SEV Gewerkschaft des Verkehrspersonals

09/26/2026 | News release | Distributed by Public on 09/25/2026 00:43

25 Jahre Transsicura: Deeskalation wird immer wichtiger

26. September 2026 | Aktuell / SEV Zeitung, Aggression und Gewalt gegen Personal

25 Jahre Transsicura: Deeskalation wird immer wichtiger

Transsicura blickt auf 25 Jahre Unternehmensgeschichte zurück. 2001 wurde das Unternehmen als Securitrans gegründet, damals als Gemeinschaftsunternehmen von SBB und Securitas. Seit 2022 ist das Sicherheitsunternehmen eine hundertprozentige Tochtergesellschaft von SBB-Immobilien und trägt den Namen Transsicura. Zum Jubiläum spricht SEV-Gewerkschaftssekretärin Susanne Oehler mit Oliver Perren, Leiter HR bei Transsicura, über den Wandel des Berufs, Gewalt und Deeskalation, belastende Schichtarbeit, Gesundheitsschutz und die Sozialpartnerschaft mit dem SEV.

Susanne Oehler: Die heutige Transsicura wurde 2001 als Securitrans gegründet. Was ist von der damaligen Grundidee geblieben?

Oliver Perren: Der Kern ist derselbe: Wir leisten einen Beitrag zur Sicherheit im öffentlichen Verkehr, für Reisende und Bahnpersonal, aber auch für Mieterinnen und Mieter in Bahnhofsliegenschaften. Wir sind hauptsächlich in Bahnhöfen und deren Umfeld tätig, teilweise aber auch in Zügen. Im Unterschied zur Transportpolizei sind wir keine Polizei und verfügen entsprechend nicht über deren Kompetenzen.

Was unterscheidet Transsicura von anderen privaten Sicherheitsunternehmen?

Ein wichtiger Unterschied ist unser Bahn-Know-how. Viele unserer Mitarbeiter:innen kennen das Bahngeschäft gut und verbinden dieses Wissen mit einem guten Sicherheitsverständnis. Sie wissen, worauf es in Bahnhöfen und deren Umfeld ankommt. Dadurch können wir auch präventiv einen wichtigen Beitrag leisten.

Wie hat sich das Berufsbild verändert?

Heute achten wir stark auf Kommunikationsfähigkeit und Empathie. Früher suchte man in der Sicherheitsbranche vielleicht eher den klassischen «Türsteher-Typ». Heute geht es viel stärker um die soziale Komponente. Entscheidend ist, präventiv zu arbeiten und Situationen deeskalieren zu können. Auch die Digitalisierung hat den Beruf verändert.

Der SEV thematisiert seit längerem Aggression und Gewalt gegen Personal im öffentlichen Verkehr. Was beobachtet Transsicura?

Zahlenmässig stellen wir nicht unbedingt eine massive Zunahme der Fälle fest. Was sich aber verändert hat, ist die Art der Auseinandersetzungen. Die Hemmschwelle zur Gewalt sinkt. Situationen eskalieren schneller und werden brutaler. Deshalb ist es umso wichtiger, unsere Mitarbeiter:innen gezielt darauf vorzubereiten, Konflikte frühzeitig zu erkennen und deeskalierend zu handeln. Ihre Sicherheit hat für uns höchste Priorität. Dazu gehören Ausbildung, persönliche Schutzausrüstung und Unterstützung nach einem Vorfall. Unsere Mitarbeiter:innen können unter anderem auf Sozialberatung und Angebote zur mentalen Gesundheit zurückgreifen. Ich persönlich sehe auch Potenzial bei Bodycams. Derzeit können wir sie nicht einsetzen. Wenn die gesetzlichen Voraussetzungen geschaffen würden, könnten sie aus meiner Sicht ein zusätzliches Instrument sein, das präventiv und deeskalierend wirkt.

Susanne Oehler vom SEV und Oliver Perren von Transsicura versuchen, sozialpartnerschaftlich Lösungen bei Problemen zu finden.

Transsicura arbeitet rund um die Uhr und an jedem Tag der Woche. Wie können solche Schichtberufe langfristig attraktiv bleiben?

Die entscheidende Frage ist, ob die Mitarbeiter:innen Berufs- und Privatleben miteinander vereinbaren können, ohne dauerhaft unter Stress zu stehen. Ein wichtiges Thema ist deshalb die Planung. Bisher erhalten Mitarbeitende ihre Monatsplanung relativ kurzfristig. In Genf testen wir eine Planung über drei Monate. Mit einer längerfristigen Planung wollen wir mehr Verlässlichkeit schaffen. Wir haben zudem Grundsätze für die Einsatzplanung definiert, etwa für längere Arbeitsblöcke und die Erholung nach mehreren Nachtschichten. Beim Gesundheitsschutz investieren wir in Sensibilisierung, Ausbildung und persönliche Schutzausrüstung.

Transsicura untersteht dem Arbeitsgesetz (ArG) und nicht dem Arbeitszeitgesetz des öffentlichen Verkehrs (AZG). Steht ein Wechsel ins AZG zur Diskussion?

Ein Wechsel ins AZG wäre für uns problematisch, weil er personelle und finanzielle Folgen hätte. Transsicura bietet auch Leistungen für Dritte an und steht dabei im Wettbewerb mit anderen privaten Sicherheitsunternehmen. Wir sind der Meinung, mit dem ArG und dem GAV grundsätzlich einen guten Rahmen zu haben. Wichtig ist, innerhalb dieses Rahmens Verbesserungen für die Mitarbeiter:innen zu erreichen.

Wie erlebst du die Sozialpartnerschaft mit dem SEV und welche künftigen Herausforderungen siehst du?

Partnerschaftlich und auf Augenhöhe. Es braucht Kompromissbereitschaft und den Willen, die Position der anderen Seite zu verstehen. Ein Unternehmen darf nicht nur auf die Finanzen schauen. Wichtig ist, dass man bei Problemen die Karten auf den Tisch legt und auch bereit ist einzugestehen, wenn beispielsweise in der Führung etwas nicht so gelaufen ist, wie es hätte laufen sollen. Es kann hilfreich sein, schwierige Entwicklungen früher gemeinsam anzuschauen.

Der SEV ist nahe bei den Mitarbeiter:innen und bekommt möglicherweise Dinge mit, die wir als Unternehmen nicht sehen. Dieses Wissen kann helfen, gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Leider wird uns der Kostendruck weiter begleiten. Gleichzeitig müssen wir als Arbeitgeber attraktiv bleiben, denn der Fachkräftemangel verschwindet nicht. Die Balance zwischen Wirtschaftlichkeit und guten Arbeitsbedingungen wird zentral bleiben. Ebenso wichtig ist, die Mitarbeiter:innen bestmöglich zu schützen und ihnen ein Arbeitsumfeld zu bieten, in dem sie diesen anspruchsvollen Beruf langfristig ausüben können.

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Porträt von Marina Esposito - seit 25 Jahren Sicherheitsfachfrau bei Transsicura (Securitrans)

Michael Spahr
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