06/19/2026 | Press release | Distributed by Public on 06/19/2026 03:17
Beim Thema Hochwasser denken die meisten Sachsen-Anhalter vermutlich zunächst an die Jahrhundertfluten 2002 und 2013. Im Harz dürften sich für viele Menschen dagegen vor allem die verheerenden Überschwemmungen an der Selke im April 1994 ins Gedächtnis gebrannt haben. Lang anhaltender Regen bei voll gesättigtem Boden sorgte damals für ein Extremhochwasser, das statistisch lediglich alle 200 Jahre zu erwarten ist. Die Folge: enorme Sachschäden im Oberlauf der Selke sowie in Ortschaften in der Selkeaue.
Um die Region gegen künftige Wassermassen durch lang anhaltende Niederschläge und Starkregen zu wappnen, haben Umweltminister Prof. Dr. Armin Willingmann und der Geschäftsführer des Talsperrenbetriebs Sachsen-Anhalt (TSB), Mario Hohmann, heute den ersten Spatenstich für das neue Hochwasserrückhaltebecken oberhalb des Harzgeroder Ortsteils Straßberg gesetzt.
Der begrünte Erddamm mit integriertem Absperrbauwerk aus Beton kann bei Hochwasser rund 2,5 Millionen Kubikmeter aufnehmen - damit ließen sich 10 Millionen große Badewannen oder 1.000 olympische Schwimmbecken füllen. Im Ernstfall kann das Wasser bis zu zehn Tage lang eingestaut und anschließend kontrolliert wieder abgegeben werden. Im Normalfall ist das Becken leer und die Selke fließt ungehindert hindurch; so bleibt die Talfläche landwirtschaftlich nutzbar.
Willingmann betonte: "Der heutige Tag ist ein Meilenstein für den Hochwasserschutz im Selketal. Wir stellen die Weichen, damit die Menschen in Straßberg, Silberhütte, Mägdesprung oder Alexisbad künftig noch beruhigter schlafen können. Durch das neue Rückhaltebecken reduziert sich die Gefahr für extreme Hochwasser oder Starkregen am Oberlauf der Selke deutlich. Zudem können durch die Steuerung von Zu- und Ablauf auch Hochwasserspitzen entlang der gesamten Selke bis zur Mündung in die Bode deutlich verringert werden. Damit investieren in die Sicherheit kommender Generationen und machen den Harz widerstandsfähiger gegen die Folgen des Klimawandels. Getreu dem Motto: Vorsorge ist keine Option, sondern eine Verpflichtung."
TSB-Geschäftsführer Hohmann unterstrich: "Mit dem heutigen Spatenstich beginnt die Umsetzung eines Projekts, auf das die Region seit mehr als 30 Jahren hinarbeitet. Das Hochwasser von 1994 hat vielen Menschen im Selketal eindrücklich vor Augen geführt, welche Folgen extreme Wetterereignisse haben können. Mit dem Hochwasserrückhaltebecken Straßberg schaffen wir nun einen wichtigen Baustein für mehr Sicherheit entlang der Selke und investieren nachhaltig in den Schutz der Menschen, ihrer Häuser und der regionalen Infrastruktur. Der heutige Tag markiert zugleich den erfolgreichen Übergang von der Planung zur Umsetzung eines Bauwerks, das den Hochwasserschutz spürbar stärkt und die Region widerstandsfähiger gegenüber den Folgen des Klimawandels macht. Dieses Projekt zeigt, dass nachhaltiger Hochwasserschutz nur im engen Zusammenspiel von Kommunen, Behörden, Verbänden und Bürgerinnen und Bürgern gelingen kann."
Das Rückhaltebecken Straßberg ist ein elementarer Baustein für den Hochwasserschutz im Harz. Der aufwändige Planungsprozess wurde durch eine intensive Beteiligung der Menschen vor Ort flankiert. Im Mittelpunkt stand hierbei der 2017 vom Umweltministerium ins Leben gerufene Selke-Dialog, dem Vertreterinnen und Vertreter von Kommunen, Verbänden, Fachbehörden, Naturschutz sowie Land- und Fortwirtschaft angehörten. Zu den zentralen Ergebnissen des Dialogs gehört das Rückhaltebecken Straßberg am Oberlauf der Selke. Die Kosten von rund 40 Millionen Euro tragen Bund (60 Prozent) und das Land Sachsen-Anhalt (40 Prozent).
Die 270 Meter lange Dammkrone liegt künftig 19 Meter über dem Talgrund; der Dammfuß ist rund 130 Meter breit. Verbaut werden 13.500 Kubikmeter Beton bzw. Stahlbeton sowie rund 170.000 Kubikmeter Material für den Stützkörper und 62.000 Kubikmeter für die Abdichtung. Das Bauvorhaben ist sehr komplex; u.a. wegen der zeitweise notwendigen Umverlegung der Selke und der Durchführung der Selketalbahn. Die Fertigstellung ist für Ende 2030 vorgesehen.