gute Absicherung reduziert die Wahrscheinlichkeit eines Angriffs. Resilienz
begrenzt dessen Auswirkungen.
Dominik Kremers: Viele Unternehmen fragen sich, ob der eigene Serverraum oder ein
Hyperscaler sicherer ist. Hyperscaler verfügen über enorme Ressourcen und spezialisierte
Sicherheitsteams, schaffen aber auch Abhängigkeiten bei Datenhoheit und Anbieterbindung.
Aus unserer Sicht liegt die Lösung oft in hybriden Szenarien. Wer Infrastruktur flexibel zwischen
verschiedenen Standorten oder Anbietern verschieben kann, erhöht seine Resilienz deutlich.
Verteilte Rechenzentren eignen sich dabei für Backups oder als Notfallstandorte.
Zudem wird der Aufwand eines sicheren Eigenbetriebs häufig unterschätzt. Lokale Hosting-Anbieter bieten hier oft Vorteile bei Transparenz, Datenstandort und digitaler Souveränität.
Benjamin Tiggemann: Mit NIS-2 gibt es erstmals klare Anforderungen und Verantwortlichkeiten
bis in die Geschäftsführung hinein. Das ist ein wichtiger Fortschritt.
Dennoch werden wir beide Entwicklungen sehen: Unternehmen mit bereits etablierten
Sicherheitsprozessen integrieren die Vorgaben meist problemlos. Andere konzentrieren sich vor
allem auf die formale Erfüllung von Compliance-Anforderungen.
Entscheidend wird sein, wie konsequent die Vorgaben kontrolliert und durchgesetzt werden. Erst
dann wird sich zeigen, ob NIS-2 zu mehr Cyberresilienz führt oder vor allem als Pflichtübung
wahrgenommen wird.
Benjamin Tiggemann: KI stärkt sowohl Angreifer als auch Verteidiger. Kriminelle können
Phishing-Kampagnen personalisieren und Angriffe effizienter skalieren. Gleichzeitig unterstützt KI
aber auch Sicherheitsteams dabei, Anomalien schneller zu erkennen und Vorfälle besser zu
priorisieren.
Gerade für Unternehmen mit begrenzten Ressourcen ist KI eine Chance. Sie müssen moderne
Sicherheitslösungen nicht selbst entwickeln, sondern können auf professionelle Dienste und
Plattformen mit integrierten KI-Funktionen zurückgreifen. Trotzdem bleibt die Technologie nur ein Werkzeug. Entscheidend sind weiterhin klare Prozesse, Verantwortlichkeiten und eine durchdachte Sicherheitsstrategie.
Benjamin Tiggemann: Aus Penetrationstests ergeben sich für uns zwei zentrale Fragen. Die
erste: Kennen wir unsere digitale Angriffsfläche wirklich? Häufig finden sich vergessene Systeme,
offene Zugänge oder veraltete Anwendungen, die weder dokumentiert noch bewertet wurden. Sie
erhöhen das Risiko erheblich.
Und die zweite: Was tut unser IT-Dienstleister konkret für die Sicherheit unserer Umgebung? Da
fast jedes Unternehmen auf externe Partner angewiesen ist, sollten deren Sicherheitsmaßnahmen
regelmäßig überprüft werden. Verantwortung lässt sich delegieren, die Haftung jedoch nicht.
Beide Fragen führen zum gleichen Punkt: Resilienz beginnt mit einem realistischen Blick auf den
tatsächlichen Zustand der eigenen IT.
Dominik Kremers: Cyberresilienz entsteht nicht allein mittels Technologie. Die besten Sicherheitslösungen reichen nicht aus, wenn Verantwortlichkeiten unklar sind oder Unternehmen Risiken erst nach einem Vorfall adressieren. Resiliente Organisationen verankern Cyberrisiken auf Managementebene und als Teil des Risikomanagements. Entscheidungen zu Investitionen, Notfallvorsorge oder Datenhaltung werden dabei mit Blick auf die Geschäftskontinuität getroffen.
Gleichzeitig ist Cyberresilienz eine Kulturfrage. Mitarbeitende müssen ihre Rolle kennen, im
Ernstfall handlungsfähig sein und auf klare Prozesse zurückgreifen können. Regelmäßige
Übungen und definierte Kommunikationswege sind dabei ebenso wichtig wie technische
Schutzmaßnahmen. Am Ende zeigt sich Resilienz nicht daran, ob ein Angriff stattfindet, sondern
daran, wie schnell und kontrolliert ein Unternehmen darauf reagieren kann.
Zusammenfassend ist Cyberresilienz aus dem Zusammenspiel von Technologie, Infrastruktur,
Prozessen und einer Unternehmenskultur, die Sicherheit als strategische Verantwortung versteht.
Entscheidend ist nicht nur, Angriffe abzuwehren, sondern den Geschäftsbetrieb auch im Krisenfall
aufrechterhalten und schnell wiederherstellen zu können.