Landkreis Emsland

07/17/2026 | Press release | Distributed by Public on 07/17/2026 03:23

Übergabe von mehr als 600 Dokumenten an Gedenkstätten

17.07.2026

Übergabe von mehr als 600 Dokumenten an Gedenkstätten

Gedenkstätte Esterwegen erhält Papiere von Strafgegangenen und Häftlingen

Esterwegen/Düsseldorf. Mehr als 600 Dokumente aus der Zeit des Nationalsozialismus sind an Gedenkstätten, Erinnerungsorte und Archive übergeben worden. Der Generaldirektor der Stiftung Auschwitz-Birkenau, Wojciech Soczewica, hatte sie Anfang des Jahres aus einer abgesagten Auktion im nordrhein-westfälischen Neuss treuhänderisch übernommen. Vertreterinnen und Vertreter aus zehn bundesdeutschen Gedenkstätten und Erinnerungsorten, u. a. Bergen-Belsen, Buchenwald, Dachau, Sachsenhausen und Hadamar, kamen aus diesem Anlass in den Düsseldorfer Landtag. Zur feierlichen Veranstaltung war auch Dr. Sebastian Weitkamp, Co-Leiter der Gedenkstätte Esterwegen, in die NRW-Landeshauptstadt gereist, um die Dokumente der Inhaftierten aus den Emslandlagern entgegenzunehmen.

Die historischen Dokumente, darunter Lagerpostkarten, Täterbriefe und Lagergeld, stammen aus der abgesetzten Auktion "Das System des Terrors 1933-1945 Vol. II", wo sie ursprünglich versteigert werden sollten. Dies hatte vor der Auktion zu Protesten geführt. Die papiernen Zeitzeugen werden nun in den jeweiligen Gedenkstätten archiviert und zum Zweck der Dokumentation und Forschung eingesetzt.

Unter den Papieren, die an die Gedenkstätte Esterwegen übergegangen sind, befindet sich u. a. der Entlassungsschein des Häftlings Otto Thätner aus dem KZ Esterwegen. Der 1899 geborene Schiffbauer und Lokführer war 1933 in Tilsit verhaftet worden und am 4. April 1934 in das KZ Esterwegen gekommen. Von hier wurde er am 20. Februar 1936 nach Hamburg entlassen.

Weitkamp zeigte sich bewegt über die Veranstaltung: "Wir freuen uns sehr über diese wichtige Initiative, solche Dokumente für Forschung und Erinnerung zugänglich zu machen. Öffentliche Museen und Gedenkstätten sind die richtigen Orte dafür. Sicherlich werden einige der Dokumente ihren Platz in unserer neuen Dauerausstellung finden." Ebenfalls freut ihn, dass die Gedenkstätte die Aktion mit Spenden, die sie von Besucherinnen und Besuchern erhalten hat, unterstützen konnte. "Hier möchte ich einen großen Dank aussprechen," betonte Weitkamp.

Ein zivilgesellschaftliches Bündnis aus u. a. Kirche, Politik, Unternehmer und Journalisten hatte sich dafür stark gemacht, dass die NS-Dokumente in die jeweiligen Archive der Gedenkstätten aufgenommen werden können. Landtagspräsident André Kuper, der zur Veranstaltung in die NRW-Landeshauptstadt geladen hatte, dankte den beteiligten Initiatoren und würdigte das ehrenamtliche und gesellschaftliche Engagement. Die vielen Spenderinnen und Spendern aus Nordrhein-Westfalen, hatten den Ankauf der Dokumente möglich gemacht. Einen großen Beitrag dazu leistete die Bethe-Stiftung Bergisch-Gladbach mit einer Spendenverdoppelungsaktion. Kuper betonte: "Der Landtag ist der Ort, an dem wir die Dokumente übergeben. Aber die Initiative, Spenden zu sammeln, die Dokumente zu kaufen und die Übergabe zu organisieren, kam von Bürgerinnen und Bürgern, Unternehmern und Schulklassen dieses Landes. Ich bin überwältigt von diesem Engagement und danke von Herzen im Sinne der gemeinsamen Verantwortung."

Bild 1: Entlassungsschein des KZ Esterwegen aus dem Jahr 1936, der nun in den Besitz der Gedenkstätte übergegangen ist.

Bild 2: Vertreterinnen und Vertreter von Gedenkstätten und Museen bei der Veranstaltung im Landtag NRW. Die Gedenkstätte Esterwegen war ebenfalls zu Gast. (Fotos: Landtag NRW/Gedenkstätte Esterwegen)

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