05/19/2026 | Press release | Distributed by Public on 05/19/2026 07:44
Der Standort Europa und die Debatte um die aktuelle Gesundheitsreform waren die beherrschenden Themen beim "Tag der innovativen Gesundheitswirtschaft" des vfa. Im Berliner Futurium diskutierten 350 Gäste aus Politik, Wissenschaft und Unternehmen. Dazu zählten unter anderem Bundesgesundheitsministerin Nina Warken, Wirtschaftsnobelpreisträger Prof. Joseph E. Stiglitz, der frühere italienische Ministerpräsident Enrico Letta und Sachsen-Anhalts Regierungschef Sven Schulze.
vfa-Präsident Han Steutel warnte in seiner Rede davor, die aktuelle Gesundheitsreform allein unter Kostengesichtspunkten zu betrachten. "Die Reformagenda, die derzeit auf dem Tisch liegt, betrifft nicht nur die Finanzierung des Gesundheitswesens. Es geht um Standortpolitik." Gerade die innovative Gesundheitswirtschaft zeige, wie eng Versorgung, Forschung und industrielle Wettbewerbsfähigkeit miteinander verbunden seien. "Ein stabiles Gesundheitssystem ist die Voraussetzung für Marktzugang. Marktzugang ist die Voraussetzung für Investitionen. Investitionen sind die Voraussetzung für Resilienz."
Für Deutschland und Europa gehe es deshalb auch um Investitionsvertrauen im internationalen Wettbewerb. Unternehmen entschieden langfristig und achteten darauf, ob politische Zusagen belastbar seien. "Eine Gesundheitsreform, die die Zusagen der Pharmastrategie wieder zurücknimmt, gefährdet genau dieses Fundament." Wer europäische Wettbewerbsfähigkeit stärken wolle, müsse Verlässlichkeit, Marktzugang und Innovationsfähigkeit zusammendenken.
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken unterstrich die strategische Bedeutung der Branche: "Die Gesundheitswirtschaft ist weit mehr als ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Sie ist auch Innovationsmotor, Zukunftsbranche, zentraler Bestandteil unserer modernen Daseinsvorsorge." Zugleich bekannte sie sich zu dem Ziel, die Branche als Leitwirtschaft zu stärken: "Deswegen ist es folgerichtig, dass wir uns vorgenommen haben, als Bundesregierung die pharmazeutische Industrie und die Medizintechnikindustrie auch als Leitwirtschaft weiter zu stärken."
Warken verteidigte die Belastungen für die pharmazeutische Industrie durch das geplante GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz: "Alle Beteiligten werden einen angemessenen Beitrag dazu leisten müssen." Steutel übte deutliche Kritik und betonte, dass das Gesetz dem Standort erheblich schade.
Prof. Joseph E. Stiglitz, Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften, ordnete die Lage Europas als historischen Umbruch ein: "Für Europa bedeuten die tektonischen Verschiebungen der globalen Ordnung sowohl Herausforderungen als auch Chancen." Gerade deshalb brauche Europa jetzt politische Entscheidungen, die Resilienz, Innovation und industrielle Stärke zusammendenken. "Europa muss seine technologische und verteidigungspolitische Souveränität wiederherstellen. Das ist notwendig für nationale beziehungsweise europäische Souveränität."
In der Debatte um Sparmaßnahmen im Gesundheitswesen warnte Stiglitz indirekt vor einer Politik, die Zukunftsinvestitionen dem kurzfristigen Rotstift unterordnet: "Die Verteilung von Ressourcen ist entscheidend. Es braucht mehr gemeinsame europäische Ressourcenallokation. Wissenschaft ist für ganz Europa von Bedeutung."
Der ehemalige italienische Ministerpräsident Enrico Letta betonte in seinem Impuls Deutschlands besondere Verantwortung für die europäische Wettbewerbsfähigkeit: "Wenn es Deutschland gut geht, wird es Europa gut gehen. Und umgekehrt gilt das genauso." Als zentrale Schwäche Europas benannte er die unvollendete Integration des Binnenmarkts: "Die Fragmentierung des Binnenmarktes ist wahrscheinlich das Hauptproblem, das heute die europäische Wettbewerbsfähigkeit schwächt."
Letta unterstrich, dass es der innovativen Gesundheitswirtschaft nicht um staatliche Dauersubventionen gehe: "Sie fordern faire Wettbewerbsbedingungen - ein Regelwerk, das es Ihnen ermöglicht, auf gutem Niveau zu konkurrieren."
Bilder vom "Tag der innovativen Gesundheitswirtschaft" finden Sie hier.
Der vfa ist der Verband der forschenden Pharma-Unternehmen in Deutschland. Er vertritt die Interessen von 49 weltweit führenden Herstellern und ihren rund 90 Tochter- und Schwesterfirmen in der Gesundheits-, Forschungs- und Wirtschaftspolitik. Die Mitglieder des vfa stehen für mehr als die Hälfte des deutschen Arzneimittelmarktes und beschäftigen in Deutschland rund 100.000 Mitarbeiter:innen. Rund 20.000 davon arbeiten in Forschung und Entwicklung.
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