eco - Verband der deutschen Internetwirtschaft e.V.

10/15/2026 | News release | Distributed by Public on 10/15/2026 08:03

Post-Quanten-Kryptografie: Warum Europas vernetzte Fahrzeuge schon heute für morgen gerüstet sein müssen

Fahrzeuge, die heute entwickelt werden, könnten auch 2045 noch auf unseren Straßen unterwegs sein. Doch hält ihre Verschlüsselung den Herausforderungen des Quantenzeitalters stand? Im Vorfeld des Global Encryption Day 2026 brachte eco in Brüssel Vertreterinnen und Vertreter aus EU-Politik, Wirtschaft und Cybersicherheit zusammen, um über die Zukunft sicherer Kommunikation in vernetzten und autonomen Fahrzeugen zu diskutieren.

Autos werden zunehmend zu vernetzten, softwaregesteuerten Systemen. Sie kommunizieren mit ihrer Umgebung, erhalten Software-Updates über das Internet und übernehmen immer mehr Fahraufgaben selbstständig. Damit steigen auch die Anforderungen an ihre IT-Sicherheit. Denn je stärker Fahrzeuge miteinander und mit digitalen Infrastrukturen vernetzt sind, desto wichtiger wird der Schutz ihrer Kommunikation vor Manipulation und unbefugtem Zugriff.

Welche Rolle dabei die Post-Quanten-Kryptografie (PQC) spielt, stand im Mittelpunkt des hybriden Roundtables "Post-Quantum Ready - Securing Encryption for Connected Mobility", den die eco Kompetenzgruppe Mobility und die eco Quanteninitiative am 14. Oktober 2026 in Brüssel veranstalteten.

Impulse lieferten Alessia Bizzarri und Stefan Bogensberger von der Generaldirektion Kommunikationsnetze, Inhalte und Technologien (DG CONNECT) der Europäischen Kommission sowie Matthias Reidans.

Wenn Fahrzeuglebenszyklen auf das Quantenzeitalter treffen

Eine besondere Herausforderung für die Automobilindustrie sind die langen Lebenszyklen ihrer Produkte. Fahrzeuge, die in den kommenden Jahren auf den Markt kommen, werden teilweise noch weit in die 2040er-Jahre hinein genutzt. Bis dahin könnten leistungsfähige Quantencomputer heute verbreitete asymmetrische Verschlüsselungsverfahren angreifbar machen.

Das betrifft nicht nur den Schutz vertraulicher Daten. Auch die Echtheit von Software-Updates, digitale Identitäten und die sichere Kommunikation zwischen Fahrzeugen und ihrer Umgebung, die sogenannte Vehicle-to-Everything-Kommunikation (V2X), müssen langfristig gewährleistet bleiben.

Gerade bei sicherheitskritischen Anwendungen ist der Umstieg anspruchsvoll. Post-Quanten-Signaturen können erheblich größer ausfallen als bisherige digitale Signaturen. Das stellt insbesondere V2X-Systeme vor Herausforderungen, bei denen Bandbreite, Rechenleistung und kurze Reaktionszeiten entscheidend sind.

Diskutiert wurden deshalb hybride kryptografische Ansätze sowie das Prinzip der Crypto Agility: Systeme müssen so gestaltet werden, dass sich kryptografische Verfahren bei Bedarf austauschen lassen, ohne die gesamte technische Architektur erneuern zu müssen.

Europas technologische Abhängigkeiten im Blick

Neben den technischen Herausforderungen ging es auch um die Frage, wie abhängig Europas Automobilindustrie von internationalen Technologieanbietern ist. Ob Fahrzeugsoftware, Halbleiter, Cloud-Infrastrukturen oder Systeme für das autonome Fahren: Zahlreiche Komponenten stammen von Anbietern außerhalb Europas.

Diese Abhängigkeiten haben nicht nur industriepolitische Bedeutung. Sie beeinflussen auch, wie schnell und zuverlässig neue Sicherheitsstandards umgesetzt werden können und ob Hersteller die Sicherheit ihrer Fahrzeuge über viele Jahre hinweg gewährleisten können.

Initiativen wie die European Connected and Autonomous Vehicle Alliance (ECAVA) sollen die europäische Zusammenarbeit bei softwaredefinierten Fahrzeugen, Automotive-Hardware, künstlicher Intelligenz und autonomem Fahren stärken.

Dabei wird deutlich: Cybersicherheit darf nicht erst am Ende der Entwicklung als zusätzliche Anforderung betrachtet werden. Sie muss von Anfang an Teil der Fahrzeugarchitektur sein.

Von der europäischen PQC-Roadmap zur praktischen Umsetzung

Mit ihrer europäischen Roadmap verfolgt die EU einen koordinierten und risikobasierten Übergang zur Post-Quanten-Kryptografie. Bis 2030 sollen insbesondere Anwendungen mit hohem Risiko migriert werden. Eine vollständige Umstellung sämtlicher Systeme innerhalb dieses Zeitraums ist dagegen nicht vorgesehen.

Für Unternehmen bedeutet das vor allem, rechtzeitig mit der Vorbereitung zu beginnen. Denn der Wechsel zu quantenresistenten Verfahren ist weit mehr als ein gewöhnliches Software-Update.

Ein zentraler Diskussionspunkt war daher die systematische Bestandsaufnahme eingesetzter Kryptografie. Unternehmen müssen wissen, welche kryptografischen Verfahren in ihrer Hardware, Firmware, Software und ihren Schnittstellen zum Einsatz kommen und welche Abhängigkeiten zu externen Dienstleistern und Zulieferern bestehen. Erst auf dieser Grundlage lassen sich Risiken bewerten, Prioritäten setzen und realistische Migrationspläne entwickeln.

Deutlich wurde auch, dass insbesondere KMU mehr praxisnahe Orientierung benötigen. Neben technischem Know-how braucht es ein gemeinsames Verständnis der Herausforderungen und eine enge Abstimmung zwischen Herstellern, Zulieferern, Standardisierungsgremien und Politik.

Heute handeln, um Mobilität langfristig sicher zu gestalten

Der Roundtable zeigte: Post-Quanten-Sicherheit lässt sich nicht allein durch den Austausch einzelner Verschlüsselungsalgorithmen erreichen. Gefragt sind langfristige Strategien, anpassungsfähige Sicherheitsarchitekturen und eine Zusammenarbeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Für die europäische Mobilitätsbranche kommt es deshalb darauf an, kritische kryptografische Abhängigkeiten frühzeitig zu erkennen, Risiken zu priorisieren und neue Fahrzeuggenerationen von Beginn an auf die Anforderungen des Quantenzeitalters vorzubereiten.

Mit ihren Aktivitäten zu Quantentechnologien, Cybersicherheit, IoT und Mobilität fördert eco den Austausch zwischen Wirtschaft, Politik und technischer Fachcommunity und begleitet die Entwicklung sicherer und zukunftsfähiger digitaler Infrastrukturen.

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Die eco Kompetenzgruppe Mobility und unsere Quanteninitiative bieten Raum für den regelmäßigen Austausch mit Fachleuten aus Industrie, Forschung und Politik. Gemeinsam diskutieren wir aktuelle Entwicklungen, technische Herausforderungen und praxisnahe Lösungsansätze.

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