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10/23/2026 | News release | Distributed by Public on 10/22/2026 18:07

«Open Science ist mehr als eine Frage des Zugangs»

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23.10.2026 20 Jahre ZORA

«Open Science ist mehr als eine Frage des Zugangs»

Open Access ermöglicht nicht nur Transparenz und Nachvollziehbarkeit in der Forschung. Er verschafft der Universität Zürich auch internationale Sichtbarkeit, sagt Prorektor Ralph Ossa zum 20 jährigen Bestehen des Open-Access-Repositorium ZORA der UZH.
Autor: Interview: Barbara Simpson
Zu Beginn seiner Amtszeit als Prorektor Professuren und wissenschaftliche Information erlebte Ralph Ossa ZORA als äusserst wertvoll: «Weil die Publikationen der Universität dort systematisch erfasst sind, konnte ich sehr schnell erkennen, in welchen Feldern besonders intensiv geforscht wird.» (Bild: Marco Blessano)

Das Zurich Open Repository and Archive - besser bekannt als ZORA - wurde im Oktober 2006 lanciert. Es ging darum, Publikationen offen zugänglich und sichtbar zu machen. Was hat sich seither verändert?

Ralph Ossa: ZORA entstand in der frühen Phase der Open-Access-Bewegung, wenige Jahre nach der Berliner Erklärung über den offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen von 2003. Die UZH unterzeichnete diese 2004 als erste Schweizer Universität und bekannte sich damit zum Ziel, wissenschaftliches Wissen frei über das Internet zugänglich zu machen und seine umfassende Weiterverwendung in Wissenschaft und Gesellschaft zu ermöglichen. ZORA erfüllt bis heute zwei zentrale Funktionen: als Open-Access-Repositorium macht ZORA Forschung sichtbar und zugänglich, zugleich ist es das zentrale Publikationsverzeichnis der UZH und Grundlage für die jährlichen akademischen Berichte, in denen Institute und andere Einheiten ihre Leistungen in Forschung und Lehre aufzeigen.

Was sich seither verändert hat, ist vor allem die Bedeutung von Open Access: Aus einer neuen Idee ist ein zentraler Bestandteil des heutigen Wissenschaftssystems geworden. Offen zugängliche Forschung erleichtert es, Ergebnisse weltweit zu lesen, zu überprüfen, weiterzuverwenden und darauf aufzubauen. Damit schafft er eine wichtige Grundlage für wissenschaftlichen Austausch, Transparenz und neue Forschung. Allein im vergangenen Jahr wurden Publikationen aus ZORA rund 2,6 Millionen Mal heruntergeladen (bereinigt um Bot-Zugriffe) - besonders häufig aus den USA, Deutschland und China. Unsere Forschung erreicht damit auch über ZORA ein weltweites Publikum.

Man spricht heute nicht mehr nur von Open Access, sondern zunehmend von Open Science. Was ist damit genau gemeint - und wo liegt der Unterschied?

Open Access bezieht sich vor allem auf den freien Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen. Open Science geht darüber hinaus. Es betrifft den gesamten Forschungsprozess - von Daten und Methoden über Software bis hin zu Publikationen.

Im Kern steckt darin auch eine Selbstverpflichtung der Wissenschaft: Forschung soll so transparent, nachvollziehbar und gut dokumentiert sein, dass andere die Ergebnisse überprüfen, einordnen und reproduzieren können. Wissenschaft baut darauf auf, dass Erkenntnisse nicht nur behauptet, sondern nachvollziehbar gemacht und von anderen weiterverwendet werden können.

Es ist mir wichtig, das Vertrauen in die Wissenschaft zu stärken und die UZH in der Gesellschaft zu verankern. Dazu gehört, dass wir unsere Erkenntnisse teilen und verständlich aufzeigen, wie wir zu unseren Ergebnissen kommen.

Ralph Ossa
Prorektor Professuren und wissenschaftliche Information

Aus meiner Zeit als Co-Editor des Journal of International Economics kenne ich diesen Anspruch auch aus der redaktionellen Praxis: Das Journal verlangt, dass Ergebnisse replizierbar sind und alle dafür benötigten Materialien, einschliesslich Datensätzen und Computerprogrammen, im Repositorium der Zeitschrift bereitgestellt werden.

Open Science ist deshalb für mich mehr als eine Frage des Zugangs. Es geht um wissenschaftliche Qualität und um Vertrauen. Schon bei meiner Wahl habe ich betont, wie wichtig es mir ist, das Vertrauen in die Wissenschaft zu stärken und die UZH in der Gesellschaft zu verankern. Dazu gehört, dass wir unsere Erkenntnisse teilen und verständlich aufzeigen, wie wir zu unseren Ergebnissen kommen. So können auch Interessierte ausserhalb der Universität nachvollziehen, was wir tun und warum.

20 Jahre ZORA

Das ZORA-Kernteam anlässlich des 20. Jubiläums (v. l. n. r.): Tessa Gerber, Laetitia Kaiser, Olivier Vogel, Roberto Mazzoni, Andrea Malits, Margit Dellatorre, Martin Brändle und Anita Sbalzerini. (Bild: Melanie Röthlisberger)

ZORA, das Zürich Open Repository and Archive, ging vor 20 Jahren mit 1'000 Publikationen des Zoologischen Instituts live. Es wird gemeinsam von der Universitätsbibliothek und der Zentralen Informatik betrieben und entwickelte sich in den folgenden zwei Jahrzehnten zur zentralen Publikationsplattform der UZH. Heute umfasst es mehr als 200'000 Einträge und wurde 2025 auf die DSpace-Software umgestellt, um das Repositorium stabil und zukunftssicher zu halten.

Zurich Open Repository and Archive

Open Science rückt neben Publikationen zunehmend auch Daten, Software und andere Forschungsoutputs in den Blick. Wie muss sich ZORA darauf einstellen?

Ich sehe einen grossen Mehrwert darin, dass nicht nur Publikationen, sondern auch die Vielfalt der wissenschaftlichen Arbeit, die an der UZH geleistet wird, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Es gibt Überlegungen und erste konkrete Schritte, ZORA in diese Richtung weiterzuentwickeln. In meiner Fachdisziplin ist es üblich und für Akkreditierungen wichtig, dass zumindest Professor:innen in Forscherprofilen über ihre aktuellen Projekte, Aktivitäten und ihr Engagement in der wissenschaftlichen Community Auskunft geben.

Ein erster konkreter Schritt ist, dass ab Frühling 2027 auch Forschungssoftware in ZORA erfasst werden kann. In einem nächsten Schritt soll geprüft werden, welche weiteren Formen des Forschungsoutputs z.B. Aktivitäten in der wissenschaftlichen Community, Vorträge, Kooperationen etc. sinnvoll einbezogen werden können. So kann ein umfassenderes Bild der Forschung an der UZH entstehen - über die einzelne Publikation hinaus.

Open Science setzt auf Offenheit und Transparenz. Wie verträgt sich das mit einer geopolitischen Situation, in der zugleich stärker über den Schutz von Wissen und Technologien diskutiert wird?

Open Science bleibt der Grundsatz. Offenheit, Transparenz und Nachnutzbarkeit sind zentrale Prinzipien guter wissenschaftlicher Praxis. Dazu gehört auch ein verantwortungsvoller Umgang mit Wissen und Forschungsdaten. Gleichzeitig sind die geopolitischen und technologischen Rahmenbedingungen komplexer geworden. Deshalb müssen wir genauer hinschauen, wo Offenheit wissenschaftlichen Fortschritt ermöglicht und wo es gute Gründe gibt, bestimmte Daten, Technologien oder Erkenntnisse gezielter zu schützen. Als Ökonom beschäftige ich mich seit Langem mit den Folgen von Abschottung. Internationale Zusammenarbeit schafft grosse Vorteile, die wir bei solchen Abwägungen im Blick behalten müssen. Das gilt auch für die Wissenschaft: Wir sollten Risiken gezielt begegnen und zugleich den Austausch erhalten, von dem Forschung lebt.

Gut zugängliche und strukturierte wissenschaftliche Information hilft auch uns selbst, die eigene Universität besser zu verstehen.

Ralph Ossa
Prorektor Professuren und wissenschaftliche Information

Das eine ist die internationale Sichtbarkeit. Welche Rolle spielt ZORA innerhalb der UZH?

ZORA hilft der UZH, ihre eigene Forschung besser zu verstehen: Wo liegen unsere Stärken? Welche Themen entwickeln sich besonders dynamisch? Und wo besteht noch Potenzial? Als forschungsstarke Universität brauchen wir diesen Überblick, auch um unsere Entwicklung im internationalen Vergleich einordnen zu können.

Gerade bei grossen Herausforderungen wie Klimawandel, Gesundheit oder künstlicher Intelligenz entstehen relevante Beiträge oft über Fächergrenzen hinweg. Als Volluniversität mit einer starken interdisziplinären Tradition ist die UZH dafür sehr gut positioniert. ZORA kann sichtbar machen, wo solche fachübergreifenden Schwerpunkte entstehen und wo wir sie gezielt weiterentwickeln können.

Zum Schluss ganz persönlich: Wann haben Sie selbst besonders davon profitiert, dass andere ihr Wissen oder ihre Daten offen geteilt haben?

Ein konkretes Beispiel habe ich selbst gerade erlebt. Als ich mein Amt angetreten habe, wollte ich mir zunächst einen Überblick darüber verschaffen, wo die wissenschaftlichen Stärken der UZH liegen. Dabei war ZORA für mich enorm wertvoll. Weil die Publikationen der Universität dort systematisch erfasst sind, konnte ich sehr schnell erkennen, in welchen Feldern besonders intensiv geforscht wird und wie breit sich wissenschaftliche Stärke über die Universität verteilt.

Was mich dabei besonders beeindruckt hat: Die Exzellenz der UZH ist viel breiter aufgestellt, als ich selbst erwartet hatte. Natürlich kannte ich viele unserer besonders sichtbaren Stärken. Aber erst dieser systematische Überblick hat mir gezeigt, wie viele starke Forschungsumfelder es über ganz unterschiedliche Fakultäten und Fachkulturen hinweg gibt.

Das ist für mich ein schönes Beispiel dafür, dass Open Science nicht nur anderen hilft, auf unserem Wissen aufzubauen. Gut zugängliche und strukturierte wissenschaftliche Information hilft auch uns selbst, die eigene Universität besser zu verstehen.

Interview: Barbara Simpson

Open Science Policy

Von den an der UZH 2025 publizierten Arbeiten sind knapp 70 Prozent über Open Access zugänglich. Angestrebt sind gemäss der nationalen Open-Access-Strategie 100 Prozent. Die UZH hat sich 2017 dieser Strategie angeschlossen und arbeitet deshalb auf Grundlage ihrer Open-Science-Policy weiter daran, den freien Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen auszubauen.

UZH Open Science Policy

Weitere Informationen

Prof. Dr. Ralph Ossa, Prorektor Professuren und wissenschaftliche Information

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University of Zürich published this content on October 23, 2026, and is solely responsible for the information contained herein. Distributed via Public Technologies (PUBT), unedited and unaltered, on October 23, 2026 at 00:07 UTC. If you believe the information included in the content is inaccurate or outdated and requires editing or removal, please contact us at [email protected]