WHO - World Health Organization Regional Office for Europe

07/16/2026 | Press release | Archived content

Planung für eine wärmere Welt

Europa ist der sich am schnellsten erwärmende Kontinent der Erde, auf dem die Temperaturen etwa doppelt so schnell steigen wie im globalen Durchschnitt. Der Temperaturanstieg kann zu einer raschen Zunahme von Krankheits- und Todesfällen führen und grundlegende Versorgungssysteme wie das Gesundheits- und Sozialwesen abrupt belasten. Extreme Hitze stellt eine wachsende Gefahr für die öffentliche Gesundheit und eine Herausforderung für die Gesundheitssicherheit dar, die sich jedes Jahr stärker auswirken dürfte. Die Bilanz dieses Sommers wird noch ermittelt, doch bereits jetzt sind nach Daten aus lediglich fünf Ländern hitzebedingt nahezu 10 000 zusätzliche Todesfälle zu verzeichnen.

WHO/Europa hat verschiedene Instrumente und gesundheitliche Ratschläge erarbeitet, um den Ländern bei der Vorbereitung auf extreme Hitze, die es als wiederkehrende Krise in der Europäischen Region der WHO anerkennt, sowie bei Gegen- und Anpassungsmaßnahmen zu helfen. Dazu gehört ein Ressourcenpaket mit fachlichen Leitlinien für die Mitgliedstaaten zum Thema Hitzewellen und Waldbrände für den Sommer 2026.

Aufbau widerstandsfähiger Gesundheitseinrichtungen

Hitzewellen können einen Ansturm auf die Gesundheitsversorgung bewirken und damit Einrichtungen unter Druck setzen, die möglicherweise nicht für den Umgang mit höheren Temperaturen konzipiert sind. In den Städten unterliegen Krankenhäuser oft dem dort herrschenden Wärmeinseleffekt, denn in bebauten Gebieten ist es deutlich wärmer als in den umliegenden ländlichen oder vorstädtischen Gebieten. Dadurch kann es zur Überhitzung von Gebäuden und zu Ausfällen bei der Stromversorgung, den Kühlsystemen und den IT-Diensten kommen, was die Notwendigkeit verdeutlicht, die Klimaresilienz von Gesundheitseinrichtungen zu stärken. Sowohl das Personal als auch die Patienten sind anfällig gegenüber Hitze und erhöhten Temperaturen und somit von Stress und Burnout betroffen.

In Rumänien nehmen einige Krankenhäuser Anpassungen im Hinblick auf einen besseren Umgang mit extremer Hitze vor. Das Krankenhaus in Buhuși ist bei Hitze eine wichtige Anlaufstelle für die örtliche Bevölkerung. Ein eigens eingerichteter kühler Raum steht allen offen, die unter einem Hitzeschlag leiden. Zudem wird kühles Wasser bereitgestellt, und das medizinische Personal ist darin geschult, frühe Anzeichen von Hitzekollaps zu erkennen. Zur Vorbereitung auf steigende Temperaturen hat das Krankenhaus Fördermittel für die Installation eines hocheffizienten Kühlsystems für das gesamte Gebäude beantragt.

In der gesamten Europäischen Region unterstützt die WHO Krankenhäuser im Rahmen ihrer Initiative für Krankenhaussicherheit bei der Vorbereitung auf Hitzeperioden als eine von mehreren Gefahren. Bei dieser Initiative wird der sogenannte Index für Krankenhaussicherheit (HSI) herangezogen, ein standardisiertes Bewertungsinstrument zur Messung der Wahrscheinlichkeit, dass ein Krankenhaus in Notlagen betriebsbereit bleibt. Der HSI wird zwar traditionell zur Bewertung der Vorsorge für Naturgefahren wie Erdbeben oder Überschwemmungen herangezogen, dient den Ländern jedoch zunehmend auch dabei, klima- und wetterbedingte Gefahren und Gefährdungen, etwa extreme Temperaturen, darunter Risiken für die Stromversorgung, Kühlsysteme, die Wasserverfügbarkeit sowie das Wohlbefinden von Patienten und Personal, zu ermitteln.

In den letzten Jahren haben Länder wie Armenien, Georgien, Kasachstan, Polen und die Ukraine mit Unterstützung der WHO HSI-Bewertungen und Schulungsprogramme durchgeführt, um den Behörden dabei zu helfen, vorrangige Investitionen zu bestimmen und die Vorsorge zu stärken. Der HSI bezieht klimabedingte Risiken in die Sicherheitsplanung von Krankenhäusern ein und trägt so dazu bei, dass Gesundheitseinrichtungen bei Hitzewellen und anderen klimabedingten Notlagen weiter grundlegende Dienstleistungen erbringen können.

Ein Beispiel aus dem Vereinigten Königreich Großbritannien und Nordirland

Hitzeaktionspläne zum Schutz der Gesundheit (HHAP) werden auf nationaler und lokaler Ebene eingesetzt, um Maßnahmen in den Bereichen Vorsorge, Risikokommunikation und Reaktion unter einem Dach zu vereinen. Seit WHO/Europa 2008 den ersten umfassenden Leitfaden zu HHAP veröffentlichte, haben Länder in der gesamten Europäischen Region und weltweit auf die Ratschläge der WHO zurückgegriffen, um ihre HHAP auszuarbeiten und zu verbessern, indem sie Evidenz in praktische Systeme überführen.

Die Britische Gesundheitssicherheitsbehörde unterhält einen Plan für widrige Wetterbedingungen und Gesundheit mit Angaben dazu, wie sich das Land auf wetterbedingte Gesundheitsrisiken, einschließlich extremer Hitze, vorbereitet und darauf reagiert. Der Plan stützt sich auf ein gemeinsam mit dem Met Office, dem nationalen Wetter- und Klimadienst, entwickeltes farbkodiertes Warnsystem, bei dem die einzelnen Warnstufen mit praktischen Maßnahmen für Gesundheitsdienste, kommunale Behörden, Bürgergruppen und die Öffentlichkeit verknüpft werden, was zum Schutz der am stärksten gefährdeten Personen und zur Entlastung des nationalen Gesundheitswesens in Hitzeperioden beiträgt.

Angesichts erwarteter Temperaturen, die im Mai 2026 auf einen Rekordwert von 35,1 °C kletterten, erließen die Behörden des Vereinigten Königreichs gelbe Gesundheitswarnungen mit Hinweisen auf mögliche gesundheitliche Auswirkungen für die breite Bevölkerung. Rote Warnungen ergingen im Juni 2026, als in Teilen des Landes nie dagewesene Temperaturen von bis zu 37,7 °C erreicht wurden. Diese ungewöhnliche Hitze hat deutlich gemacht, wie wichtig HHAP dafür sind, die gravierenden Folgen hoher Temperaturen zu vermitteln, und dass entsprechende Maßnahmen ergriffen werden müssen. Da ein Großteil der baulichen Infrastruktur des Landes nicht für Hitze ausgelegt ist, sind zudem langfristige Anpassungsmaßnahmen erforderlich.

Neuer HHAP-Leitfaden

Das Europäische Zentrum der WHO für Umwelt, Klimawandel und Gesundheit in Bonn hat einen neuen Leitfaden für Hitzeaktionspläne zum Schutz der Gesundheit veröffentlicht, der als internationaler Maßstab für systematische, evidenzbasierte Gesundheitsmaßnahmen dient. Der Leitfaden wird sich nicht nur für die Länder und kommunalen Behörden, die erstmals einen HHAP ausarbeiten, sondern auch bei der Überprüfung, Verbesserung und Stärkung bestehender HHAP in anderen Ländern der Region und weltweit als hilfreich erweisen. Er bildet einen acht Kernelemente umfassenden Rahmen, der wesentliche Maßnahmen und Entscheidungspunkte für die Planung, Koordination, Umsetzung und laufende Verbesserung beleuchtet.

Im Kontext des neuen Leitfadens wurden fünf Kurzdossiers mit Handlungsempfehlungen für verschiedene Bereiche sowie eine Datenbank mit Gesundheitshinweisen zur Risikokommunikation erstellt, die zahlreiche einfache und praktische Schritte enthalten, mit denen sich Menschen bei Hitze schützen - und ihren Mitmenschen helfen - können. Die zentrale Erkenntnis des Leitfadens lautet, dass Menschen keine passiven Empfänger von Warnungen und Ratschlägen sind. Mit den richtigen Informationen, Unterstützung und praktischen Maßnahmen können sie aktiv dazu beitragen, ihre eigene Gesundheit zu schützen und anderen zu helfen, extremer Hitze sicher zu begegnen.

Die Kurzdossiers enthalten maßgeschneiderte Empfehlungen für verschiedene Bevölkerungsgruppen und stellen sicher, dass die Gesundheitshinweise zum Thema Hitze klar, verständlich und umsetzbar sind. Großer Wert wird darin auf den Kontakt zu gefährdeten und schwer erreichbaren Gruppen gelegt, und zugleich wird aufgezeigt, welche digitalen, traditionellen und gemeindenahen Kanäle für eine optimale Wirkung der Gesundheitshinweise am effektivsten sind. Ausgehend von Fallstudien der WHO und international bewährten Verfahren fördern die Kurzdossiers evidenz- und erkenntnisgestützte Kommunikationsansätze, mit denen die Menschen extreme Hitze besser verstehen, sich darauf einstellen und sich davor schützen können.

Maßnahmen zur Eindämmung der Folgen einer Erwärmung der Erde

Die größere Hitze in Europa lässt sich nicht allein durch Maßnahmen in Europa bewältigen, sondern ist ein globales Problem, das koordiniert und weltweit angegangen werden muss. Im Juli 2024 ermutigte der Generalsekretär der Vereinten Nationen (VN), António Guterres, alle Ländern zur Abfassung von HHAP und forderte dringende und gemeinsame Anstrengungen zur Stärkung der internationalen Zusammenarbeit gegen extreme Hitze unter Beteiligung von 10 Sonderorganisationen der VN, darunter die WHO.

Im Rahmen des Zweiten Europäischen Arbeitsprogramms der WHO 2026-2030 (EPW2) bilden die Förderung von Maßnahmen im Bereich Klima und Gesundheit sowie der Schutz der Bevölkerung vor Umweltrisiken eine zentrale Priorität, die eng mit der Maximierung der Gesundheitssicherheit verbunden ist. Dazu gehören Maßnahmen gegen Hitze und HHAP. Im Rahmen von "Vorsorge 2.0", der auf fünf Jahre angelegten Strategie zur Stärkung der Vorsorge sowie Reaktions- und Widerstandsfähigkeit bei gesundheitlichen Notlagen in der Europäischen Region der WHO, sind Klimarisiken sind zudem unmittelbar in die zentralen Bereitschaftsziele der Region eingebettet. Mit ihrem gefahrenübergreifenden Ansatz trägt die Strategie dazu bei, Lücken in der Gesundheitssicherheit zu schließen und die kollektive Bereitschaft für künftige Bedrohungen, etwa die zunehmende Häufigkeit und Intensität extremer Wetterereignisse aufgrund des Klimawandels, zu stärken.

Obwohl die Bewältigung hitzebedingter Vorfälle eine gewaltige Aufgabe darstellt, besteht Hoffnung, wenn jetzt Maßnahmen ergriffen werden, wie Dr. Hans Henri P. Kluge, WHO-Regionaldirektor für Europa, betont: "Unsere Region erwärmt sich schneller als alle anderen. Allein in den letzten vier Jahren hat die Hitze mehr als 200 000 Menschenleben gefordert, während die hitzebedingte Sterblichkeit in den vergangenen 20 Jahren um 30 % gestiegen ist. Todesfälle infolge von Hitze sind jedoch nicht unvermeidlich. Wir wissen, wie wir die Menschen schützen können: die Bevölkerung frühzeitig warnen, die Städte kühler gestalten, für Zugang zu Wasser und Schatten sorgen, die am stärksten gefährdeten Personen im Blick behalten und die Gesundheitssysteme wappnen, bevor die Temperaturen ihren Höchststand erreichen."

WHO - World Health Organization Regional Office for Europe published this content on July 16, 2026, and is solely responsible for the information contained herein. Distributed via Public Technologies (PUBT), unedited and unaltered, on August 05, 2026 at 12:09 UTC. If you believe the information included in the content is inaccurate or outdated and requires editing or removal, please contact us at [email protected]