04/02/2026 | Press release | Distributed by Public on 04/02/2026 02:26
Die Prüfung technischer Dokumentationen ist komplex, zeitaufwendig und fehleranfällig. Hier setzt das im Januar 2026 gestartete Forschungsprojekt "ChAmp - Cyber-humanes Arbeiten in Daten-Ökosystemen am Beispiel maschineller Softwareprüfung" an. Ziel des Projekts ist die Entwicklung eines KI-gestützten Assistenzsystems, das die Erstellung und Prüfung von Softwaredokumentationen unterstützt, den Datenschutz und weitere rechtliche Anforderungen berücksichtigt und die Arbeitsproduktivität fördert. Die Fachleute der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) werden das neue Assistenzsystem am Beispiel der Softwaredokumentationen für Messgeräte des gesetzlichen Messwesens erproben.
Technische Dokumente müssen häufig zahlreiche Normen und regulatorische Vorgaben erfüllen. Die Prüfung erfordert ein tiefes Verständnis von Fachterminologie, Bedeutungsvarianten und Zusammenhängen. Große Sprachmodelle (Large Language Models, LLM) können dabei helfen, relevante Inhalte zu erkennen und zu vergleichen. Im Projekt ChAmp wird diese Technologie genutzt, um Prüferinnen und Prüfer bei der Analyse umfangreicher Dokumentensammlungen zu unterstützen.
"Der Einsatz großer Sprachmodelle eröffnet neue Möglichkeiten für die Zusammenarbeit zwischen Mensch und KI in der Arbeitswelt", erklärt Dr. Tim Jeske, wissenschaftlicher Experte am ifaa - Institut für angewandte Arbeitswissenschaft e. V. "Im Projekt ChAmp untersuchen wir, wie solche Technologien produktiv, akzeptiert und verantwortungsvoll in Arbeitsprozesse integriert werden können."
Soziotechnischer Ansatz im Fokus
Im Mittelpunkt des Projekts steht ein soziotechnischer Ansatz, der technologische Innovation mit arbeitswissenschaftlicher Gestaltung verbindet. Neben der technischen Entwicklung des Assistenzsystems werden auch Organisationsstrukturen und Qualifizierungskonzepte erarbeitet, die den Übergang zu neuen Formen der Zusammenarbeit zwischen Mensch und KI unterstützen.
Die ZENIT GmbH - Zentrum für Innovation und Technik in NRW bringt ihre Expertise im Technologietransfer ein und arbeitet daran, die Projektergebnisse auch für Unternehmen außerhalb des Konsortiums nutzbar zu machen.
"Viele Unternehmen erkennen das Potenzial von KI, stehen jedoch vor Herausforderungen bei Integration, Qualifizierung und Organisation", sagt Michael Guth, Berater bei ZENIT. "Im Projekt ChAmp entwickeln wir Ansätze, mit denen datenbasierte Technologien wie Sprachmodelle in reale Arbeitsprozesse integriert und auch für kleine und mittlere Unternehmen nutzbar gemacht werden können."
KI-Unterstützung für komplexe Dokumentationsprüfungen
Die praktische Anwendung wird exemplarisch an der Prüfung von Softwaredokumentationen für Messgeräte des gesetzlichen Messwesens erprobt. Diese Dokumentationen müssen umfangreiche technische Anforderungen erfüllen und werden bisher häufig manuell geprüft.
"Die Prüfung von Softwaredokumentationen erfordert heute viel Recherche in großen und unterschiedlich strukturierten Dokumentensammlungen", erklärt Dr. Daniel Peters, Arbeitsgruppenleiter des Bereichs "Eingebettete Metrologische Systeme" bei der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB). "Moderne Sprachmodelle können Prüfende dabei unterstützen, diese Informationen schneller zu finden und sie von zeitaufwendigen Suchaufgaben entlasten."
Praxispartner aus der Industrie
Als Industriepartner bringt Sartorius Lab Instruments GmbH & Co. KG seine praktischen Anforderungen aus der Entwicklung und Zulassung von Messinstrumenten in das Projekt ein.
"Als Hersteller hochpräziser Messinstrumente sind wir auf effiziente und verlässliche Prüfprozesse angewiesen", sagt Dr. Julian Haller, Teamlead Applied & Legal Metrology bei Sartorius. "Wir erwarten, dass KI-gestützte Assistenzsysteme Dokumentations- und Prüfprozesse vereinfachen und gleichzeitig Qualität und Nachvollziehbarkeit erhöhen."
Perspektiven über die Messgerätebranche hinaus
Das im Projekt entwickelte Assistenzsystem soll nicht nur die Erstellung und Prüfung von Softwaredokumentationen beschleunigen, sondern auch neue Ansätze für die Zusammenarbeit zwischen Mensch und KI liefern. Die entwickelten Konzepte sollen später auch auf andere regulierte Prüfprozesse übertragen werden können, etwa im Zusammenhang mit dem europäischen AI Act oder anderen dokumentationsintensiven Bereichen.
Die Projektergebnisse werden daher in Form eines Transferkonzepts aufbereitet, um Unternehmen und Organisationen den Einsatz ähnlicher Lösungen in anderen Branchen zu erleichtern.
Förderhinweise
Dieses Verbundprojekt wird unter dem Förderkennzeichen 02L25A070 ff. im Rahmen des Programms "Nutzen in Daten-Ökosystemen: Wettbewerb - Kommunikation - Kooperation" (DigiNutzenDat) durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) und die Europäische Union gefördert und vom Projektträger Karlsruhe (PTKA) betreut. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung liegt bei den Autorinnen und Autoren.
Kontakt:
Autorin / Autor: Erika Schow