AMS - Public Employment Service Austria

04/07/2026 | Press release | Distributed by Public on 04/07/2026 03:31

Steirischer Arbeitsmarkt 2005-2025

Der Arbeitsmarkt in der Steiermark hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten einen tiefgreifenden strukturellen Wandel durchlaufen. Während die Zahl der Erwerbstätigen seit 2005 deutlich gestiegen ist, reduzierte sich das gesamte Arbeitsvolumen spürbar.

  • Veröffentlicht 07.04.2026
  • Bundesland Steiermark

Inhalte auf dieser Seite

Der Arbeitsmarkt in der Steiermark hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten einen tiefgreifenden strukturellen Wandel durchlaufen. Während die Zahl der Erwerbstätigen seit 2005 deutlich gestiegen ist, reduzierte sich das gesamte Arbeitsvolumen spürbar. Gleichzeitig zeigen aktuelle demografische Prognosen einen markanten Rückgang des Erwerbspersonenpotenzials bis 2050. Für Betriebe, Beschäftigte und regionale Arbeitsmarktpolitik ergeben sich daraus weitreichende Konsequenzen.

Im Jahresdurchschnitt 2025 waren rund 616.100 Personen in der Steiermark erwerbstätig - 70 600 mehr als 2005 (+12,9 %) (im Vergleich zu Österreich mit +20,1% war dies ein geringerer Anstieg). Der Anstieg an Erwerbstätigen übertraf damit das Bevölkerungswachstum (+5,5 %) deutlich.

Drei Gruppen haben diesen Zuwachs besonders geprägt:

  • Frauen: Die Erwerbsbeteiligung der Frauen ist in den vergangenen 20 Jahren überproportional gestiegen. Ihre Erwerbstätigenquote erreichte 2025 insgesamt 71,7 % und liegt somit um 10,7 Prozentpunkte über 2005. Die Erwerbstätigenquote der Männer stieg im selben Zeitraum um 3,2 Prozentpunkte auf 77,7 %.

  • Ältere Arbeitnehmer_innen: Personen ab 55 Jahren bleiben mittlerweile häufiger länger im Arbeitsleben. So stieg die Erwerbstätigenquote der 55- bis 64-Jährigen von 26,3 % im Jahr 2005 auf 59,9 %, in 20 Jahren ein Anstieg von mehr als 32,8 Prozentpunkte. Gründe dafür sind die demografische Entwicklung und die damit gestiegene Nachfrage nach älteren Arbeitskräften sowie Gesetzesänderungen beim Pensionsantrittsalter und strengere Regelungen zu vorzeitigen Pensionen.

  • Ausländische Staatsangehörige: Der Anteil der Menschen ohne österreichische Staatsbürgerschaft an allen Erwerbstätigen hat sich in 20 Jahren von 5,8 % auf 14,6 % mehr als verdoppelt. Ihre Zahl stieg dabei von 31 400 auf 89 800. Die Erwerbstätigenquote legte sowohl bei Personen mit als auch ohne österreichische Staatsangehörigkeit zu und stieg bei Nicht-Österreicher_innen um 3,8% Punkte auf 68,1 %, bei Österreicher_innen stieg sie um 8,2% Punkte auf 76,3 %.

Arbeitsvolumen trotz mehr Beschäftigten seit 2015 kaum gestiegen

Im Jahr 2025 sind um rund 30.000 (+5,1 %) mehr Personen erwerbstätig als vor zehn Jahren, das Arbeitsvolumen, also die Gesamtsumme der tatsächlich in einem Jahr geleisteten Arbeitsstunden ist im gleichen Zeitraum zurückgegangen: es ist um -1,2% auf 947,7 Millionen Stunden im Jahr 2025 gesunken.

Eine Ursache dafür ist die starke Ausweitung der Teilzeitarbeit. Mehr als die Hälfte (53,8 %) aller erwerbstätigen Frauen arbeitete 2025 in Teilzeit, 2015 waren es noch 49,5 %. Bei Männern hat sich die Teilzeitquote auf 14 % im Jahr 2025 (2015: 10,9%) erhöht. Diese Entwicklung beruht auf einem Zusammenspiel von starkem Anstieg der Erwerbstätigkeit von Frauen, begrenzten Kinderbetreuungsangeboten, die überwiegend nur am Vormittag verfügbar sind, veränderten Präferenzen und generell der Entwicklung hin zu teilzeitintensiven Branchen.

Hinzu kommt ein markanter Rückgang von Über- und Mehrstunden: Ihre Zahl verringerte sich um -46,3% von 27,9 Mio. Stunden im Jahr 2015 auf rund 15 Mio. Stunden im Jahr 2025. Bei den Männern war dieser Rückgang massiv (-51,8%), bei den Frauen moderater (-25,4%).

In der Folge sank die durchschnittliche tatsächlich geleistete Wochenarbeitszeit seit 2015 um 1,3 Stunden auf 29,5 Stunden. 2025 gaben rund 81 % aller Erwerbstätigen an, ihre Normalarbeitszeit unverändert lassen zu wollen. 12,4 % - rund 76.700 Personen - wollten gerne weniger arbeiten, selbst bei finanziellen Einbußen. 6,6 %, das sind 40.500 Personen, wünschten sich mehr Arbeitsstunden.

Demografische Prognose zeigt eine Verschärfung am Arbeitsmarkt

Das Bundesland Steiermark wird bis zum Jahr 2050, laut Statistik Austria, knapp 9,3% des derzeitigen Erwerbspersonenpotenzials verlieren (-60.000). Einzig Wien kann die Anzahl der Erwerbspersonen um +15,9% steigern. Weiters haben eine bessere Prognose als die Steiermark die Bundesländer NÖ (-5,4%), OÖ (-5,1%) und Vbg (-2,4%). Den höchsten Rückgang erwarten die Experten der Statistik Austria bei unserem Nachbarn Kärnten mit einem Minus von -12,8%.

"Wir verstehen, dass Betriebe in der aktuell unsicheren und schwierigen Wirtschaftsphase kaum Personal einstellen oder sogar Mitarbeiterinnen kündigen müssen", erklärt der Geschäftsführer des AMS Steiermark, Karl-Heinz Snobe. "Diese Flexibilität im Personalbereich brauchen Betriebe, um schwierige Phasen durchstehen zu können. Wir sehen auch, dass kein Unternehmen, welches Fachpersonal braucht, leichtfertig damit umgeht."

Snobe weiter: "Unseren Unternehmen bzw. der Wirtschaft muss aber klar sein, dass sie hinsichtlich der Verfügbarkeit von Fachkräften in Zeiten stark sinkender Potentiale eine besondere Verantwortung haben. Fachkräfte, die vorher nicht ausgebildet wurden, fallen im Aufschwung nicht vom Himmel. Die Prognosen sprechen eine deutliche Sprache. Der junge Nachwuchs versiegt, die Kompetenzanforderungen ändern sich stark, KI wird flächendeckend eine wachsende Rolle spielen."

Wo liegen also die Arbeitskräftepotenziale der Zukunft?

Der Arbeitsmarkt der Zukunft liegt zu einem großen Teil in jenen Gruppen, die bereits in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen haben: ältere Beschäftigte, Frauen sowie Menschen mit Migrationshintergrund, deren Potenziale im Inland noch ungenutzt sind. Allerdings: Ohne gezielte Zukunftsinvestitionen werden diese Ressourcen unerschlossen bleiben.

Ältere Beschäftigte werden künftig eine tragende Rolle spielen. Damit sie länger gesund und produktiv arbeiten können, braucht es speziell zugeschnittene Weiterbildungsformate und Schulungsprogramme, die auf ihre Bedürfnisse und beruflichen Vorerfahrungen eingehen.

Auch weibliche Beschäftigte bieten enormes Potenzial - vorausgesetzt, die Rahmenbedingungen passen. Eine verlässliche, leistbare und qualitativ hochwertige Kinderbetreuung ist entscheidend, damit Frauen ihre Qualifikationen voll ausschöpfen und weiterführende berufsbegleitende Ausbildungen absolvieren können.

Besonders groß ist das nicht gehobene Potenzial bei Migrantinnen und Migranten im Inland. Viele von ihnen verfügen über Kompetenzen, dank derer sie durch geeignete Maßnahmen - etwa Fachausbildungen bis zur Lehrabschlussprüfung - rasch in den Arbeitsmarkt integriert werden könnten. Eine duale Ausbildung für Erwachsene und eine insgesamt attraktive, leistbare Erwachsenenbildung wären zentrale Hebel, um diese Gruppe nachhaltig zu stärken.

Gleichzeitig bleibt der gezielte Zuzug dringend benötigter Fachkräfte ein unverzichtbarer Baustein, um dem steigenden Arbeitskräftebedarf zu begegnen, wiewohl diese Quelle zahlenmäßig der kleinste Hebel ist.

Snobe abschließend: "Eines steht fest, keiner dieser Bereiche wird ohne Zukunftsinvestitionen auskommen. Die Arbeitskräftepotenziale der Zukunft sind da - nun müssen sie konsequent aktiviert werden."

Steirischer Arbeitsmarkt 2005 - 2025

Kleine Datei, 1021.3 KB (PDF)

AMS - Public Employment Service Austria published this content on April 07, 2026, and is solely responsible for the information contained herein. Distributed via Public Technologies (PUBT), unedited and unaltered, on April 07, 2026 at 09:31 UTC. If you believe the information included in the content is inaccurate or outdated and requires editing or removal, please contact us at [email protected]