09/08/2026 | Press release | Distributed by Public on 09/08/2026 01:37
Trotz der rasanten Entwicklung generativer KI und der großen öffentlichen Aufmerksamkeit ist die Nutzung von KI im Arbeitsalltag vieler Beschäftigter bislang noch keine Selbstverständlichkeit. Das zeigt die dritte Welle der Konstanzer KI-Studie, für die im Mai 2026 insgesamt 1.105 Erwerbstätige befragt wurden. Der Anteil der Beschäftigten, die KI bei ihrer Arbeit nutzen, stieg gegenüber dem Vorjahr nur leicht von 35 auf 38 Prozent.
Zugleich zeigt sich: Die Verbreitung von KI wird vielfach nicht von den Organisationen gesteuert, sondern von Beschäftigten selbst vorangetrieben. Nur 55 Prozent der KI-Nutzenden geben an, dass das von ihnen am häufigsten verwendete KI-Tool offiziell von ihrem Arbeitgeber eingeführt wurde. Viele Beschäftigte sammeln also auf eigene Initiative Erfahrungen mit KI, während betriebliche Regeln, sichere Infrastrukturen und Weiterbildungsangebote oft noch hinterherhinken.
"Die große KI-Revolution findet in vielen Unternehmen bislang nicht als geplanter Transformationsprozess statt", erklärt Florian Kunze, Leiter der Studie und Professor für Organizational Behavior an der Universität Konstanz. "Stattdessen experimentieren viele Beschäftigte auf eigene Initiative mit KI, während ihre Arbeitgeber bei Regeln, Qualifizierung und sicheren Anwendungen noch nicht ausreichend nachgezogen haben."
Nutzungslücke zwischen Beschäftigtengruppen bleibt bestehen
Besonders deutlich bleiben weiterhin die Unterschiede zwischen verschiedenen Tätigkeitsgruppen bestehen. In der Büro- und Wissensarbeit nutzen inzwischen 49 Prozent der Beschäftigten KI. Bei Beschäftigten in produktionsnahen und körperlichen Tätigkeiten liegt dieser Anteil dagegen lediglich bei 25 Prozent. Obwohl die Nutzung in beiden Gruppen gegenüber dem Vorjahr gestiegen ist, zeigt sich bislang keine Annäherung. Ein Teil dieser Unterschiede dürfte auf die verschiedenen Einsatzmöglichkeiten von KI in den jeweiligen Tätigkeitsfeldern zurückzuführen sein.
Auch beim Bildungsniveau bleiben die Unterschiede ausgeprägt. Während 56 Prozent der Beschäftigten mit hohem Bildungsniveau KI bei der Arbeit nutzen, liegt dieser Anteil bei Beschäftigten mit niedrigem Bildungsniveau lediglich bei 21 Prozent. Beschäftigte mit höherem Bildungsniveau verbinden zudem häufiger positive Erwartungen an KI und sprechen offener über deren Nutzung.
Zudem zeigen sich Unterschiede auch zwischen Organisationen unterschiedlicher Größe. Kleine Organisationen verfügen deutlich seltener über KI-Trainings, verbindliche Nutzungsregeln oder firmeneigene KI-Tools. So berichten nur 11 Prozent der Beschäftigten in kleinen Organisationen von KI-Trainings und lediglich 10 Prozent von verbindlichen Regeln zur Nutzung von KI. In größeren Organisationen sind solche Unterstützungsstrukturen deutlich häufiger vorhanden.
"Die Ergebnisse zeigen, dass die KI-Transformation sozial ungleich verläuft", erklärt Elena Gerdiken, Doktorandin am Future of Work Lab Konstanz. "Wer in wissensintensiven Tätigkeiten arbeitet, einen höheren Bildungsabschluss hat oder in einer größeren Organisation beschäftigt ist, profitiert derzeit häufiger von den Einsatzmöglichkeiten und Entwicklungschancen, die KI bietet. Ohne gezielte Unterstützung besteht das Risiko, dass sich bestehende Ungleichheiten weiter verfestigen."
KI bereitet mehr Sorgen für den Arbeitsmarkt als für den eigenen Arbeitsplatz
Die Studie zeigt außerdem eine auffällige Differenz zwischen gesellschaftlicher und persönlicher Risikowahrnehmung. 40 Prozent der Beschäftigten erwarten, dass KI und Automatisierung in den kommenden zehn Jahren insgesamt negative Folgen für den Arbeitsmarkt haben werden. Einen Verlust des eigenen Arbeitsplatzes befürchten hingegen nur 17 Prozent.
Auch konkrete Veränderungen in den Unternehmen bleiben aus Sicht vieler Beschäftigter bislang nur begrenzt sichtbar. Nur 12 Prozent der Befragten geben an, den Eindruck zu haben, dass es infolge von KI zu einem Rückgang der Einstiegspositionen gekommen sei. Lediglich 23 Prozent sehen bereits einen spürbaren Beitrag der KI zur Wertschöpfung ihres Unternehmens.
"Viele Beschäftigte nehmen KI bislang eher als gesellschaftliches Zukunftsthema wahr denn als unmittelbare Bedrohung für die eigene Arbeit", sagt Carolina Opitz, Doktorandin am Future of Work Lab Konstanz. "Sowohl die Risiken als auch die wirtschaftlichen Potenziale der Technologie werden derzeit stärker auf gesamtgesellschaftlicher Ebene wahrgenommen als im konkreten eigenen Arbeitsalltag."
Die Forschenden empfehlen, den Einsatz von KI in Unternehmen stärker sichtbar zu machen und Beschäftigte dabei aktiv zu begleiten. Dazu gehören klare Regeln für den sicheren Einsatz, mehr arbeitsnahe Weiterbildung, gezielte Unterstützung kleiner und mittlerer Unternehmen sowie die Entwicklung von KI-Anwendungen für unterschiedliche Tätigkeitsfelder.
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