In der Ukraine wird im Rahmen des nationalen Impfplans erstmals Mädchen im Alter von 12 bis 13 Jahren eine Einzeldosis des Impfstoffs gegen humane Papillomaviren (HPV) angeboten.
Inmitten des andauernden Krieges war die HPV-Impfung die erste Impfung seit fast zwei Jahrzehnten, die neu in den nationalen Impfplan aufgenommen wurde.
Mit Stand vom 1. März 2026, knapp zwei Monate nach der Einführung der Impfung, waren bereits 47 500 Mädchen geimpft, etwa 11 % der für das erste Jahr vorgesehenen Kohorte. Ziel ist es, bis Ende 2026 etwa die Hälfte aller in Frage kommenden Mädchen im Land zu erreichen und in Zukunft auch andere Altersgruppen einzubeziehen.
"Ich habe mich auf die Gelegenheit gefreut, meine Tochter impfen zu lassen, weil ich schon lange über diese Impfung Bescheid wusste und Gutes darüber gehört hatte. Deshalb war ich sehr erfreut, als unser Hausarzt mich anrief und meine Tochter zur HPV-Impfung einlud. Dieser Impfstoff ist für Mädchen sehr wichtig, weil er Krebs verhindert", sagt Olena, Mutter der 13-jährigen Sofia, die gerade gegen HPV geimpft wurde.
Eine strategische Antwort auf Gebärmutterhalskrebs
Gebärmutterhalskrebs ist nach wie vor eine erhebliche Bedrohung für die Gesundheit von Frauen in der Ukraine: Jährlich werden etwa 3000 neue Fälle und bis zu 1100 Todesfälle gemeldet. Aus diesem Grund verfolgt die Ukraine einen systematischen Ansatz zur Bekämpfung dieser Krankheit.
Die Einführung der HPV-Impfung folgt auf die Verabschiedung von zwei nationalen Strategien durch das ukrainische Kabinett: der nationalen Impfstrategie und der Krebsbekämpfungsstrategie.
Die nationale Impfstrategie orientiert sich an der Europäischen Impfagenda 2030 der WHO und zielt darauf ab, die Durchimpfung zu erhöhen, impfpräventable Krankheiten zu bekämpfen und die durch COVID-19 und den anhaltenden Krieg beeinträchtigte primäre Gesundheitsversorgung wiederherzustellen. Die neue Strategie umfasst auch einen aktualisierten nationalen Impfplan.
Die Krebsbekämpfungsstrategie wiederum sieht die Einführung eines vielschichtigen Systems von Maßnahmen zur Prävention maligner Neoplasmen vor.
Die Vorbereitung und Durchführung der HPV-Impfkampagne fand unter noch nie dagewesenen Bedingungen statt. Seit Beginn des Krieges haben mehr als 2880 Angriffe auf Gesundheitseinrichtungen, der Verlust von über 600 Mitarbeitern des Gesundheitswesens, weit verbreitete Stromausfälle und ständiger Artilleriebeschuss die Gesundheitsversorgung stark beeinträchtigt.
Modernisierung des nationalen Impfprogramms
Neben der Einführung der HPV-Impfung sieht der aktualisierte nationale Impfplan der Ukraine auch eine Umstellung auf ausschließlich inaktivierten Polio-Impfstoff vor, sodass der orale Polio-Impfstoff künftig nicht mehr verwendet wird.
Das Programm beinhaltet ferner eine frühere zweite Dosis des Masern-Mumps-Röteln-Impfstoffs, den gezielten Einsatz des Hepatitis-B-Impfstoffs bei der Geburt für Hochrisikogruppen und den verstärkten Einsatz von Kombinationsimpfstoffen, um die Zahl der Klinikbesuche und Injektionen zu verringern, die für alle empfohlenen Impfungen erforderlich sind.
Die WHO hat maßgeblich dazu beigetragen, das Land auf die Aktualisierung des nationalen Impfplans vorzubereiten.
Gemeinsam mit dem Gesundheitsministerium und einer Reihe von Partnern trug die WHO dazu bei, einen konkreten Einführungsplan und klinische Leitlinien sowie Empfehlungen für Nachholimpfungen zu entwickeln, die Impfsicherheitspraxis zu aktualisieren, das Impfstoffmanagement, die Mikroplanung und die Kommunikation zu verbessern und einen ressortübergreifenden Koordinationsmechanismus zu schaffen. Zu den Bemühungen im Bereich der Kompetenzbildung gehörte die Vorbereitung von 202 Ausbildern, die in sämtlichen Regionen Schulungen für insgesamt 20 170 Hausärzte, Kinderärzte und Pflegekräfte durchführten.
Die Unterstützung umfasste auch die Entwicklung und landesweite Verteilung praktischer Arbeitshilfen, die Bereitstellung von Online-Informationsmaterial, die Modernisierung digitaler Melde- und Lagerverwaltungssysteme für Impfstoffe, fachliche Unterstützung in Bezug auf die Zusammensetzung von Impfstoffen und unerwünschte Vorfälle nach Impfungen sowie die Ausarbeitung eines Krisenkommunikationsplans.
"Die WHO hat unterstrichen, dass eine anhaltende fachliche Unterstützung die entscheidende Voraussetzung für den langfristigen Erfolg des HPV-Impfprogramms ist. Die Stärkung der Routineimpfung ist unsere Priorität, und mit der Einführung dieser neuen Impfung wird die Ukraine in der Lage sein, HPV-assoziierte Krebserkrankungen zu verhindern", sagt Dr. Jarno Habicht, Repräsentant der WHO in der Ukraine.
Die landesweite Einführung der HPV-Impfung und andere Änderungen am nationalen Impfplan wurden durch die koordinierten Bemühungen aller Partner im Bereich Immunisierung mit Unterstützung von Gavi, der Impfstoffallianz, ermöglicht.