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01/22/2026 | News release | Distributed by Public on 01/20/2026 18:11

Osman Mohammed Alì, Bahnhofsreiniger bei SBB Immobilien

22. Januar 2026 | Aktuell / SEV Zeitung

Auf den Spuren von ...

Osman Mohammed Alì, Bahnhofsreiniger bei SBB Immobilien

Osman Mohammed Alì arbeitet bei SBB Immobilien im Bereich Facility Management, wo er seit etwa zweieinhalb Jahren für die Reinigung von Bahnhöfen im Kanton Tessin zuständig ist. Nach seiner «Reise der Hoffnung» von Eritrea nach Lampedusa kam er 2003 in die Schweiz, wo er sich sofort daran machte, sich zu integrieren und eine Arbeit zu finden.

«Als 1999 der Krieg zwischen Äthiopien und Eritrea ausbrach, arbeitete ich seit zwei Jahren als Postbote und wurde zum Militärdienst einberufen», erzählt Osman. Nach einem Jahr Militärdienst beschloss er, in den Sudan zu gehen, wo er Brüder und Schwestern hatte, die ihn aufnahmen. Dort absolvierte er einen Informatikkurs und begann, für das Flüchtlingsbüro der Vereinten Nationen zu arbeiten: «Ich musste die Daten der Flüchtlinge in die Datenbank eingeben. Ich arbeitete mit Menschen aus vielen Ländern zusammen, lernte viele Leute kennen und verdiente auch gut. Mir ging es gut, aber die Lage war zu instabil, um mich sicher zu fühlen.» Anfang 2003 kündigte er daher seinen Job und machte sich mit einigen Freunden auf den Weg durch die Wüste nach Libyen, wo er von Beginn an als Übersetzer und Textverarbeiter am Computer arbeitete. Aufgrund seiner Computer- und Sprachkenntnisse fand er später eine Anstellung in einem grossen Unternehmen, das Ersatzteile für Autos verkauft.

Die Reise

Im März 2003 gelang es ihm, nach Europa zu fliehen, wo er hoffte, endlich einen sicheren Ort zu finden, an dem er schlafen konnte, «ohne die Stimmen der Gewehre zu hören». Die Reise mit dem Boot war gefährlich, das war ihm bewusst, genauso wie die Reise durch die Wüste, aber er wollte nicht mehr in dieser ständigen Unsicherheit leben. «Vor uns ist ein Boot mit 200 Menschen abgefahren, es waren Somalier, sie sind alle gestorben. Wir hatten ein relativ schönes und grosses Boot, wir waren 171 Personen und sind in Lampedusa angekommen.»

Osman erzählt von der Ankunft in Lampedusa, wie sie von der italienischen Küstenwache empfangen und dann nach Crotone gebracht wurden: «Von Lampedusa nach Crotone sind wir mit dem Flugzeug geflogen. Das war mein erster Flug überhaupt und ich hatte ein bisschen Angst», sagt er lachend. «In Italien wurden wir sehr gut aufgenommen, sie waren wirklich freundlich und haben es uns an nichts fehlen lassen», betont er.

Ankunft in der Schweiz

Viele seiner Mitreisenden gingen nach London, er hingegen entschied sich für die Schweiz und stieg im Juni erneut in ein Flugzeug mit Ziel Schweiz, um hier Asyl zu beantragen. Als er im Asylbewerberzentrum von Vallorbe ankam, wurde ihm zunächst das Asyl verweigert und er wurde gemäss den Schengen-Bestimmungen nach Chiasso geschickt und der italienischen Polizei übergeben. Aber er gab nicht auf und kehrte nach Vallorbe zurück, von wo aus er ins Tessin geschickt wurde: zuerst nach Chiasso, dann nach Bellinzona und schliesslich nach Cadro, wo er eine Weile blieb. Dann kam erneut die Polizei und brachte ihn nach Italien, nach Como, wo man ihm vorschlug, nach Deutschland zu gehen: «Aber ich wollte in die Schweiz, und so kehrte ich nach Vallorbe zurück, wo man mich erkannte und diesmal aufnahm. Man brachte mich ins Tessin, nach Canobbio, wo alle Eritreer untergebracht waren, und ich bekam den Aufenthaltsstatus N.» Nach sieben Monaten in Canobbio fand Osman eine Stelle in der Küche des renommierten Hotels Kurhaus in Cademario, wo er schnell Anerkennung fand und vier Jahre lang blieb.

Ein neues Leben

Später erhielt er die Aufenthaltsbewilligung B und nach einem Jahr die Aufenthaltsbewilligung C. In diesen Jahren übte er verschiedene andere Tätigkeiten in unterschiedlichen Bereichen aus und arbeitet seit zehn Jahren auch als Dolmetscher für die Kantonspolizei Tessin.

«Ich hatte bereits zwei Jahre lang bei der SBB in der Reinigung von Bahnhöfen gearbeitet, aber nur auf Abruf als Temporärarbeiter. Jetzt habe ich seit fast einem Jahr einen Vertrag bei der SBB. Heute geht es mir gut, ich fühle mich wohl in der Schweiz. Ich schätze meine Arbeit, das Vertrauen und den Respekt, die mir entgegengebracht werden, sehr», erklärt er. Als er zur Bahn kam, trat er sofort dem SEV bei. Er sagt: «Dank meinen Vorgesetzten, die zwei sehr tolle Menschen sind, habe ich jetzt eine Festanstellung bei der SBB. Es ist eine Arbeit, die mir sehr gefällt und die mich motiviert, mich jeden Tag zu verbessern. Dieses Land hat mir viele Möglichkeiten zum Lernen und Arbeiten gegeben, und dafür bin ich dankbar.»

Veronica Galster
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