Universität Augsburg

01/27/2026 | Press release | Distributed by Public on 01/27/2026 03:33

Geschichte im Unterricht digital erleben

Historische Ereignisse werden im Klassenzimmer mittels VR-Brille lebendig: Im Projekt "ReTransferVR - Virtual Reality als digitale Erinnerungsräume" haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eine Bundesländer-übergreifende Fortbildung für Lehrkräfte entwickelt, um die Möglichkeiten von VR-Anwendungen im schulischen Geschichtsunterricht zu ergründen.

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"Der Geschichtsunterricht an deutschen Schulen ist bis heute von 'klassischen' Medien wie Geschichtsbüchern oder historischen Karten dominiert", sagt Prof. Dr. Christian Kuchler, Lehrstuhlinhaber an der Universität Augsburg und Leiter des Projekts. "Mit dem Aufkommen und dem Hype um Virtual Reality in den letzten Jahren stellte sich die Frage, inwiefern sich das Medium in den schulischen Geschichtsunterricht integrieren lässt." In der neu entwickelten Fortbildung lernen die Teilnehmenden unterschiedliche Virtual Reality-Anwendungen kennen und werden dazu befähigt, diese sinnvoll in den unterschiedlichen Phasen des Geschichtsunterrichts einzusetzen sowie eigene VR-Anwendungen nach den jeweiligen Bedürfnissen zu erstellen.

Begleitforschung und konzeptionelle Weiterentwicklungen

Auf einer theoretischen Ebene entwickelte Kuchler gemeinsam mit Dr. Kristopher Muckel und Anna Gürtel ein digitales Fachkonzept, in dem sie das Frankfurt-Dreieck für Bildung in der digitalen Welt als mediendidaktisches Modell mit geschichtsdidaktischen Parametern verknüpfen. Das Modell verbindet die technologischen, gesellschaftlichen und strukturellen Aspekte digitaler Medien mit den geschichtsdidaktischen Anforderungen der normativen, narrativen und empirischen Triftigkeit und bietet so eine empirische Grundlage, um sich VR-Anwendungen mit Geschichtsbezug anzunähern.

Außerdem führten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eine Begleitforschung durch, bei der insgesamt 320 (angehende) Lehrkräfte zu ihren Einschätzungen zum Einsatz von VR-Anwendungen in historischen Lernprozessen und zu möglichen Verbindungen dieser Anwendungen zu geschichtstheoretischen und -didaktischen Überzeugungen befragt wurden. Ein zentrales Ergebnis: Die Überzeugung, man könne VR-Anwendungen sinnvoll in den schulischen Geschichtsunterricht einbinden, war nur mittelmäßig vertreten. Die Teilnehmenden befürworteten den Einsatz von VR-Anwendungen für historische Lernprozesse stärker als für die Förderung der allgemeinen Digitalkompetenz. Außerdem wuchs nach der Teilnahme an der Fortbildung die Überzeugung, mit VR-Anwendungen historische Lernprozesse gestalten zu können.

Fortbildung ist öffentlich zugänglich

Die Fortbildung kann über die Lehrstuhl-Webseite absolviert werden, eine Registrierung ist nicht erforderlich. Während des Projektzeitraums fanden Präsenzveranstaltungen mit insgesamt rund 50 Teilnehmenden sowie synchrone Online-Module mit rund 25 Teilnehmenden statt. Das Angebot, VR-Brillen am Lehrstuhl zu entleihen und die auf der Webseite aufbereiteten VR-Anwendungen für Schulklassen zu benutzen, wurde mehrfach in Anspruch genommen.

"Im Allgemeinen herrschte eine große Offenheit für das Medium und für innovative Unterrichtsszenarien", sagt Kuchler. "Allerdings berichteten Lehrkräfte des Öfteren von einem eher 'innovationsfeindlichen' institutionellen Rahmen an Schulen. Bei Schülerinnen und Schülern stießen insbesondere die VR-Brillen auf großes Interesse. Hier ließen sich starke Motivationseffekte beobachten", so der Professor weiter.

Weitere Informationen zum Projekt sind auf der Webseite des Lehrstuhls Didaktik der Geschichte zu finden:

https://www.uni-augsburg.de/de/fakultaet/philhist/professuren/geschichte/didaktik-der-geschichte/lehrerfortbildung/retransfervr/

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