02/02/2026 | Press release | Archived content
AI in Biomedicine
Mehr als ein Studiengang: Leibniz-Preisträger Daniel Rückert im Interview über das Potenzial des neuen Elite-Masterstudiengangs an der Schnittstelle von Künstlicher Intelligenz und Biomedizin, die Zukunft personalisierter Medizin und seine persönlichen Erwartungen an das neue Programm.
Mich hat vor allem meine tägliche Arbeit in Forschung und Lehre motiviert. In den letzten Jahren sehe ich immer wieder, wie groß das Potenzial von KI in der Biomedizin ist - und gleichzeitig, wie schwierig es teilweise ist, hervorragend ausgebildete Studierende zu finden, die sowohl die methodische Tiefe in der KI als auch ein echtes Verständnis für biomedizinische Fragestellungen mitbringen. Für anspruchsvolle Masterarbeiten, und später auch für Promotionen, braucht es genau diese Kombination. Mit dem Masterstudiengang AI in Biomedicine wollen wir einen strukturierten Rahmen schaffen, in dem Kompetenzen aus der Informatik und der Biomedizin von Anfang an zusammengeführt werden - auf hohem wissenschaftlichem Niveau und mit engem Bezug zur aktuellen Forschung.
Gleichzeitig war es mir ein persönliches Anliegen, besonders talentierten und motivierten Studierenden ein Umfeld zu bieten, in dem sie früh Verantwortung übernehmen, eigenständig denken und an realen medizinischen Fragestellungen arbeiten können. AI in Biomedicine ist für mich daher nicht nur ein Studiengang, sondern auch eine Investition in die nächste Generation von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die fundierte KI-Methoden mit biomedizinischem Wissen verbinden und diese Kompetenzen später in Forschung, Klinik oder Industrie weitertragen.
Der Bedarf an qualifizierten Fachkräften an der Schnittstelle zwischen Medizin und KI wächst rasant. Alternde Gesellschaften, mehr chronische Erkrankungen und steigende Gesundheitskosten erhöhen den Druck auf Gesundheitssysteme weltweit. Gleichzeitig entstehen in den biomedizinischen Wissenschaften enorme Mengen an komplexen Daten, von Genomsequenzen über Bildgebung bis hin zu elektronischen Gesundheitsakten, die nur mit modernen KI-Methoden sinnvoll verarbeitet werden können.
Künstliche Intelligenz treibt heute wesentliche Fortschritte in Diagnostik, Therapieentwicklung und personalisierter Medizin voran und trägt dazu bei, medizinische Versorgung effizienter und nachhaltiger zu gestalten. Ein spezialisiertes Programm wie der Elitemaster AI in Biomedicine (AIBM) ist daher wichtiger denn je: Es vereint fundierte KI-Expertise mit biomedizinischem Fachwissen und qualifiziert Studierende dafür, innovative Lösungen für die drängenden Herausforderungen moderner Gesundheitssysteme zu entwickeln.
KI wird beispielsweise dazu beitragen, Daten aus sehr unterschiedlichen Quellen intelligent miteinander zu verknüpfen - etwa medizinische Bilddaten mit Genomik, Laborwerten oder anderen klinischen Parametern. Durch diese integrierte Sicht lassen sich Zusammenhänge erkennen, die in einzelnen Daten verborgen bleiben. So können feinere Subtypen von Erkrankungen identifiziert, Krankheitsverläufe präziser vorhergesagt und Therapieoptionen individueller ausgewählt werden. Darüber hinaus ermöglichen solche multimodalen Modelle ein tieferes Verständnis biologischer Prozesse und die Entdeckung neuer diagnostischer Marker oder therapeutischer Angriffspunkte. Dies wird die Entwicklung personalisierter Medizin in den kommenden Jahren erheblich beschleunigen.
Der Studiengang AI in Biomedicine hebt sich von anderen Angeboten vor allem durch seine interdisziplinäre Ausrichtung ab. Während viele Programme nur einzelne Anwendungen oder Spezialisierungen abdecken, umfasst AIBM den gesamten Lebenszyklus von KI-Systemen: von der algorithmischen Entwicklung über Datenmanagement bis zur klinischen Implementierung. Ergänzt wird dies durch die feste Verankerung von Ethik, sozialer Verantwortung und Leadership im Curriculum, sodass unsere Studierenden nicht nur technisch exzellent ausgebildet werden, sondern auch die gesellschaftlichen Dimensionen von KI im Gesundheitswesen verstehen.
Zugleich stärkt AIBM Kompetenzen in Entrepreneurship, Wissenschaftskommunikation und Public Engagement und bereitet die Absolventinnen und Absolventen darauf vor, die Zukunft im Bereich KI in der Biomedizin aktiv mitzugestalten. Die enge Kooperation der TUM mit der FAU vereint zwei führende Standorte in KI, Ingenieurwissenschaften und Medizin und eröffnet Zugang zu herausragender Forschung, modernster Infrastruktur und starken Industrie- und Kliniknetzwerken.
Die Förderung durch das Elitenetzwerk Bayern eröffnet unserem Studiengang Möglichkeiten, die in regulären Programmen kaum realisierbar wären. Die Studierenden profitieren von besonders kleinen Kohorten, was ein intensives, persönliches Mentoring durch unsere Lehrenden und Forschenden ermöglicht. Sie erhalten dadurch eine individuelle Betreuung und können früh in anspruchsvolle Forschungsprojekte einsteigen. Darüber hinaus bietet das Elitenetzwerk Zugang zu spezialisierten Förderformaten, Retreats und interdisziplinären Austauschangeboten. Die Kombination dieser exklusiven Ressourcen mit dem renommierten akademischen Umfeld von TUM und FAU schaffen eine Lern- und Forschungsatmosphäre, wie sie in größeren und stärker standardisierten Masterprogrammen kaum denkbar wäre.
"Die Absolventinnen und Absolventen sollen sichtbar Spuren hinterlassen - in Forschung, Klink, Industrie oder Start-ups"
AIBM bietet außergewöhnliche Freiräume für eigene Ideen, und ich hoffe, dass die Studierenden diese aktiv nutzen - sei es durch innovative Forschungsprojekte, interdisziplinäre Zusammenarbeit oder den Austausch mit Klinik, Wissenschaft und Industrie. Gleichzeitig hoffe ich, dass die ersten Kohorten eine starke Gemeinschaft formen und von Studierenden mitgestaltete Initiativen den Geist des Programms langfristig prägen und künftigen Studierenden als Vorbild dienen.
Wenn Sie in einigen Jahren zurückblicken: Woran würden Sie erkennen, dass der Studiengang sein Potenzial wirklich entfaltet hat?
Ich würde erkennen, dass das Programm sein Potenzial entfaltet hat, wenn unsere Absolventinnen und Absolventen sichtbar Spuren hinterlassen - sei es in Forschung, Klinik, Industrie oder Start-ups. Wenn sie eigenständige Lösungen entwickeln, gesellschaftliche Verantwortung übernehmen und aktiv dazu beitragen, KI sinnvoll und sicher in die Medizin zu bringen, wäre das für mich ein klarer Erfolg. Ebenso wäre ein starkes, lebendiges Alumni-Netzwerk ein Zeichen dafür, dass AIBM nicht nur ein Studiengang ist, sondern ein längerfristiger Impulsgeber für Innovation im Gesundheitswesen.
Prof. Dr. Daniel Rückert ist Alexander-von-Humboldt-Professor für Artificial Intelligence in Medicine and Healthcare an der Technischen Universität München (TUM), wo er in der School of Computation, Information and Technology sowie der School of Medicine and Health tätig ist. Zuvor war er Professor für Visual Information Processing und Leiter des Department of Computing am Imperial College London. Rückert hat wegweisende KI-Methoden zur medizinischen Bildgebung entwickelt und wurde 2025 mit dem Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis ausgezeichnet. Er ist verantwortlich für den neuen Masterstudiengang AI in Biomedicine an der TUM.
Der Masterstudiengang AI in Biomedicine wird ab Wintersemester 2026/27 erstmals angeboten. Der Studiengang ist eine Kooperation der TUM mit der FAU Erlangen-Nürnberg, gefördert durch das Elitenetzwerk Bayern. Die Bewerbung für die erste Kohorte ist bis 31.05.2026 möglich.
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