10/13/2026 | Press release | Distributed by Public on 10/13/2026 06:17
Das Landratsamt Cham ist am Donnerstag, 8. Oktober, Ziel eines Cyberangriffs geworden. Dabei handelte es sich um einen sogenannten Distributed-Denial-of-Service-Angriff (DDoS). Ziel solcher Attacken ist nicht das Ausspähen von Daten, sondern die Überlastung von Systemen und Diensten durch eine extrem hohe Zahl gleichzeitiger Anfragen.
Die Angriffswelle begann in den frühen Morgenstunden und steigerte sich in mehreren Wellen. Den Höhepunkt erreichte der Angriff am Donnerstagvormittag. Die Auswirkungen waren weitreichend. Weil die Internetinfrastruktur des kommunalen Behördennetzes zentral im Landratsamt betrieben wird, konnten zeitweise E-Mail-Verkehr, Telefonie und Internetdienste nicht genutzt werden. Auch mehrere Gemeinden im Landkreis, die über das kommunale Behördennetz angebunden sind, konnten ihre Arbeit nur eingeschränkt fortführen.
Die interne IT-Abteilung nahm unmittelbar nach dem Auftreten der Unregelmäßigkeiten die Fehleranalyse auf. Gemeinsam mit Firewall- und Netzwerkspezialisten des beauftragten Systemhauses, der Firma Sysob aus Schorndorf, sowie dem Internetprovider konnte die Ursache bis zum Mittag eindeutig identifiziert werden. Daraufhin wurden zusätzliche Schutzmaßnahmen aktiviert und ein erweiterter Schutzschirm eingerichtet. Bereits am frühen Nachmittag konnte der Regelbetrieb schrittweise wieder aufgenommen werden.
Der Angriff erfolgte nach bisherigen Erkenntnissen aus einem weltweiten Netz kompromittierter Systeme. Die Anfragen stammten aus rund 50 verschiedenen Ländern, darunter Brasilien, Indien, Mexiko bis Argentinien, der Irak und Bangladesch. Solche Angriffe werden häufig automatisiert über sogenannte Botnetze ausgeführt. Nach Angaben des Bayerischen Landesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (LSI) zählen DDoS-Angriffe zu den häufigsten Formen von Angriffen auf die Verfügbarkeit von IT-Systemen.
Wichtig ist: Nach aktuellem Stand wurden keine Daten entwendet oder manipuliert. Der Angriff richtete sich ausschließlich gegen die Verfügbarkeit der Systeme. Dennoch wurde der Vorfall umfassend dokumentiert und wird zur weiteren Verfolgung bei den Strafverfolgungsbehörden angezeigt.
Das Landratsamt war auf eine solche Situation vorbereitet. "Ein Firewallkonzept, klar definierte Notfallprozesse, festgelegte Ansprechpartner sowie regelmäßig durchgeführte Sicherheitsüberprüfungen haben sich bewährt", erläutert der Leiter des Sachgebiets Informations- und Kommunikationstechnik am Landratsamt, Reinhard Babl. Er zieht ein positives Fazit: "Unser Team hat hervorragend funktioniert. Die Zusammenarbeit zwischen interner IT, externen Spezialisten und unserem Provider hat gezeigt, dass die festgelegten Abläufe greifen und wir auch auf außergewöhnliche Belastungen schnell reagieren können." Dennoch sollen die Schutzmaßnahmen künftig weiter ausgebaut werden, etwa durch zusätzliche Maßnahmen zur Systemüberwachung.
Landrat Christian Schindler bedankt sich ausdrücklich bei den Mitarbeitenden sowie bei den Bürgerinnen und Bürgern für ihr Verständnis: "Mein Dank gilt allen Beteiligten, die in dieser außergewöhnlichen Situation schnell und professionell gehandelt haben. Ebenso danke ich den Bürgerinnen und Bürgern für ihre Geduld während der vorübergehenden Einschränkungen. Der Vorfall hat gezeigt, dass unsere Sicherheitskonzepte funktionieren und die Handlungsfähigkeit unserer Verwaltung auch in einer solchen Lage gewährleistet bleibt."