01/26/2026 | Press release | Archived content
"Die Beschlüsse, die wir heute hier in Hamburg getroffen haben, werden unsere Energieversorgung sicherer, kostengünstiger und integrierter machen." Das betonte Kanzler Merz in der Pressekonferenz beim Nordsee-Gipfel.
Foto: Bundesregierung/Guido Bergmann
Mehr Zusammenarbeit der Nordsee-Anrainerstaaten für eine sichere und bezahlbare Energieversorgung - das war eines der zentralen Ziele des dritten Nordsee-Gipfels, der am 26. Januar in Hamburg stattgefunden hat. Auch die Sicherheit in der Nordsee und im Hohen Norden wurden bei dem Gipfel thematisiert.
In der gemeinsamen Pressekonferenz mit der dänischen Ministerpräsidentin Mette Frederiksen und dem belgischen Premierminister Bart De Wever betonte Bundeskanzler Friedrich Merz: "Wir wollen sichere und bezahlbare Energie in Europa. Dafür ist ein starkes, ein unabhängiges und ein wettbewerbsfähiges Europa ganz wesentlich." Um das zu erreichen, brauche es mehr Zusammenarbeit und Synergien, eine bessere Abstimmung sowie ganz konkrete Entscheidungen zu ihrer Umsetzung.
Deutschland hat in diesem Jahr erstmals den Nordsee-Gipfel nach Einladung durch Bundeskanzler Merz und Bundeswirtschafts- und Energieministerin Reiche in Hamburg ausgerichtet. Weitere Informationen finden Sie außerdem beim Bundeswirtschaftsministerium .
Bundeskanzler Friedrich Merz:
Liebe Mette Frederiksen, lieber Bart De Wever, liebe Kollegen, meine Damen und Herren, lassen Sie mich zunächst sagen: Ich freue mich sehr, dass Deutschland in diesem Jahr Gastgeber des dritten Nordsee-Gipfels zur Windenergie auf See sein darf!
Wir haben eine sehr interessante und intensive Diskussion im kleineren Kreis der Regierungschefs, aber auch im größeren Kreis der übrigens Stakeholdergehabt. Dieses Treffen ist die Abstimmung über die Energieversorgung in Europa. Das haben wir sehr lange vorbereitet. Ich möchte den Energieministerinnen und -ministern, aber auch den Vertretern der Wirtschaft, der Vertretung der EU-Kommission und der Vertretung der NATO sehr herzlich für die Arbeit danken, die sie im Vorfeld geleistet haben. Denn wir alle haben ein Ziel: Wir wollen sichere und bezahlbare Energie in Europa. Dafür ist ein starkes, ein unabhängiges und ein wettbewerbsfähiges Europa ganz wesentlich. Um das zu erreichen, brauchen wir mehr Zusammenarbeit. Wir brauchen mehr Synergien, wir brauchen eine bessere Planung und Abstimmung und ganz konkrete Entscheidungen zu ihrer Umsetzung.
Lassen Sie mich drei Punkte aus unserer gemeinsamen Hamburger Erklärung nennen und unterstreichen, die genau das verdeutlichen. Zum einen haben wir uns heute erst einmal auf eine umfassende, grenzüberschreitende Planung für Energieprojekte in der Nordsee geeinigt. Offshore-Energie soll erheblich effizienter werden. Dafür werden wir mehr koordinieren und enger kooperieren, und zwar sowohl bei der Planung von Wind- und Wasserstoffprojekten als auch bei der Planung von Energienetzen. Deutlich vereinfacht wird die Finanzierung von gemeinsamen Projekten mit der Entwicklung eines neuen Offshore-Finanzierungsrahmens, den wir verabredet haben. Auch die Wirtschaft wollen wir bei der Finanzierung von gemeinsamen grenzüberschreitenden Projekten besser vernetzen und unterstützen. Zu diesem Zweck hatten wir heute Nachmittag eine sehr produktive Konferenz der Stakeholdermit mehr als 100 Vertreterinnen und Vertretern der Wirtschaft. Ich sehe hier großes Potenzial, vor allem für mehr Kosteneffizienz bei Offshore-Projekten.
Zweitens schützen wir die Offshore-Energieinfrastruktur besser vor physischen und virtuellen Angriffen. Mehr Sicherheit erreichen wir, indem die Nordseestaaten besser mit unseren Partnern und Alliierten in der Europäischen Union und in der NATO zusammenarbeiten.
Drittens gibt es nun einen konkreten Aktionsplan, um diese Schritte zu verwirklichen. Wir haben die Energieministerinnen und Energieminister beauftragt, den von Ihnen vereinbarten detaillierten Aktionsplan auch umzusetzen und über den Stand der Umsetzung regelmäßig zu berichten und ihn zu überprüfen. Dabei geht es um konkrete Zeitpläne und Zuständigkeiten.
Die Beschlüsse, die wir heute hier in Hamburg getroffen haben, werden unsere Energieversorgung sicherer, kostengünstiger und integrierter machen. Europa wird damit insgesamt widerstandsfähiger und wettbewerbsfähiger. Wir haben viele Synergiepotenziale. Wir halten die Offshore-Energie für Verbraucherinnen und Verbraucher für bezahlbar, und wir ermöglichen neue Investitionen für die Wirtschaft. Schließlich: Es war heute ein guter und produktiver Gipfel.
Dass wir es mit sehr konkreten Projekten auch ernst meinen und konkrete Schritte unternehmen, zeigt auch die bilaterale Einigung zwischen Deutschland und Dänemark zu Bornholm Energy Island, die wir heute am Rande des Gipfels miteinander getroffen haben. Liebe Mette Frederiksen, herzlichen Dank für das Engagement, dass wir hier gemeinsam auch in ein konkretes Projekt umsetzen können, denn Bornholm Energy Islandist das erste rechtsverbindlich vereinbarte hybride Offshore-Kooperationsprojekt in Europa. Es gibt kein zweites. Wir machen hier das erste. Geplant ist die Erzeugung von drei Gigawatt Offshore-Windenergieleistung, die über zwei neue Netzverbindungen sowohl nach Deutschland als auch nach Dänemark geleitet werden. Mit solchen konkreten Projekten realisieren wir die Ziele, die wir uns bisher beim Nordsee-Gipfel immer wieder gesetzt haben. So machen wir Offshore-Energie günstiger, sicherer und stärken damit gemeinsam unsere Resilienz. Das kommt nicht nur Deutschland und Dänemark zugute, sondern ganz Europa.
Meine Damen und Herren, wir wollen die Bevölkerung in unserer Europäischen Union und darüber hinaus besser schützen. Wir haben auch darüber eine intensive Diskussion geführt, denn wir wissen, dass wir jetzt vor großen Herausforderungen stehen, die nicht nur mit der Energieversorgung zu tun haben. Ich will es hier von dieser Stelle aus noch einmal ausdrücklich sagen: Vor allem Dänemark und die Bevölkerung Grönlands können sich auf unsere Solidarität verlassen. Zugleich wird Europa insgesamt mehr für die Sicherung der Arktis tun. Das liegt im gemeinsamen transatlantischen Interesse. Auch darüber waren wir uns heute einig.
Abschließend will ich mich noch sehr herzlich beim Ersten Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg bedanken, auch bei allen Menschen in der Stadt, die uns ihre Gastfreundschaft heute geschenkt haben. Bitte haben Sie Verständnis für die eine oder andere kleine Einschränkung, die es heute Morgen im Verkehr in Hamburg gegeben hat. Wir bedanken uns in diesem Sinne sehr herzlich für die Gastfreundschaft in dieser Stadt, die nicht nur das Tor zur Welt ist, sondern auch das Tor zur Nordsee. Es hätte daher auch keinen besseren Ort für den Nordsee-Gipfel in Deutschland geben können. Noch einmal vielen Dank für die Gastfreundschaft in dieser wunderbaren Stadt Hamburg!
Ministerpräsidentin Mette Frederiksen:
Vielen herzlichen Dank, Herr Bundeskanzler, vielen Dank, lieber Friedrich, für die Einladung!
Ich möchte zunächst einmal allen hier Anwesenden für ihre Unterstützung für Grönland und die Unterstützung für das Königreich Dänemark danken. Ich glaube, es ist allen klar geworden, dass es hier nicht nur um das Königreich Dänemark geht. Das, was hier geschieht, ist grundlegender. Es geht wirklich um grundlegende europäische demokratische Prinzipien und Werte, es geht um unsere Integrität, und es geht auch, ja, um unsere Identität. Ich möchte an dieser Stelle sagen, dass sich Europa in den letzten Wochen als stark erwiesen hat, als geeint erwiesen hat. Dafür bin ich dankbar. Gleichzeitig kann ich nur sagen: Es ist auch der einzige Weg. Wir müssen ein sehr viel stärkeres Europa aufbauen. Dafür müssen wir unabhängiger werden, wettbewerbsfähiger und unabhängiger, und darum ging es ja beim heutigen Treffen.
An dieser Stelle möchte ich an das anschließen, was Friedrich Merz bereits über Energy Islandgesagt hat. Vielen Dank für dieses Projekt! Ich freue mich sehr darüber, dass wir Bornholm Energy Islanddurchsetzen konnten und dass wir dieses fantastische, einmalige Projekt haben. Es ist ein grenzüberschreitendes Projekt, das die europäischen Energiemärkte integriert. Es liefert grüne Elektrizität nach Deutschland und Dänemark, an die Haushalte und an die Wirtschaft in unseren Ländern, und das kommt zur rechten Zeit. Ich hoffe, dass diese Einigung auch tatsächlich ein wertvolles Signal sendet. Es geht nicht nur um Worte. Es geht um Handlung, es geht um Führungsstärke, und wir hoffen, dass sich andere davon inspirieren lassen.
Innerhalb der Europäischen Union ist grüne Energie nicht nur gut für den Planeten, sondern auch für unsere Energiesicherheit. Durch die Investition in Offshore-Windprojekte reduzieren wir unsere Importabhängigkeit. Wir übernehmen die Kontrolle über unsere Zukunft. Hierbei geht es um niedrigere und stabilere Energiepreise für die Privathaushalte und auch für die Unternehmen in Europa, und es wird auch neue Arbeitsplätze für die Zukunft schaffen.
Das alles klingt leichter, als es ist, und ich weiß, dass viele europäische Länder, darunter auch Dänemark, bereits erfahren haben, dass alles teurer wird, genau wie bei den anderen Herausforderungen. Denn wir haben ja auch noch einen Krieg in Europa. Dann haben wir die Frage der Wettbewerbsfähigkeit, der Sicherheit und der Migration. Aber wir haben gezeigt, dass wir ein wirklich viel stärkeres Europa aufbauen müssen. Lassen Sie uns daran weiterarbeiten, damit wir ein stärkeres und sicheres Europa haben. Vielen herzlichen Dank!
Premierminister Bart De Wever:
(auf Deutsch) Zuerst möchte ich mich bei Bundeskanzler Merz für diesen Gipfel bedanken. Dieser Gipfel kommt für die Nachbarn, mit denen wir die Nordseeküste teilen, im richtigen Moment.
… (auf Englisch, ohne Dolmetschung)
(auf Deutsch) Ich möchte mich auch gern herzlich bei unserem Gastgeber bedanken, dem Ersten Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg, meinem ehemaligen Kollegen, guten Freund Dr.--Doktor Tschentscher.
Fast alles ist schon gesagt. Man hat mich auch leider darum gebeten, auf Englisch zu reden.
(auf Englisch) Wir kommen hier zu einem wichtigen Moment in Europas Energiewende zusammen. Seit Generationen ist die Nordsee eine Quelle des Handels und des Wohlstands und der Inspiration. Gleichzeitig ist es auch das schlagende Herz der Energiezukunft; so haben wir es genannt, und das zeigt sich auch heute und bestätigt sich heute.
Für mein Land sind offshoreerneuerbare Energien und "nuclear power" zwei Seiten derselben Medaille: Es geht um saubere und verlässliche Energie, die auch bezahlbar ist. Wir freuen uns sehr, dass wir jetzt auch in unsere Netze und in einen Offshore-Windpark investieren. Wir freuen uns sehr darüber, das gemeinsam mit unseren Nachbarn zu tun. Denn die gemeinsame Netzplanung reduziert die Kosten, und das wiederum ist wichtig für die Senkung der Energiepreise für die Haushalte und für die Wirtschaft. Das trägt auch zur Energiewende bei.
An dieser Stelle möchte ich ganz kurz fünf wichtige Punkte hervorheben. Zunächst einmal müssen wir den Netzausbau und die Interkonnektoren über Grenzen hinweg ausbauen. Das ist in der ganzen Arbeit absolut essenziell.
Zweitens müssen wir schneller genehmigen und die Prozesse auf allen Regierungsebenen beschleunigen, angefangen im lokalen Bereich und dann auch auf Ebene der Nationalstaaten und auf europäischer Ebene.
Drittens müssen wir sicherstellen, dass Europa die industriellen Kapazitäten hat, um dann auch tatsächlich wie geplant liefern zu können. Dann kann man auch eine sichere Nachfrage schaffen, und dann muss man auch in der Lage sein, zu niedrigeren Preisen zu produzieren.
Viertens brauchen wir Finanzierung, und wir müssen eine faire Kostenteilung aufbauen. Das ist, ehrlich gesagt, eine Herausforderung.
Abschließend und fünftens: Während wir jetzt hochskalieren, müssen wir das, was wir aufbauen, auch schützen. Sie können sich vorstellen, dass die kürzlichen Ereignisse jetzt dazu geführt haben, dass wir unter den Regierungschefs heute sehr viel Zeit damit verbracht haben, über diesen Punkt zu diskutieren. Wir leben in einer sehr unsicheren Zeit, und wir müssen Entscheidungen treffen, die sehr unsicher sind. Um Sicherheit liefern zu können, müssen wir eben auch die Sicherheit der Infrastruktur gewährleisten.
Frage: Herr Bundeskanzler, Sie haben sich ja noch vor einem Jahr im Wahlkampf sehr kritisch zur Windenergie geäußert. Sie haben gesagt, sie sei eine Übergangstechnologie, und Windräder könnten in Zukunft vielleicht auch wieder zurückgebaut werden. Sie haben auch gesagt, Windräder seien hässlich. Haben Sie Ihre Meinung dazu geändert? Sehen Sie Investitionen in Windenergie heute als dauerhafte Investitionen an?
Eine Frage an Sie drei zum Thema der USA: Inwieweit haben Sie darüber gesprochen, wie es jetzt in den Verhandlungen über Grönland weitergehen soll? Die USA fordern ja offensichtlich neue Militärbasen auf souveränem Gebiet in Grönland. Ist das für Sie überhaupt eine Option?
Dann würde ich gerne noch wissen, wie Sie über die Ereignisse in Minnesota denken. Es sind ja viele Europäer, die schockiert darüber sind, was da passiert ist. Zwei amerikanische Staatsbürger sind getötet worden. Macht Ihnen das auch Sorgen?
Bundeskanzler Merz: Ich fange vielleicht einmal mit dem letzten Aspekt an. Ich finde es in der Tat besorgniserregend, welche Nachrichten wir da aus den USA in den letzten Tagen bekommen. Es ist offensichtlich immer wieder eine Region oder eine Stadt, die davon betroffen ist. Ich gehe davon aus, dass die amerikanischen Behörden jetzt wirklich aufklären, ob es notwendig war, hier zu schießen, und ob es wirklich eine Bedrohung der beteiligten Beamten gegeben hat. Ich muss jedenfalls sagen: Dieses Ausmaß an Gewaltanwendung in den USA finde ich besorgniserregend.
Was Grönland betrifft: Die Amerikaner haben ja ihre Truppenstärken in Grönland in den letzten Jahren drastisch reduziert. Es gab einmal über 30.000 auf Grönland stationierte amerikanische Soldaten, heute sind es vielleicht noch 200. Die Amerikaner haben, wenn ich es richtig sehe, zwei große Militärbasen in Grönland, die seit einem Vertrag aus dem Jahr 1951 auch entsprechend abgesichert sind. Ich sehe hier eine gemeinsame Anstrengung als notwendig an, den Norden besser zu schützen.
Ich kann das vielleicht aus den Gesprächen heute Morgen sagen: Der norwegische Ministerpräsident hat ausführlich darauf hingewiesen, wie stark die NATO und der europäische Teil der NATO bereits den Norden Europas schützt und wie eng die Zusammenarbeit zwischen den Streitkräften und auch den Nachrichtendiensten der Europäer und der Amerikaner ist. Es gibt hier also kein Erkenntnisdefizit auf europäischer Seite, es gibt einen gemeinsamen Handlungsauftrag für die NATO. Dazu zählen die Amerikaner genauso wie die Europäer - und das Ganze so, wie wir in der NATO seit 75 Jahren zusammenarbeiten, unter vollem Respekt der territorialen Souveränität und Integrität der beteiligten Länder.
Was die Windenergie betrifft: Ich habe immer zwischen Wind an Land und Wind auf See differenziert. Ich komme aus einem Wahlkreis, in dem der Ausbau der Windenergie sehr umstritten ist, weil er das Landschaftsbild stark verändert; wir versuchen das zu kanalisieren. Auf See gibt es aber einen weiteren großen Vorteil. Es gibt eine sehr viel höhere Zahl an Volllaststunden, die allein aufgrund der Witterungsumstände, der Windumstände dort, gewährleistet sind.
Herr Fischer, natürlich gilt für die Windenergie dasselbe wie für andere Arten der Energieerzeugung: Wir haben auch hier eine Übergangstechnologie; die wird uns 10 Jahre, 20 Jahre, vielleicht 30 Jahre begleiten. Ich setze darauf - Sie wissen das; das haben wir im Koalitionsvertrag ja auch verabredet -, dass Deutschland den ersten Fusionsreaktor der Welt ans Netz nimmt. Das kann noch 10 Jahre dauern, das kann 20 Jahre dauern. Aber wenn wir in der Lage sind, Fusionsenergie zu erzeugen, dann wird Strom zu einer "commodity", die im kleinsten einstelligen Centbereich verfügbar ist, und dann wird es in diesem Umfang andere Energieerzeugungsmethoden wahrscheinlich nicht mehr brauchen. Aber das ist Zukunftsmusik, die wir beide wahrscheinlich nur noch aus dem Ruhestand heraus erleben werden - ich jedenfalls, Sie vielleicht auch.
Ministerpräsidentin Frederiksen: Ich kann etwas zu dem Thema Grönland hinzufügen. Ich bin sehr dankbar, denn auch heute haben alle meine Kollegen dem Königreich Dänemark und auch Grönland sehr klar ihre sehr starke Unterstützung ausgedrückt. Natürlich haben sie unsere roten Linien respektiert. Das sind übrigens nicht die dänischen roten Linien, das sind europäische, und es sollten eigentlich globale rote Linien sein, nämlich der Respekt vor der Souveränität souveräner Staaten.
Etwas detaillierter haben wir heute das besprochen, was der Kanzler gerade berichtet hat. Wir haben über die NATO gesprochen. Wir haben die NATO schon seit Längerem darum gebeten, eine dauerhafte Präsenz in der Arktis, im hohen Norden, aufzubauen, auch in Grönland. Bisher gibt es eine solche Präsenz von NATO-Soldaten in Grönland nicht. Wie Sie vermutlich wissen, haben die grönländische und die dänische Regierung jetzt um eine solche permanente Stationierung gebeten. Ich hoffe, dass man im Endeffekt die Baltic Sentryjetzt für Grönland übernehmen kann. Das wäre nicht nur für die Nordflanke der NATO wichtig, sondern auch geopolitisch würde es ein sehr starkes Signal an Russland und China senden. Daran arbeiten wir, darauf arbeiten wir hin, und gleichzeitig sprechen wir bilateral mit den Vereinigten Staaten über Themen, die uns und die Vereinigten Staaten betreffen.
Premierminister De Wever: Ich habe dem jetzt nichts Besonderes hinzuzufügen. Ich hoffe, dass wir weiterhin im Rahmen der NATO kooperieren können. Ich glaube, dass man bei etwaigen Sicherheitsgefahren für Grönland nur die NATO-Lösung nutzen kann. Wir wären natürlich bereit, an einer solchen Baltic-Sentry-Operation teilzunehmen.
Frage: Herr Bundeskanzler Merz, Sie haben heute die Bornholm Island Declarationunterzeichnet. Gleichzeitig wird Dänemark erlauben, dass andere Länder Windfarmen in dänischen Gewässern eröffnen. Ist das etwas, woran Sie interessiert sind, nicht nur Bornholm, sondern mehr Windparks in dänischen Gewässern?
Eine Frage an Sie alle: Ich habe heute sehr viel über Geopolitik, über Energiesicherheit gehört. Beschleunigen Trumps Bemerkungen zu Windrädern und der Gasdominanz tatsächlich Europas Investitionen in die Windenergie?
Bundeskanzler Merz: Wir haben in der Europäischen Union seit vielen Jahren eine gemeinsame Energiepolitik, die allerdings bis jetzt nicht in gemeinsamen Energieprojekten ihren Niederschlag gefunden hat. Das tun wir jetzt zum ersten Mal, indem wir zwischen Dänemark und Deutschland ein gemeinsames Energieprojekt auf den Weg bringen. Ich finde, das kann auch ein Beispiel für andere Länder sein, die entsprechend kooperieren. Ich bin jedenfalls der dänischen Regierung sehr dankbar dafür, dass sie diesen Weg mit uns geht.
Ich will darauf hinweisen, dass das auch weitere Vorteile hat. Denn die Interkonnektoren werden es erlauben, dass Strom in beide Richtungen fließt, sowohl nach Dänemark, als auch nach Deutschland. Davon können wir beide nur profitieren.
Ich werde nicht müde, auch in Deutschland immer wieder zu sagen: Wir brauchen mehr Stromerzeugungskapazitäten, um die hohen Preise in den Griff zu bekommen. Wir können sie nicht auf Dauer durch den Staat subventionieren. Wir brauchen mehr Angebot, damit die Nachfrage entsprechend bedient werden kann. Deswegen freue ich mich über jedes Projekt, das wir gemeinsam auf den Weg bringen können. Dieses ist ein gutes Beispiel und vielleicht sogar auch ein Vorbild für andere.
Frage: Meine Frage richtet sich an Premierminister De Wever. Braucht Belgien zur Ausführung der hier vorgestellten Pläne eine vollständige Entwicklung der Energieinseln?
Ministerpräsident Bart De Wever: Das ist eine sehr gute Frage, die ich mir auch selbst gestellt habe. Das wissen Sie, sonst hätten Sie mich nicht gefragt. Das ist natürlich etwas, was wir in der Bundesregierung in Belgien besprechen. Tatsächlich haben wir uns entschlossen, einen Offshore-Windpark zu entwickeln. Die Größe der "energy islands" und auch die Verbindung mit dem Vereinigten Königreich stehen noch in der Diskussion. Denn wie der nette Herr hier bereits gesagt hat, müssen wir uns mit den Energiepreisen auseinandersetzen, da Russland einen Krieg in Europa führt und nicht jeder in der Welt bei der Vision der grünen und sauberen Energie mitmacht.
Wir haben einen transatlantischen Partner, der sehr abwertende Bemerkungen über die Windenergie gemacht und sich sehr für die fossilen Energien stark gemacht hat. Das bringt uns in eine schwierige Lage, wenn wir jetzt die Ehe zwischen der Energiewende und der Wettbewerbsfähigkeit unserer Industrie schließen wollen. Sie werden nicht überrascht sein, dass das ein Thema ist, das wir bei der "round table discussion" mit den privaten Unternehmen besprochen haben. Das war das Thema. Wie kann man das finanzieren? Das sind Investitionen für Jahrzehnte in einer sehr unsicheren Welt. Der Rest der Welt macht bei der Energiewende, wie wir uns das in Europa vorstellen würden, nicht wirklich mit.
All das berücksichtigen wir. Wir treffen die bestmöglichen Entscheidungen. Wir schreiben den Offshore-Windpark für die Offshore-Kapazität aus. Aber die Größe des Projekts ist für mich immer noch genauso fraglich wie für Sie, und das Fragezeichen wird erst einmal bleiben.
Ministerpräsidentin Mette Frederiksen: Ich möchte eines hinzufügen. Wir haben in der EU eine sehr wichtige Entscheidung treffen können, nämlich keine fossilen Energien aus Russland mehr zu importieren. Ich hoffe, dass inzwischen alle Europäer verstehen, dass es wirklich ein großer Fehler war, abhängig von russischem Öl und Gas zu sein. Wir hätten es niemals so weit kommen lassen dürfen und müssen jetzt dafür sorgen, dass wir auch nicht von anderen Ländern außerhalb Europas abhängig werden, nicht nur, was die Energie angeht, sondern auch in allen anderen Bereichen.
Niemand kann jetzt über Energie diskutieren, ohne über Sicherheit zu diskutieren. Heutzutage kann man nicht über Sicherheit diskutieren, ohne nicht auch über Energie zu diskutieren. Wir müssen das also schneller machen und größer denken. Wir brauchen natürlich die Energie für unsere Haushalte und für unsere Unternehmen. Dies ist auch ein Bereich, in dem wir uns beeilen müssen. Deshalb sind die Entscheidungen, die wir heute treffen konnten, diese bilaterale Vereinbarung zwischen Deutschland und Dänemark, so extrem wichtig. Denn wenn Europa von anderen abhängig ist, dann ist es fragil. Wir müssen natürlich auch selbst Fortschritte machen.